Computersimulationen der Wärmeausbreitung
Computersimulationen der Wärmeausbreitung: Links kann die Wärme die geordnete Struktur leicht durchdringen. Rechts behindern chaotische Partikelpackungen die Wärmeausbreitung. (Abb.: Markus Retsch)

Gebäude + Energie 2018-05-25T00:00:00Z Chaos hält warm: Wärmeisolation durch gezielte Unordnung

Pulver eignen sich hervorragend für die Wärmedämmung, wenn darin ein Durcheinander von unterschiedlich großen Nanopartikeln herrscht. Dies hat eine Forschungsgruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth herausgefunden.

Die Wissenschaftler haben entdeckt, wie die Wärmeleitfähigkeit von Pulvern durch Ordnung und Unordnung ihrer Bestandteile beeinflusst wird. Ausgangspunkt der Forschungsarbeiten waren photonische Kristalle, die man in der Natur von verschiedenen Insektenarten her kennt. Sie verleihen beispielsweise den Flügeln von Schmetterlingen ihr buntes, schillerndes Aussehen. Solche Kristalle lassen sich im Labor durch polymere Nanopartikel leicht nachbauen. Sie besitzen dabei eine feine, regelmäßige und stabile Struktur. Diese wohlgeordnete Struktur bewirkt, dass Wärme nur schwer durch die Kristalle hindurchfließen kann. Die Wärmeleitfähigkeit ist gering.

Die Bayreuther Forscher haben herausgefunden, dass aus solchen Nanopartikeln Materialien hergestellt werden können, die eine noch viel geringere Wärmeleitfähigkeit aufweisen. Bei diesen Materialien handelt es sich um pulverförmige Mischungen: Anstelle der kristallinen Ordnung herrscht jetzt Unordnung, und auch das attraktive Farbenspiel ist dahin. Während im Innern der photonischen Kristalle jeder Partikel von genau zwölf Partikeln in seiner direkten Nachbarschaft umgeben ist, ist die Anzahl der direkten Nachbarn in der Mischung durchweg uneinheitlich. Deshalb muss die Wärme Umwege in Kauf nehmen und hat es umso schwerer, die Mischung zu durchdringen. Von der warmen zur kalten Seite hin abzufließen, ist für die Wärme in einer chaotischen Struktur noch schwieriger als im wohlgeordneten Kristall.

Um diese Zusammenhänge vollständig aufzuklären, haben Prof. Dr. Markus Retsch und sein Team Experimente im Labor mit Simulationen am Rechner kombiniert. So konnten sie im Detail ermitteln, wie sich die Zusammensetzung der Partikelmischung auf den Durchfluss von Wärme auswirkt. Der höchste Isolationseffekt wird erreicht, wenn wenige große Partikel mit sehr vielen kleineren Partikeln vermischt werden. Neben diesem Mischungsverhältnis spielt auch der Größenunterschied zwischen den beiden Partikelsorten eine entscheidende Rolle.

Diese Erkenntnisse sind für viele Anwendungen von großer Bedeutung, insbesondere auf dem Gebiet der Wärmedämmung. So könnte beispielsweise die Wärmeisolationsfähigkeit von Pulverschüttungen verbessert werden. Aber auch für technische Anwendungen, die umgekehrt auf eine rasche und gut kontrollierbare Ableitung von Wärme angewiesen sind, ergeben sich wertvolle Anhaltspunkte.

In der Zeitschrift „Advanced Materials“ haben die Forscher ihre neuen Erkenntnisse vorgestellt.

Quelle: idw – Informationsdienst Wissenschaft e. V.

zuletzt editiert am 09. April 2021