Menschen betreten das Kongresszentrum zur DCONex-Fachmesse.
1300 Teilnehmer fanden den Weg ins winterliche Münster zur DCONex Ende Januar. (Quelle: Michael Lyra/www.dconex.de)

Schadstoffe 2026-02-19T08:00:36.383Z DCONex Münster 2026: Schadstoffmanagement im Fokus

Am 27. und 28. Januar 2026 fand die DCONex wieder im Messe und Congress Centrum Halle Münsterland statt. In Summe 1.300 Teilnehmer und über 40 Aussteller kamen zusammen, um aktuelle Themen, Entwicklungen und Herausforderungen des Schadstoffmanagements zu diskutieren. Die Veranstaltung bot mit einem vielseitigen Kongressprogramm und einer begleitenden Fachausstellung erneut eine Plattform für intensiven Austausch, Weiterbildung und Networking.

Den Anfang machten Fachvorträge unter der Moderation von Markus Langenbach, RM Rudolf Müller Medien GmbH & Co. KG. Prof. Dr.-Ing. Markus König (Ruhr-Universität Bochum) beleuchtete die Chancen und Herausforderungen des Einsatzes künstlicher Intelligenz (KI) in der Baubranche. Er hob den Einsatz der Technologie als zukunftsweisend hervor, insbesondere in Bezug auf Effizienzsteigerung und Präzision bei der Schadstoffsanierung. 

Ein Vortrag über Anwendungsgebiete der künstlichen Intelligenz auf einer Konferenz mit zahlreichen Teilnehmern in einem großen Saal.
In seinem Vortrag beleuchtete Prof. Dr.-Ing. Markus König (Ruhr-Universität Bochum) die Chancen und Herausforderungen des Einsatzes künstlicher Intelligenz (KI) in der Baubranche. (Quelle: Michael Lyra/www.dconex.de)

Dipl.-Geoökologe Olaf Dünger (GVSS) ging anschließend auf die jüngsten Entwicklungen ein, die das Kongressprogramm der DCONex in diesem Jahr prägten. Dazu gehörten Änderungen der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) sowie die Anpassungen der TRGS 519. Spezifische Themen wie der „Leitfaden Asbest beim Bauen im Bestand“ (Dipl.-Ing. Berit Schuchmann, BG BAU) und die Exposition-Risiko-Matrix der TRGS 519 (Dr. rer. nat. Birgitta Höwing, WESSLING Consulting Engineering GmbH) gaben den Teilnehmern Einblicke in gesetzliche und praktische Anforderungen. 

Abfall und Recycling – Lösungen für die Zukunft 

Am Nachmittag standen die Themen Abfall und Recyclingmaterial im Fokus. Unter der Moderation von Olaf Dünger wurden Praxisberichte und gesetzliche Rahmenbedingungen diskutiert. Experten wie Gunther Weyer (Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz) und Dipl.-Ing. Patric Van der Haegen (Eberhard Unternehmungen) stellten Einordnungen zu den Anforderungen an RC-Material für das Recycling vor. Dabei war eine zentrale Diskussion die Relevanz der LAGA M 23 für Abbruch und Recycling im Bau. 

Gregor Franßen (FRANSSEN NUSSER Rechtsanwälte) setzte mit seinem Vortrag „Abfallende und kein Ende“ einen spannenden Schlusspunkt des ersten Kongresstags. Er zeigte auf, wie rechtliche Regelungen und Unsicherheiten das Management von Abfällen beeinflussen und welche Perspektiven eine präzisere Gesetzgebung böte. 

Workshops und Fachvorträge zu Radon und mehr 

Neben den Diskussionen im Kongress Saal boten der Saal NEO und der Rote Saal parallele Vorträge und Workshops, die sich unter anderen den Themen Wohnungsbau, Schadstoffsanierung und Radonbelastung widmeten. 

Im Saal NEO betonte Sarah Henze (GBA GmbH) die Bedeutung standardisierter Vorgehensweisen im Wohnungsbau, während Benjamin Gaidel (Rheinwohnungsbau GmbH) Rückblicke auf Schadstoffsanierungen im Wohnungsbau gab. Der Vortrag von Dipl.-Ing. Florian Tiemann (deconta GmbH) zum mobilen Arbeitsschutz, lieferte einen praxisnahen Ansatz für geschützte Arbeitsbedingungen bei Sanierungsprojekten. 

Im Roten Saal lag der Fokus auf spezifischen Schadstoffen. Dr. rer. nat. Thomas Haumann (VDB e.V.) moderierte tiefergehende Vorträge, darunter praktische Beispiele zu Radonsanierungen von Industrie- und Gewerbestandorten (Dipl.-Geol. Robert Georgi). Des Weiteren befasste sich Jeremias Stolze (Ingenieurbüro Stolze) mit den Chancen und Grenzen der Feuchtemessung bei Schimmelpilzschäden. 

Eine Messehalle voller Besucher, die sich an verschiedenen Ständen informieren.
Die begleitende Fachausstellung stieß auf großes Interesse bei den teilnehmenden Fachleuten. (Quelle: Michael Lyra/www.dconex.de)

Der zweite Kongresstag war geprägt von intensiven Diskussionen, praxisnahen Einblicken und tiefgehender Fachanalyse. Die Themen reichten von rechtlichen Fragestellungen über Forschung zu Bauabfällen bis hin zu Herausforderungen bei historischen Gebäuden und spezifischen Schadstoffen wie PCB und Chrom (VI). Dipl.-Ing. Sandra Giern, Vorsitzende des Gesamtverbands Schadstoffsanierung (GVSS), eröffnete den Tag mit einem kurzen Rückblick auf die Highlights des ersten und einer Einführung in die Themen des zweiten Kongresstags.  

