Die DCONex in Essen war mit rund 400 Teilnehmern gut besucht. (Quelle: DCONex.de/Alex Muchnik)

Schadstoffe

27. January 2022 | Teilen auf:

DCONex 2022: Endlich wieder live und in Farbe 

Die diesjährige DCONex bot Ende Januar in Essen an zwei Tagen einen weiten und breiten Überblick über aktuelle Aufgaben und Herausforderungen im Schadstoffmanagement. Von einzelnen Stoffen wie PCB, Radon und Asbest über die Schwierigkeiten bei der Entsorgung von Bauschadstoffen, bis hin zu den Entwicklungen innerhalb der Normung, wurden zahlreiche Aspekte beleuchtet.

Markus Langenbach, Programm-Leiter in der Rudolf Müller Mediengruppe, eröffnete die DCONex. (Quelle: B+B Bauen im Bestand)

„Wir sind sehr froh, die Veranstaltung wieder durchführen zu können“, sagte Markus Langenbach, Programm-Leiter Bau- und Ausbau der Rudolf-Müller-Mediengruppe zur Begrüßung, nachdem die DCONex im vergangenen Jahr coronabedingt abgesagt werden musste. Gut 400 Teilnehmer hatten sich für den zweitägigen Kongress am 19. und 20. Januar angemeldet. Fast 40 Aussteller zeigten in der begleitenden Fachausstellung technische Lösungen und Best-Practice-Beispiele für die Sanierung. Wir waren vor Ort und haben uns umgehört, welche Themen die Fachwelt derzeit umtreibt.

Neue Entwicklungen seit der DCONex 2020 wurden sichtbar

Die ersten beiden Referenten der DCONex beschäftigten sich mit dem Thema „Neue Entwicklungen seit der letzten Veranstaltung in Essen – was hat sich getan und was bedeutet das für die Praxis?“

Bei der künftigen Gefahrstoffverordnung solle Asbest stärker in den Vordergrund gerückt werden, sagte Dipl.-Ing. Andrea Bonner vom Bundesministerium Arbeit und Soziales (BMAS) zu Beginn der Vortragsreihe. Durch neue Erkenntnisse hinsichtlich des Asbest-Vorkommens in bauchemischen Produkten wie Putzen, Spachtelmassen, Fliesenklebern, Abdichtungen etc. wurde die Überarbeitung der Verordnung notwendig. Daraus ergeben sich automatisch die Schutzmaßnahmen, die beim Veranlassen der Baumaßnahmen ergriffen werden müssten. Aber auch Begrifflichkeiten wie zum Beispiel Abbruch, Sanierung und Instandsetzung werden noch einmal klar definiert, da bisher jeder etwas anderes darunter verstehe. Die Vollzugskontrolle auf den Baustellen werde dadurch erheblich erschwert.

Dr. rer. nat. Bernd Hoffmann vom Bundesamt für Strahlenschutz in Berlin referierte über die „Behördliche Ausweisung der Radonvorsorgegebiete nach Strahlenschutzgesetz – Methoden und Signifikanz“. Radon werde oft noch als Exot unter den Gefahrenstoffen wahrgenommen, stellte er fest. Dabei sei es einer der Hauptauslöser von Lungenkrebs. Deutschland hinke bei der Prognose des radioaktiven Edelgases gegenüber anderen Ländern wie beispielsweise Skandinavien weit hinterher. Derzeit seien nur rund 210 Gemeinden deutschlandweit als Radonvorsorgegebiete ausgewiesen – das entspreche etwa 1,1 Millionen Einwohnern. Da das Edelgas deutschlandweit überall im Erdreich oder Gestein vorkomme, bedürfe es aber eines stärkeren Radonschutzes auch bei Privatbauten.

Denkmalgeschützte Gebäude erfordern besonderes Vorgehen

Im Themenblock „Schadstoffsanierung in denkmalgeschützten Gebäuden“ ging unter anderem Dipl.-Ing. Holger Schmidt-Schuchardt von der Planungsgemeinschaft Schmidt & Partner aus Weimar der Frage nach: Denkmalschonende Schadstoffsanierung alter Holzschutzmittel - Was ist anders und möglich? Das erklärte er anhand von Beispielen wie dem Potsdamer Schloss, dem Augustinermuseum in Freiburg und der Kirche in Monschau. Dabei stellte er fest, dass bei der Schadstoffreduktion oft Wunsch und Realität auseinanderklaffen, allein durch die Grenzen ökologischer, aber auch technischer und rechtlicher Natur. Und kam zu dem Schluss, dass alle bisher angewendeten Verfahren lediglich eine Reduktion der Schadstoffe, nicht aber eine komplette Zerstörung bewirken könnten.

