Klimageräte tragen dazu bei, Wohnräume an Hitzetagen zu kühlen und werden in Deutschland zunehmend nachgefragt. Weniger bekannt ist, dass viele dieser Geräte auch zum Heizen genutzt werden können. Das vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Informationsprogramm Zukunft Altbau weist darauf hin, dass es sich bei diesen Systemen um Luft-Luft-Wärmepumpen handelt. Sie sind in der Anschaffung in der Regel günstiger als klassische Wärmepumpen und vergleichsweise einfach zu installieren.
Sinnvoll ist ihr Einsatz vor allem in kleineren oder unregelmäßig genutzten Wohnungen, insbesondere in Gebäuden ohne vorhandene Heizungsrohre, Heizkörper oder Fußbodenheizung, die bisher etwa mit Nachtspeicheröfen beheizt wurden. Ein Nachteil besteht darin, dass sie kein Warmwasser für Küche und Bad bereitstellen. Zudem muss die Wärmeverteilung so geplant sein, dass die Luftbewegung im Raum als angenehm empfunden wird und die Strömungsgeräusche gering bleiben. Gerade im unsanierten Altbau mit hohem Wärmebedarf ist dies anspruchsvoll; in solchen Fällen werden Luft-Luft-Wärmepumpen in der Regel nicht als alleinige Heizlösung empfohlen.
In Südeuropa und Skandinavien sind Klimageräte seit Langem weit verbreitet. Auch in Deutschland wächst das Interesse: Laut Raumklimagerätestatistik des Fachverbandes Gebäude-Klima stieg der Absatz von rund 210.000 Geräten im Jahr 2018 auf rund 280.000 im Jahr 2024. Der überwiegende Teil wird bislang im Kühlbetrieb eingesetzt.
Funktionsweise und Systeme
Im Kühlbetrieb entziehen Luft-Luft-Wärmepumpen der Raumluft Wärme und geben sie an die Außenluft ab, wodurch die Raumtemperatur sinkt. Wird der Prozess umgekehrt, dienen sie als Heizung. Im Unterschied zu wassergeführten Wärmepumpen übertragen diese Geräte die Wärme nicht über Wasser, Rohrleitungen und Heizkörper, sondern erwärmen über Inneneinheiten direkt die Raumluft. Im Heizbetrieb saugt die Außeneinheit Umgebungsluft an, entzieht ihr Wärme und hebt mithilfe von Strom das Temperaturniveau an. Über ein Kältemittel wird die Wärme zur Inneneinheit transportiert, die die Raumluft ansaugt, erwärmt und wieder in den Raum abgibt. Ein Luftaustausch zwischen innen und außen findet dabei nicht statt, eine Wohnraumlüftung ist mit dem System daher nicht verbunden.
Luft-Luft-Wärmepumpen werden auch als Split-Klimaanlagen bezeichnet und sind als Single-Split- und Multi-Split-Anlagen erhältlich. Single-Split-Anlagen bestehen aus einer Außeneinheit und einer Inneneinheit, Multi-Split-Anlagen aus einer Außeneinheit und mehreren Inneneinheiten für verschiedene Räume. Die Inneneinheiten benötigen einen elektrischen Anschluss, einen Kondensatablauf und sind über eine dünne Kältemittelleitung mit der Außeneinheit verbunden. Üblich sind bei Multi-Split-Systemen zwei bis fünf Inneneinheiten pro Außeneinheit. Je nach Wohnungsgröße, Grundriss und Geräuschentwicklung der Außeneinheit können auch zwei oder mehr Außeneinheiten notwendig sein, um eine Wohnung vollständig zu beheizen.
Einsatzmöglichkeiten und Grenzen
Klimageräte bieten verschiedene Vorteile. Sie sind meist deutlich günstiger als andere Wärmepumpentypen; pro Raum kann mit etwa 3.000 Euro gerechnet werden. Die Installation ist vergleichsweise einfach, was die Kosten senken kann. Für Menschen mit Allergien kann die Ausstattung der Inneneinheiten mit Staub- und Partikelfiltern von Vorteil sein. Eine Baugenehmigung ist in der Regel nicht erforderlich, allerdings müssen die Anlagen beim Netzbetreiber angemeldet werden und die Schallschutzanforderungen der „Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm“ erfüllen.
Luft-Luft-Wärmepumpen können als alleiniges Heizsystem oder ergänzend zu einer bestehenden Heizung eingesetzt werden. Als alleinige Heizlösung kommen sie vor allem in wenig oder unregelmäßig genutzten Wohnungen, etwa Ferienwohnungen, in Frage, da sie Räume im Vergleich zu wassergeführten Systemen relativ schnell aufheizen können. Auch kleinere Wohnungen eignen sich in vielen Fällen, weil mit einer Außeneinheit alle wesentlichen Räume versorgt werden können. Üblicherweise werden Wohn- und Schlafräume sowie die Küche temperiert; im Bad ist ein Gerät aufgrund der höheren Luftfeuchtigkeit in der Regel nicht sinnvoll. Besonders geeignet sind Klimageräte dort, wo keine wasserführenden Rohrleitungen, Heizkörper oder Fußbodenheizung vorhanden sind. In Gebäuden mit Nachtspeicheröfen ist die Umrüstung auf ein wassergeführtes Heizsystem, einschließlich einer klassischen Wärmepumpe, oft mit hohen Kosten verbunden, die schnell einen hohen fünfstelligen Betrag erreichen können. Größere Wohnungen oder Einfamilienhäuser sind hingegen häufig weniger geeignet, da je nach Grundriss und Raumaufteilung mehrere Außeneinheiten erforderlich sein können.
Nachteile und Planungsaspekte
Wer mit einem Klimagerät heizt, benötigt für die Warmwasserbereitung eine separate Lösung, etwa einen Durchlauferhitzer, Boiler oder eine Brauchwasserwärmepumpe. Viele Eigentümerinnen und Eigentümer empfinden Außeneinheiten an der Fassade als optisch störend. Zudem wird das Heizen über die direkte Erwärmung der Raumluft von manchen Menschen als weniger behaglich wahrgenommen als die Wärme klassischer Heizkörper, die neben der Luft auch Flächen im Raum erwärmen und einen höheren Strahlungsanteil besitzen. Bei einer reinen Luftheizung kann ein spürbarer Luftzug entstehen, der als unangenehm empfunden wird. Die Auslegung der Anlage sollte daher so erfolgen, dass Zugerscheinungen und laute Strömungsgeräusche vermieden werden. In unsanierten Bestandsgebäuden mit hohem Wärmebedarf ist dies besonders anspruchsvoll, weshalb Fachleute in solchen Fällen meist davon abraten, ausschließlich auf Luft-Luft-Wärmepumpen zu setzen.
Aktuelle Informationen zur energetischen Sanierung von Wohnhäusern und zu verschiedenen Heizungslösungen bietet das Informationsprogramm Zukunft Altbau unter www.zukunftaltbau.de .
