Die Familie Roswag / Dachmann hat ihr Traumhaus gefunden. Doch erst die Modernisierung, die eine energetische Sanierung mit einschloss, machte das Bild vom Traumhaus komplett. Ein Herzstück des neuen Zuhauses ist die Geothermieanlage.
Irgendwann war der Familie das alte Haus einfach zu klein. Anke Roswag und Jochen Dachmann suchten für sich und ihre drei Söhne Jonas (14), Malte (13) und Hauke (10) nach einer Alternative. Die musste aber eine gan-ze Menge Vorgaben erfüllen: In einem der südlichen Außenbezirke von Berlin sollte sie liegen, möglichst verkehrsgünstig, eine ebenerdige und abgetrennte Einliegerwohnung für die Großmutter sollte sie haben, dazu einen Garten und natürlich viel Platz bieten. "Uns war schnell klar: Wir wollten ein Haus kaufen und umbauen, anstatt jahrelang nach einem geeigneten Bauplatz zu suchen", so Anke Roswag. Dass die Renovierung nach energeti-schen Gesichtspunkten erfolgen würde, war ebenfalls ausgemacht.
Als das Einfamilien-Traumhaus in Buckow tatsächlich gefunden war, ging es zügig an die Planung. Hier nutzten die Renovierer familiäre Bande. Eike Roswag, Bruder der Bauherrin, und Guntram Jankowski konnten als Architekten gewonnen werden. Das Büro der Architekten ist auf private und öffentliche Bau- und Renovierungsmaßnahmen spezialisiert, nachhaltige und energetisch sinnvolle Konzepte gehören zu den Kernkompetenzen. Als zertifizierter Energieberater ist Architekt Roswag zudem ein ausgewiesener Fachmann für derartige Sanierungsmaßnahmen. Als die Architekten gemeinsam mit der Familie verschiedene Planungsvarianten analysiert und durchkalkuliert hatten, wurde deutlich, dass eine konsequente energetische Sanierung des Gebäudes kaum teurer ausfällt als Umbaumaßnahmen, die lediglich aktuelle Standards erfüllen. Ein Grund dafür waren verschiedene Förderprogramme der Bundesregierung, die von der Familie in Anspruch genommen werden konnten.

Der Entschluss für eine umfassende energetische Sanierung war dann schnell gefasst, der Umbau selbst dauerte ein Jahr. Dabei blieb die Kubatur des 1965 errichteten Gebäudes grundsätzlich erhalten allerdings wurden etliche energetisch problematische Details eliminiert: der Balkon im Oberge-schoss, Dach- und Wandüberstände, die massiven Eingangspodeste, die ungedämmten Rollladenkästen sowie sämtliche Heizkörper. Im Inneren passten die Architekten den Grundriss den Bedürfnissen der Familie an, vor allem den Wohn- und Essbereich gestalteten sie großzügig, offen und hell. Komplett ausgetauscht wurden alle Fenster und Türen. Die Fenster besitzen nun eine spezielle Wärmeschutz-Verglasung. Die Außenhülle erhielt eine neue Wärmedämmung, wobei in den knapp 30 Zentimeter breiten Zwischenraum zwischen Hauswand und vorgehängter Fassade aus Lärchenholz eine Zelluloseschicht eingeblasen wurde. In der gleichen Weise verstärkt wurden die bestehenden Wärmedämmschichten des Flachdachs.
Mit dem Energiekonzept an die Zukunft denken

Mit Dichten, Dämmen und der Beseitigung von Wärmebrücken war es nicht getan zu einer energetisch konsequenten Sanierung gehört eine zukunftsweisende Energiespartechnik. "Das Heizsystem sollte nicht nur technisch aktuell sein, sondern auch auf regenerative Energien setzen, wie beispielsweise Wärmepumpen", erläutert Eike Roswag. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren entschieden sich die Architekten und die Familie für eine Erdreich-Wärmepumpe von Stiebel Eltron. Als alleiniger Wärmeerzeuger übernimmt eine Sole | Wasser-Wärmepumpe vom Typ "WPF" mit einer Heizleistung von 10 kW (bei B0/W35) die Beheizung des Gebäudes sowie die Warmwasserbereitung des 6-Personen-Haushalts, die über den 300 Liter-Warmwasserspeicher "SBB 301" gewährleistet wird. "Mit einer Kilowattstunde Strom gewinnen wir rund 4,5 Kilowattstunden fürs Heizen und die Warmwasserbereitung", berichtet Jochen Dachmann. Rund 25.000 Euro hat die Familie in den Austausch der Heizungsanlage investiert. Darin sind die Kosten für die Wärmepumpe inklusive Installation und Anbindung an die Fußbodenheizung sowie die für den Betrieb erforderlichen Sondenbohrungen ein-geschlossen.
Die Wärme kommt aus dem Garten