Dr. rer. nat. Christoph Franzen vom Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt e.V. aus Dresden referierte zu „Arsen in historischen Farben – Schweinfurter Grün“. Das seit Beginn des 19. Jahrhunderts industriell hergestellte sogenannte Schweinfurter Grün erfreute sich großer Beliebtheit. Trotz des gesetzlichen Verbots im Deutschen Reich in den 1880er-Jahren wurden Restbestände bis weit in das 20. Jahrhundert hinein als Farbmittel verarbeitet. Heute fänden Beschäftigte unter anderem bei der Restaurierung historischer Wandgestaltungen, Anstrichen, Raumausstattungen oder bei Sanierungsarbeiten in älteren Gebäuden solche Farbpigmente vor. Dr. Franzen wies auf die Relevanz des Themas hin, beschrieb die analytische Identifikation und gab Hinweise zum zeitgemäßen, denkmalgerechten und sicheren Umgang mit diesen arsenhaltigen Farbfassungen. Seiner Meinung nach sei es wichtig Strategien zu entwickeln, die einen umweltgerechten Kulturgüterschutz ermöglichen.

Dipl.-Ing. (FH) Bert Kühl von der NovaBiotec Dr. Fechter GmbH in Berlin stellte die „Sanierung des mit Holzschutzmitteln belasteten Dachstuhls von Schloss Cecilienhof“ in Berlin vor. Das Dachtragwerk aus Nadelholz war in erheblichem Umfang geschädigt. Da seit den 1960er-Jahren verschiedene Präparate aufgebracht wurden, führte das in Verbindung mit starker Luftfeuchte zur Auflösung des Holz-Zellgefüges sowie ganzer Faserbüschel. Drei Bauabschnitte waren zwischen 2014 bis 2018 nötig, um die gesamte Dachfläche zu sanieren. An der Reinigung der Dachflächen sowie der Konstruktionshölzer bis hin zur Entsorgung der Dachlatten mit gleichzeitiger Reinigung der wiederverwertbaren Dachziegel beteiligten sich 30 Gewerke. Das Fazit von Bert Kühl fiel positiv aus: Der Aufwand habe sich gelohnt - die Nachkontrollen ergäben eine wesentliche Verbesserung der Situation im Dachgeschoss. Die Ablöseerscheinungen seien nicht mehr vorhanden und das historische Erscheinungsbild könne erhalten bleiben.

Asbesthaltige Abfall aus Bau und Abbruch korrekt entsorgen

Referentin Sandra Giern vom Gesamtverband Schadstoffsanierung, sprach zum Themenblock „Umgang mit Abfall aus Bau und Abbruch“. (Quelle: B+B Bauen im Bestand)

Vom Gesamtverband Schadstoffsanierung e.V. (GVSS) in Berlin sprach Dipl.-Ing. Sandra Giern über den „Umgang mit asbesthaltigen Abfällen aus dem Baubestand“. Als Beispiel griff Sandra Giern die Herangehensweise der Glaser mit asbestverseuchtem Fensterkitt heraus. Ein eigens dazu gebildeter Arbeitskreis habe ein Arbeitsverfahren zum emissionsarmen Ausbau von Kitt erstellt, seit 2018 sei dieses Verfahren abgesegnet und anerkannt. Diese „Vorschrift“ mache ein in das Arbeitsverfahren eingewiesenes Fachpersonal für auszuführende Arbeiten nach TRGS 519 notwendig. Beim 2018 ausgelobten Gefahrenstoffpreis wurde das Glaserhandwerk für seine erfolgreiche Arbeit bei der Handhabung von Abfall aus Bau und Abbruch ausgezeichnet.

Die Umsetzung der Anforderungen zum Umgang mit asbesthalteigen Bauabfällen sei für die Recyclingbranche nicht einfach, erklärte Stefan Schmidmeyer vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. aus München. Er sprach über die „Umsetzung der Anforderungen beim Recycling mineralischer Abfälle“ und erklärte, dass alle vor 1995 erbauten Gebäude grundsätzlich als asbesthaltig eingestuft werden können. Er verwies weiterhin auf die schwierige Umsetzung einer ausreichenden Überwachung der Maßnahmen durch die zuständigen Behörden und mahnte eine allgemeine Anzeige- und Genehmigungspflicht für alle Abbrucharbeiten und Bauvorhaben an. Andernfalls würden zukünftig der überwiegende Anteil der anfallenden Bau- und Abbruchabfälle auf Deponien landen.