VOB/B, Nachtragsmanagement und Gefährdungsbeurteilungen  

Die erste Vortragseinheit nahm aktuelle rechtliche Herausforderungen unter die Lupe. Ari-Daniel Schmitz LL.M. (Stähler Rechtsanwälte, Münster) erläuterte die Änderungen der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB/B) und sprach über Besonderheiten beim Nachtragsmanagement, insbesondere bei Gefährdungsbeurteilungen gemäß § 6 Abs. 2b Gefahrstoffverordnung. Dieser Vortrag bot Orientierungshilfen für rechtssichere und wirtschaftlich effiziente Umsetzung in Bauprojekten. 

Von 11:00 bis 12:30 Uhr standen Bau- und Abbruchabfälle im Kongress-Saal im Mittelpunkt. Dr. Sebastian Kollenz (Kluge Sanierung GmbH, Mutterstadt) präsentierte emissionsarme Verfahren zur Erkundung asbesthaltiger Abstandhalter in Baustoffen. Dr. rer. nat. Philipp Stelter (AP&S GmbH) lieferte einen interessanten Beitrag zur Qualitätssicherung bei der Abfallbehandlung, insbesondere bei Abstandshaltern im Beton. Abschließend beleuchtete Dipl.-Geol. Melanie Schäfer (Die Autobahn GmbH des Bundes) die Perspektive der Auftraggeber und Anforderungen an Abstandhalter in Betonbrücken. 

Workshopthema: Analyse von Amphibolen 

Parallel fand ein Workshop statt, der sich den fachlichen Grundlagen und Analysen von Amphibolen widmete. Dr. rer. nat. Markus Mattenklott (IFA), Dr. Stefan Pierdzig (CRB Analyse Service GmbH) und Dipl.-Geol. Joachim Koppen (BIOLAB Umweltanalysen GmbH) erklärten die Unterschiede zwischen Amphibol-Asbest und anderen Mineralen, präsentierten Beispiele aus der Praxis und stellten alternative Analysenverfahren vor. Die daran anschließende kontroverse Diskussion brachte Impulse für die präzise Schadstoffanalytik und -bewertung.  

Ein weiterer Höhepunkt des Vormittags fand im Roten Saal statt. Dipl.-Ing. Martin Kessel (Arcadis Germany GmbH) präsentierte den Diskussionsstand zur VDI-Richtlinie 6202 Blatt 4 und neue Erkenntnisse aus dem Chlorparaffin-Forschungsvorhaben des GVSS. Ein besonderes Augenmerk galt der „CycloPlasma“-Dekontaminationstechnologie, die Lösungen für schadstoffbelastete Holzbauteile in historischen Gebäuden bietet. Die Beiträge von Dr. rer. nat. Markus Sailer (RESA Chemicals) und Dr. Andrea Burdack-Freitag zeigten effektive Wege zur Schadstoffsanierung in schwierigen Kontexten auf. 

Saal NEO: Aktuelle Problemstellungen in der Analytik 

Moderiert von Dr. Martin Hönig beleuchteten Experten fachliche Herausforderungen in der Schadstoffanalytik. Dr. rer. nat. Lilian Graser (CLG Chemisches Labor Dr. Graser KG) erklärte die Mischprobenherstellung und deren Bedeutung in Bezug zur VDI 3866. Markus Sommer (Kavarflex Polska Sp. z o.o.) thematisierte die Problematik von Chrom (VI) bei Kraftwerken und Stahlbauinstandsetzungen, während Sascha Schram (Infraserv Höchst) innovative Messmethoden für PCB erläuterte. 

Roter Saal: Schadstoffe im Denkmalschutz 

Historische Gebäude standen ab 14:00 Uhr im Fokus. Eröffnet wurde die der Veranstaltungsblock mit einer Diskussion zu Schadstoffen im Denkmalschutz. Es folgten Beiträge von Dipl.-Ing. Ekkehard Flohr (Ing.-Büro E. Flohr GmbH), der die Diagnose und Beseitigung von Altbioziden in Baudenkmälern thematisierte, sowie Dipl.-Ing. Jens Engel (Remmers GmbH), der von seinen Erfahrungen in Sachen Blei-Dekontamination an der Kathedrale Notre-Dame in Paris berichtete. Dieser Praxiseinblick in ein weltweit bekanntes Sanierungsprojekt fand besonders viel Interesse bei den Teilnehmern. 

Über 40 Vorträge von Experten für Experten – das war die DCONex 2026. Dazu die begleitende Fachausstellung, die so rege genutzt wurde, dass sich die über 40 DCONex-Aussteller ebenfalls zufrieden mit der diesjährigen Veranstaltung zeigten. Mit dem Mix aus Wissenstransfer und Möglichkeiten zum Netzwerken ist die DCONex die wichtige jährliche Veranstaltung rund um das Thema Schadstoffmanagement. Die nächste Ausgabe findet am 26. und 27. Januar 2027 wieder im MCC Halle Münsterland statt. Aktuelle Informationen unter:  www.dconex.de  

Andrea Papkalla-Geisweid

zuletzt editiert am 19. Februar 2026