Am 10. November 2015 wurden die Preise des Wettbewerbs zum Deutschen Bauherrenpreis 2015 in der Kategorie Modernisierung verliehen. Unter dem Vorsitz von Jochen König, Architekt BDA, zeichnete die Jury zehn Projekte des wichtigsten nationalen Wohnungsbauwettbewerbs mit einem Preis aus, zehn weitere Projekte erhielten eine Besondere Anerkennung. Darüber hinaus wurde der Sonderpreis „Denkmalschutz im Wohnungsbau“ vergeben.
„Den Preisträgern ist es gelungen, den notwendigen Klimaschutz mit hoher Wohnqualität in Einklang zu bringen. Sie verbinden hohe Gestaltungsansprüche mit tragbaren Kosten“, erklärte Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbauministerium, bei der Preisverleihung.
An wen gingen die zehn Preise? Punkthäuser in Singen
Die Baugenossenschaft Hegau hat in Singen gemeinsam mit Hermann + Bosch Architekten fünf achtgeschossige Punkthäuser aus den 1960er Jahren an heutige Wohnstandards angepasst. Durch die Aufstockung mit Penthouse-Wohnungen und durch die dem Bestand vorangestellten energetisch vorteilhafteren Fassaden mit ihren Balkonen und Abstellräumen entstand ein attraktives neues Erscheinungsbild sowie ein energetisch und funktional aufgewertetes Ensemble.
Videos und weitere Informationen zu diesem und allen weiteren ausgezeichneten Projekten finden Sie im Youtube-Kanal des GdW www.youtube.de/GdWBundesverband oder auf www.deutscherbauherrenpreis.de .
Eisenbahnersiedlung in Wustermark
Ausgezeichnet wurde außerdem die Sanierung der denkmalgeschützten Eisenbahnersiedlung aus den 1920er/1930er Jahren in Wustermark. Die Deutsche Wohnen AG hat als Bauherrin gemeinsam mit Blumers Architekten den ursprünglichen Charakter der Siedlung wiederhergestellt und mit einer weitreichenden energetischen Sanierung verbunden.

Entstanden sind neue Wohnungstypen, die insbesondere von jungen Familien nachgefragt werden.
Reihenhaus in Praunheim
In Frankfurt am Main hat die Bauherrenfamilie Boy ein Reihenhaus in Praunheim so modernisiert, dass die ursprüngliche Gestaltung der als Beispiel des modernen Bauens der 1920er Jahre weit bekannten, aber durch private Sanierungen extrem überformten Siedlung von Ernst May wieder erlebbar ist und mit modernen Wohnansprüchen verbunden wurde.
Neugestaltung eines Plattenbauensembles in Rathenow
Ebenfalls preiswürdig war aus Sicht der Jury die Neugestaltung eines in Plattenbauweise errichteten Ensembles am Marktplatz von Rathenow. Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft hat gemeinsam mit Uli Krieg Architekten und unter Einbeziehung ihrer Mieterinnen und Mieter neue Grundrisse geschaffen, die Gebäude energetisch ertüchtigt und mit einem attraktiven neuen Erscheinungsbild zur Revitalisierung des Stadtzentrums beigetragen.
Gründerzeitliches Wohn- und Geschäftshaus in Berlin-Charlottenburg
In Berlin-Charlottenburg hat das Psychosoziale Zentrum für Schwule als Bauherr gemeinsam mit roedig.schop architekten ein Wohn- und Geschäftshaus innerhalb der gründerzeitlichen Blockstruktur zu einem barrierefreien Mehrgenerationenhaus energetisch beispielhaft umgebaut, zu dem eine betreute Wohngemeinschaft, ein Café und ein großer Gemeinschaftsgarten gehören. Vielfältige Beratungsangebote stehen auch den Bewohnern der Nachbarschaft offen.
Denkmalgeschützter Wohnkomplex in Eisenhüttenstadt