Dipl.-Ing. Heinz Kropiunik von der aetas Ziviltechniker GmbH aus Wien konnte in der Diskussion „Sechs Jahre Erfahrung mit der Recycling-Baustoffverordnung in Österreich“ beisteuern. Er führte an, dass sechs Jahre nach der Einführung der Recycling-Baustoffverordnung in Österreich, das Vorgehen langsam zum Standard würde, was allerdings oft nur der Motivation der Bauherren geschuldet wäre. Festzuhalten wäre, dass behördliche Instanzen oder Projektverantwortliche oft mit der Umsetzung der Vorgaben überfordert und Schlupflöcher in den anzuwendenden Normen weidlich ausgenutzt würden. Zur Verbesserung der Maßnahmen als auch der Umsetzung forderte er eine aus seiner Sicht überfällige Überarbeitung der Norm EN ISO 16000-32 „Innenraumluftverunreinigungen - Teil 32: Untersuchung von Gebäuden auf Schadstoffe“.

Regelwerke werden kontinuierlich weiterentwickelt

Mit aktuellen Entwicklungen in den Regelwerken beschäftigte sich der Vortrag von Martin Kessel aus Karlsruhe. (Quelle: B+B Bauen im Bestand)

Im ersten Themenblock am Donnerstagmorgen stellte Dipl.-Ing. Martin Kessel von der Arcadis Germany GmbH aus Karlsruhe die Richtlinie VDI 6202 Blatt 3 vor. Diese beschäftigt sich mit der Erkundung und Bewertung von schadstoffbelasteten baulichen und technischen Anlagen durch Asbest. Er stellte die Herausforderungen beim Anwenden der Norm dar, da diese nicht trivial seien. Besonders der beschriebene Untersuchungsablauf im beigefügten Berechnungstool sei erklärungsbedürftig. Trotzdem sehe er die Veröffentlichung der Richtlinie im September 2021 als einen Meilenstein, da es bisher nicht viele Informationen zum Umgang mit schadstoffbelasteten Anlagen gegeben habe.

„Eine ATV DIN ist keine technische Vorschrift, die festlegt, wie etwas zwingend gemacht werden muss. Die Vorgaben in einer ATV greifen erst dann, wenn im Werkvertrag nichts vereinbart wurde“, stellte Dipl.-Ing. Christoph Hohlweck der Kluge Sanierung GmbH aus Duisburg gleich zu Anfang seines Vortrags klar. Sein Thema: Entwicklungsstand der zukünftigen ATV DIN 18448 – „Arbeiten an schadstoffbelasteten baulichen und technischen Anlagen“. Entwicklungsstand deshalb, weil die Verordnung noch nicht verabschiedet ist. Immerhin wusste Hohlweck zu berichten, dass die ATV, die wegen Widerstands der Spitzenverbände der Bauwirtschaft nicht eingeführt werden konnte, nun doch auf einem guten Weg sei. Es sieht danach aus, dass sie bei der nächsten Aktualisierung Eingang in die VOB/C findet.

Radon – wie erkennen, wie damit umgehen?

Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig von der Universität Dresden beklagte in seinem Vortrag, dass es bisher zu wenig Normen zum Radonschutz gebe. (Quelle: B+B Bauen im Bestand)

„Radonschutz wird noch nicht als „allgemein anerkannte Technik“ eingeschätzt, was zumindest die Erarbeitung einer Vornorm notwendig macht, um der Bedeutung des Themas Rechnung zu tragen“, erläuterte Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig vom Kora e.V. aus Dresden. Und so handelte sein Vortrag über Radonschutz in der aktuellen Normung – die DIN/TS 18117 „Bauliche und lüftungstechnische Maßnahmen zum Radonschutz“. Das Ziel dieser Vornorm sei es, einen umfassenden Überblick über alle baulichen und lüftungstechnischen Maßnahmen zu geben. So erfasst der Abschnitt über bauliche Maßnahmen die Reduzierung des konvektiven Radoneintritts, des diffusiven Radoneintritts sowie die Reduzierung der Radonausbreitung im Gebäude. Der Abschnitt lüftungstechnische Maßnahmen stellt in einer Tabelle Lösungen zur Reduzierung der Radonkonzentration in der Raumluft zusammen. Ein zweiter Teil der Vornorm sei geplant und derzeit in Bearbeitung, genauso wie das WTA-Merkblatt „Radonschutz im Gebäudebestand“, was er am Ende seines Vortrags zur Ergänzung der DIN empfahl.