Über zwei Erdsonden à 99 Meter Tiefe, gebohrt von Geowell, einem Tochterunternehmen von Stiebel Eltron, fördert die Wärmepumpe dauerhaft Wärme aus dem Erdreich. Die Wärme ist Hauptsächlich gespeicherte Sonnenenergie. Wie das funktioniert? Eine Umwälzpumpe in der Wärmepumpe drückt die frostsichere Wärmeträgerflüssigkeit (Sole) im Kreislauf in die Tiefe und wieder nach oben. Dabei wird die Temperatur der Erde, die für den Betrieb der Wärmepumpe ganzjährig ausreichend ist, auf die Trägerflüssigkeit übertragen. Je geringer die Temperaturdifferenz zwischen der Wärmequelle und dem Heizsystem ist, umso niedriger ist der Stromverbrauch. Also sind geringe Vorlauftemperaturen im Heizungssystem optimal. Deshalb ist die Fußbodenheizung ein ideales Wärmeverteilsystem, das mit einer niedrigen Vorlauftemperatur von nur 35 Grad auskommt. Eine Fußbodenheizung wur-de im ganzen Haus installiert und bietet stets behagliche Wohnwärme. Positiver Nebeneffekt: Im Sommer kann die Anlage zur passiven Kühlung genutzt werden. Hierbei wird die niedrige Temperatur des Erdreichs über einen Wärmetauscher auf das Heizungswasser der Fußbodenheizung übertragen, ohne dass die Wärmepumpe aktiv arbeiten muss. So wird dem Raum Wärmeenergie entzogen.
Die frische Luft wird in der dichten Gebäudehülle ausgetauscht

"Zusätzlich muss eine kontrollierte Raumlüftung vorgesehen werden, damit die Wohnqualität innerhalb der luftdichten Gebäudehülle nicht leidet", klärte Eike Roswag die Familie auf. Für frische Luft und den energetisch sinnvollen und wirtschaftlichen Klimakomfort sorgt eine kontrollierte Wohnraumlüftung. Vorgesehen haben die Experten hierfür ein Luftkanalsystem, das alle Räume mit temperierter Luft versorgt. Die zentrale, effektive Lüftungsanlage vom Typ "LWZ 270 plus" verantwortet aber nicht nur den Luftaustausch: Über die Funktion der Wärmerückgewinnung kann das nur etwa 60x68x54 cm große, wandhängende Gerät große Mengen an wertvoller Heizenergie im Haus halten. Das bedeutet, es nutzt die Wärme aus der Abluft, um die einströmende Frischluft aufzuheizen. Dadurch lassen sich in der Heizperiode bis zu 90 Prozent der Energie zurückgewinnen. Ein allergikergeeigneter, leicht zu wechselnder Filter (F4) befreit dabei die Luft von Staubpartikeln und Pollen. Über eine Fernbedienung ist die Luftmenge in drei Stufen einstellbar. Somit lässt sich die Luftwechselrate jederzeit den individuellen Ansprüchen der Bauherren anpassen.
So unterschreitet der Transmissionswärmeverlust die Mindestanforderung für den Neubau nach der EnEV 2007 um 50 Prozent, der Primärenergiebedarf sogar um 68,8 Prozent. Somit sind die Vorgaben nach der aktuellen EnEV 2009 sogar mehr als erfüllt. Der CO₂-Ausstoß des Gebäudes wurde um 82,9 Prozent verringert, das entspricht einer Ersparnis von 14,5 Tonnen CO₂ pro Jahr.
Engagement wird ausgezeichnet
Das Engagement der Familie Roswag-Dachmann und des Architekten wurde inzwischen prämiert mit der Auszeichnung "Mehr Wert Wärme aus Er-neuerbaren Energien" der Deutschen Energie-Agentur GmbH (DENA) und des Bundesumweltministeriums, und zwar in der Kategorie "Wärmepumpe". Über 700 Hausbesitzer hatten dazu Projekte eingereicht, eine unabhängige Jury aus Architekten, Ingenieuren und Marktexperten prüfte die Wettbewerbsbeiträge auf ihre technische und architektonische Qualität und prämierte vorbildhafte Projekte im gesamten Bundesgebiet. Sie alle zeichnen sich durch intelligente technische Gesamtkonzepte aus, die zudem mit hoher Wirtschaftlichkeit überzeugen.
Wie kann ich Erdwärme nutzen?
Soll Erdwärme zu Heizzwecken genutzt werden, muss zuerst die Heizlast des Gebäudes möglichst exakt bestimmt werden, um die Größe der Quellenerschließung also die Menge der entsprechenden Bohrmeter in Abhängigkeit des vorhandenen Bodens passend zu dimensionieren. Denn nicht jeder Boden liefert gleich viel Energie. Diese Dimensionierung sollte bereits mit dem beauftragten Bohrunternehmen erfolgen, denn das muss anschließend auch für die Qualität der Quellenerschließung gerade stehen. Außerdem sollten die Fachmänner weitere Leistungen erbringen. Das Komplett-Serviceangebot bei Geowell beispielsweise reicht von dem Stellen des Wasserrechtsantrages über Bohrungen in allen Bodenformationen, das Verpressen der Bohrungen mit optimiertem Verfüllmaterial, das Erstellen der Dokumentationsunterlagen der Bohrung bis hin zur Anbindung der Wärmepumpe an die Wärmequellenanlage. Diese Anbindung beinhaltet dabei die Verlegung der horizontalen Anschlussleitungen, eine Kernbohrung zur Durchführung der Leitungen in das Haus, den Anschluss der Rohrleitungen an die Wärmepumpe und die diffusionsdichte Wärmedämmung aller Zuleitungen von der Wärmequelle zum Aufstellungsraum der Wärmepumpe. Schließlich werden Wärmequellenanlage und Wärmepumpe mit dem Wärmeträgermedium befüllt.
Autor: Dipl.-Ing. Michael Birke, Pressesprecher Stiebel Eltron GmbH & Co. KG, Holzminden