Die Gebäudewirtschaft Eisenhüttenstadt hat mit dem Ingenieurbüro Hoch- und Tiefbau eG den denkmalgeschützten ersten Wohnkomplex der Stahlarbeiterstadt aus den 1950er Jahren mit dem komplexen Sanierungskonzept „GenerationenWohnen“ neu gestaltet, ohne die Belange des Denkmalschutzes und der Energieeinsparung zu vernachlässigen. Die neuen Grundrisse unterstützen das Zusammenleben von jungen und alten Menschen.
Ehemalige Kleiderfabrik in München mit neuer Nutzung
In München hat die Genossenschaft KunstWohnWerke gemeinsam mit Holzfurtner und Bahner Architekten bezahlbare Wohn- und Arbeitsräume in den Gebäuden einer ehemaligen Kleiderfabrik geschaffen. Der Verwaltungsbau in Stahlbetonbauweise aus dem Jahr 1971 und gegenüberliegende Produktionshallen wurden so umgebaut und energetisch saniert, dass loftähnliche Einheiten entstanden sind, in denen sich Wohnen und Arbeiten gut miteinander verbinden lassen.
Studentenwohnanlage zu „Haus für urbane Gartenfreunde“ umgebaut
Das Studentenwerk AdöR hat in Berlin gemeinsam mit den Baupiloten eine Studentenwohnanlage aus den frühen 1960er Jahren zum „Haus für urbane Gartenfreunde“ umgebaut. Die für heutige Ansprüche zu kleinen Zimmer wurden zu zeitgemäßen Apartments zusammengelegt, das Gebäude wurde grundlegend energetisch ertüchtigt und der Außenraum zur vielfältigen Begegnungsstätte umgestaltet.
In Luckau Justizvollzugsanstalt zu Wohnungen so umgebaut

In Luckau hat die kommunale Wohnungsbau und Verwaltungsgesellschaft mit den Architekten von der Bauplanung Bautzen GmbH eine mitten im Zentrum gelegene ehemalige Justizvollzugsanstalt zu Wohnungen so umgebaut, dass interessante Grundrisse unterschiedlicher Größe entstanden sind und gleichzeitig der historische Charakter der Anlage gewahrt blieb. Entstanden ist ein Angebot für preiswertes Wohnen in der historischen Innenstadt.
In Kraiburg/Inn historisches Stadthaus weitergedacht
Der Sonderpreis „Denkmalschutz im Wohnungsbau“ wurde für die beispielhafte Sanierung zweier Wohnhäuser am Marktplatz von Kraiburg/Inn nach dem Leitbild „Historisches Stadthaus weitergedacht“ vergeben. ARIS Architekten ist es gemeinsam mit der Bauherrin Angelika Anglhuber gelungen, grundlegend neue Wohnqualitäten mit hoher Energieeffizienz zu schaffen und gleichzeitig den anspruchsvollen Vorgaben des Denkmalschutzes Rechnung zu tragen.
Energetisch saniert – gestalterischen Qualitäten erhalten

Allen ausgezeichneten Projekten ist nach Einschätzung der Jury gemein, dass sie die komplizierten Ansprüche der energetischen Sanierung gemeistert haben, ohne die vorhandenen gestalterischen Qualitäten des Bestandes zu beschädigen. Vorbildlich waren die mit Blick auf heutige Wohnbedürfnisse notwendigen funktionalen Verbesserungen, der sensible Umgang mit der Bewohnerschaft und die Beachtung des städtebaulichen Kontextes – und das zu tragbaren Kosten. Das sind Qualitäten, die den Deutschen Bauherrenpreis seit jeher auszeichnen und die auch den diesjährigen Wettbewerb geprägt haben. Denn mit seinem Leitbild „Hohe Qualität zu tragbaren Kosten“ steht der Deutsche Bauherrenpreis, den die Arbeitsgruppe Kooperation des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, des Bundes Deutscher Architekten (BDA) und des Deutschen Städtetages auslobt, wie kein anderer Wettbewerb dafür, dass nachhaltiges Bauen baukulturell vorbildlich, aber auch kostengünstig sein muss, und zwar betrachtet über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. Eine besondere Herausforderung stellt diese Betrachtungsweise für denkmalgeschützte Wohnbauten dar, weshalb sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ebenfalls am Wettbewerb beteiligte.