Dr. rer. nat. Thomas Haumann vom Sachverständigenbüro für Radonanalytik und Baubiologie aus Essen und dem Berufsverband Deutscher Baubiologen VDB e.V. in Jesteburg stellte Untersuchungsstrategien zur Bestimmung der Radondichtheit eines Gebäudes anhand des Rn50-Tests vor. Der sogenannte Rn50-Test wurde entwickelt, um in kurzer Zeit (in der Regel nur ein Tag) eine zuverlässige Aussage über ein Radonproblem in Gebäuden zu erhalten. Er funktioniert wie ein erweiterter Blower-Door-Test und dient zur Beurteilung der Radon-Dichtheit zum Erdreich, zur Bestimmung der Radon-Eintrittsrate, zur Abschätzung der mittleren Radon-Aktivitätskonzentration in der Raumluft sowie zur Quellensuche, dem sogenannten Radon-Sniffing. Sollte dabei der Radon-Referenzwert gemäß Strahlenschutzgesetz von 300 Becquerel pro Kubikmeter überschritten werden, bestehe eine Melde- sowie Maßnahmenpflicht des Gebäudeeigentümers, erläuterte Dr. Haumann.

Abdichtung, Lüftung oder Absaugung – wie kann man gegen Radon vorgehen? Welche Methoden zur Radonsanierung herangezogen werden können, zeigte Dipl- Ing. Richard Zinken vom Ingenieurbüro RZ aus Mechernich am Beispiel eines Schulgebäudes mit Teilunterkellerung. Als Ausgangssituation maß man bei einer Gesamtfläche von etwa 1.400 Quadratmetern Werte von über 3.500 Becquerel pro Kubikmeter in den Klassenräumen. Dadurch kam der Einsatz einer Lüftungsanlage nicht infrage. Die Wahl fiel auf eine Absaugung an insgesamt 18 Absaugpunkten. Das Verfahren, das bereits in der Vergangenheit erfolgreich eingesetzt wurde, führte auch diesmal zum Erfolg: Die Radonkonzentration in den Innenräumen konnte auf unter 100 Becquerel pro Kubikmeter reduziert werden.

PCB lagert sich im Körper an

„PCB lässt sich heute überall finden: In der Luft, in Gewässern und im Boden. Von besonderer Bedeutung sind die PCB-Belastungen in Innenräumen, da die Menschen hierzulande circa 90 Prozent ihrer Zeit im Haus verbringen“, sagte Univ.-Prof. Dr. med. Thomas Kraus vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Uniklinik der RWTH Aachen gleich zu Anfang seines Fachbeitrags „PCB-Humanbiomonitoring bei Innenraumbelastungen“. PCB-Konzentrationen, die sich im Körper ablagern, summieren sich mit dem Alter und lassen sich mittels des sogenannten Humanbiomonitoring messen. Die aktuellen toxikologischen und epidemischen Daten, die dabei gewonnen werden, zeigen die von PCB in Innenräumen ausgehenden Gesundheitsgefahren. Interessant sei dabei, dass heutzutage die PCB-Belastung zu 50 Prozent aus Nahrung und zu 50 Prozent aus der Luft käme. Die erste und einfachste Methode gegen PCB-Staub: Entstauben und Stoßlüften, schloss Kraus seinen Vortrag.

DCONex bot gute Voraussetzungen für intensiven fachlichen Austausch

Nach einem Jahr ohne DCONex traf sich die Branche endlich wieder in Essen. Der gemeinsame Erfahrungs- und Informationsaustausch sowie die Netzwerkpflege sind in den vergangenen Monaten deutlich zu kurz gekommen. Rund 30 Referenten legten in 13 Themenblöcken den Schwerpunkt auf das verantwortungsbewusste Erkennen, Bewerten, Sanieren und Entsorgen von Schadstoffen in Bauten, Böden sowie der gesamten Umwelt. Dabei spielten die Themen Nachhaltigkeit, Arbeitsschutz und Prävention eine wichtige Rolle. Zwei Themenblöcke erfreuten sich in diesem Jahr besonderer Aufmerksamkeit: der Umgang mit Abfall aus Bau und Abbruch und das radioaktive Edelgas Radon. Während der Schadstoffsanierung oft ökologische, technische und rechtliche Grenzen gesetzt werden, ging es beim Radon eher darum, die Bevölkerung für dieses Thema zu sensibilisieren.

Die begleitende Fachausstellung auf zwei Etagen diente in den Pausen dem regen Informationsaustausch. (Quelle: DCONex.de/Alex Muchnik)

Die DCONex wird von der AFAG Messen und Ausstellungen GmbH in Partnerschaft mit der Rudolf Müller Mediengruppe und dem Gesamtverband Schadstoffsanierung GVSS veranstaltet. Führende Fachverbände und öffentliche Institutionen unterstützen die Veranstaltung und machen die DCONex zum jährlichen Treffpunkt der Branche. Die nächste DCONex findet am 18. und 19. Januar 2023 in der Messe Essen statt.

Andrea Papkalla-Geisweid

zuletzt editiert am 27.01.2022