Schadstoffe

11. March 2013 | Teilen auf:

Chancen und Risiken bei der Sanierung von Gebäuden mit Schadstoffbelastung

Die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden bedeutet oft eine höhere Schadstoffbelastung. Außerdem enthalten Bestandsgebäude häufig Bauprodukte, die schadstoffbelastet sind. Wissen die Betroffenen wirklich, was auf sie zukommt oder vielmehr schon da ist? Diese Frage wurde am 28. Februar 2013 auf der Fachkonferenz "Bauen im Bestand Pflichten und Chancen für Bauherren" in Mainz, organisiert vom Gesamtverband Schadstoffsanierung e. V., der FH in Mainz und dem Institut für Baubetrieb, debattiert.

Fachleute aus den Bereichen Schadstoffsanierung, Versicherungswesen sowie Grundstücks- und Immobilienbewertung informierten über gesetzliche Regelungen, Haftungsrisiken, Versicherungsschutz und Verantwortung der am Bau Beteiligten.

Brisanz und Dimension von Schadstofffällen, auch hinsichtlich möglicher unkalkulierbarer Kosten, wurden anhand vieler Beispiele aus der Baupraxis deutlich.

Bauherrn und Fachunternehmer sind sich ihrer hohen Haftungsrisiken oder der Deckungslücken ihres Versicherungsschutzes oft nicht bewusst. Architekten können ihre Beraterfunktion gegenüber dem Bauherrn nur dann umfassend wahrnehmen und sich vor Haftungsansprüchen schützen, wenn sie die weitreichende Problematik beim Bauen mit Schadstoffbelastung schon im Vorfeld erkennen und das Bauvorhaben entsprechend planen.

Fachunternehmer sollten sich neben ihrer Verantwortung für die Qualität der Ausführungsleistung auch die für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter bei der Sanierung von schadstoffbelasteten Gebäuden klar machen.

Planungs-, Organisations- und Ausführungsmängel können weitreichende Folgen für die Gesundheit von Sanierern und späteren Nutzern der Gebäude haben. Überraschende Funde von schadstoffbelasteten Bauprodukten z. B. haben nicht selten überschaubare Bauvorhaben in Projekte mit explodierenden Kosten verwandelt.

Die Gesetzeslage ist komplex und nicht immer eindeutig, das notwendige Spezialwissen nicht überall vorhanden, somit sind die Risiken für die Akteure oft nicht einfach erkennbar.

Sind die Risiken bekannt, gibt es allerdings auch Potenzial, die Chancen dieses Trends zu nutzen. Planer können dann Kosten genauer kalkulieren und mögliche rechtliche Konsequenzen für den Bauherrn verhindern, Fachunternehmer können kompetente Sanierungslösungen anbieten und bleiben so marktfähig.

Alle am Bau Beteiligten sind also gut beraten, wenn sie sich über ihre Pflichten und ihre Handlungsspielräume genau informieren, um unüberschaubare Risiken zu vermeiden und den Trend für sich zu nutzen.

B. van Eymeren

Vortragsstatement "Haftungsrisiken und Versicherungsschutz bei der Schadstoffsanierung

Was den möglichen Transfer von Haftungsrisiken anbelangt, appellierte in seinem Kurzreferat Joachim Lenoir ( Büchner-Barella Versicherungsmakler GmbH & Co KG) an alle Beteiligten, sich bereits im Vorfeld idealerweise schon bei Ausschreibung bzw. LV-Erstellung - einer Sanierungs- und Baumaßnahme intensive Gedanken darüber zu machen, mit welcher inhaltlichen Substanz ein möglicher Versicherungsschutz auszukleiden wäre.

Er wies darauf hin, dass sowohl der Bauherr selbst, als auch der Fachplaner / Projektsteuerer sowie die ausführenden Unternehmen gut daran täten, in das "Kleingedruckte" von Versicherungspolicen zu schauen respektive durch Profis schauen zu lassen. Vielfach sei der vermeintlich bestehende Versicherungsschutz in Gänze oder großen Teilbereichen definitiv nicht vorhanden.

So ginge der überwiegende Trend im Bereich der Haftpflichtversicherung zu versteckten Stoffe-Ausschlüssen. Neben Asbest werden heutzutage vielfach auch Versicherungsfälle im Zusammenhang mit Schimmel (toxid mold) oder polychlorierte Biphenylen vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.

Jedenfalls sei es alleine schon aus Gründen der Rechtssicherheit aller am Sanierungsvorhaben Beteiligter sinnvoll, sich dem Sonderthema "möglicher Versicherungsschutz" mit Akribie und Professionalität zu widmen.

zuletzt editiert am 09.04.2021