Ein Frachtschiff fährt auf einem Fluss unter einer Brücke hindurch, im Hintergrund sind Gebäude und ein bewölkter Himmel zu sehen.
Um die Schifffahrt unter den noch stehenden Brückenzügen A und B der Carolabrücke zu ermöglichen, wird deren Überwachung mit Hilfe der Schallemissionsmesstechnik ausgeweitet. (Quelle: Stadt Dresden)

Betoninstandsetzung 2024-12-19T10:49:00.294Z Alle Brückenzüge müssen abgerissen werden

Die Stadt Dresden hat am 11. Dezember 2024 einen Zwischenbericht zum Einsturz der Carolabrücke veröffentlicht. Daraus geht zum einen hervor, dass die Ursachen für die Schäden an allen Brückenzügen in der Bauzeit liegen. Zum anderen sind sie so massiv, dass auch die noch stehenden Brückenzüge A und B abgerissen werden müssen.

Die wichtigsten Ergebnisse des Berichts des mit der Ursachenforschung beauftragten Ingenieurbüros MKP hat die Stadt Dresden auf ihrer Internetseite zusammengestellt:

  • Hauptursache für den Einsturz: Der Grund ist eine wasserstoffinduzierte Spannungsrisskorrosion durch Feuchtigkeitseintrag während der Bauphase, verstärkt durch Ermüdung der Spannstähle. Der allmähliche Ausfall von Spanngliedern führte zum Verlust der Spannkraft. So stützte sich Zug C immer mehr auf den Querträger und damit auf die benachbarten Brückenzüge. Beim Einsturz riss dieser Querträger ab.

  • Einsturz nicht vorhersagbar: Es gab keine hinreichenden Anzeichen, die einen Einsturz verlässlich hätten vorhersagen können. Aufgrund konstruktiver Besonderheiten gab es keine ausgeprägte Rissbildung. Der Einsturz ist das Ergebnis eines komplexen Versagensprozesses begründet in einer Kombination langfristiger Herstellungsfehler (wasserstoffinduzierte Spannungsrisskorrosion) und auslösender Faktoren (Temperatursturz, Verkehrsbelastung).

  • Gesetzliche Vorgaben eingehalten: Die Landeshauptstadt Dresden und die Prüfer haben die Vorgaben stets eingehalten. Die Carolabrücke wurde regelmäßig nach den einschlägigen Normen geprüft und Empfehlungen des Bundes zum Umgang mit Spannbetonbrücken umgesetzt. Besonderen Risiken für das Bauwerk wurde mit Sonderuntersuchungen und Dauerüberwachung begegnet.

  • Schlüsselfaktor Spannstahldefekte: Über 68 Prozent der Spannglieder in der Fahrbahnplatte von Zug C waren an der Bruchstelle stark geschädigt. Das ließ sich aber im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen nicht feststellen.

  • Erhalt der Züge A und B nicht möglich: Das an Zug C angetroffene Schadensbild ist auch an Zug A und B zu finden. Aufgrund bereits eingetretener Rissbildung und damit eines möglichen plötzlichen Versagens ist eine Wiederinbetriebnahme – auch temporär – ausgeschlossen. Das gilt für alle Verkehrsteilnehmenden: Fußgänger, Radfahrende und den Autoverkehr.

  • Schallemissionsmesstechnik: Dieses Überwachungsverfahren kann das Fortschreiten eines Schadensprozesses feststellen. Es wird zur Ermöglichung der Schifffahrt unter den Brückenzügen A und B der Carolabrücke ausgeweitet.

  • Einfluss von Tausalzen: Sogenannte chloridinduzierte Korrosion hat an Brückenzug C stattgefunden, war jedoch nicht ursächlich für den Einsturz.

Eine neue Brücke muss her  

Zugleich ist klar: Es braucht dringend einen Ersatz für die Carolabrücke. Die Stadtverwaltung prüft derzeit die Rahmenbedingungen. Für Anfang 2025 ist geplant, eine Vorlage zum weiteren Vorgehen in die verantwortlichen Gremien des Stadtrates einzubringen. Dabei wird auch die Einbindung der Öffentlichkeit berücksichtigt. Weitere Informationen >>>

zuletzt editiert am 19. Dezember 2024
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