Seit ihrem Bestehen hat die „Attenberger Bodenziegel GmbH“ schon etliche Auszeichnungen gewonnen – stellt sie doch nach historischem Vorbild baubiologisch höchst wertvolle Unikate aus purem Naturmaterial her. Für Inhaber Andreas Schönek (56) kam die Nachricht, dass seine Firma in der Sparte „Keramiker-Handwerk“ mit dem „Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“ ausgezeichnet werden sollte, trotzdem völlig überraschend – schließlich hatte er sich gar nicht beworben.
Rund 30 Projekte führt das Unternehmen in guten Jahren durch, 60 bis 80 Tonnen Lösslehm aus dem Landkreis Landshut sowie – als letzter verarbeitender Betrieb – Seeton aus dem Rosenheimer Becken werden dabei als Bodenziegel verewigt. Die Spezialisierung des Unternehmens liegt in der teilweisen oder kompletten Erneuerung von Bestandsböden aus dem 17. und 18. Jahrhundert. In Deutschland gibt es nur noch wenige Produzenten, die ähnliche Herstellungsverfahren anwenden.

Verliehen wird der „Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“ von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks e. V. Der Wettbewerb findet jährlich in je zwei Bundesländern statt. Die Hauptpreise erhalten Eigentümer eines denkmalgeschützten Objekts – einer davon ging 2023 in Bayern an die Inhaber des Vöhlinschlosses in Frickenhausen, das aus dem 15. Jahrhundert stammt. Die an den Sanierungsarbeiten beteiligten handwerklichen Unternehmen werden ebenfalls ausgezeichnet – so auch die Attenberger Bodenziegel GmbH, von der die Bodenplatten für das Gebäude kamen.
Die Ziegel werden zwei bis drei Tage gebrannt
Mit seinen Produkten spricht der Betriebsinhaber Architekten, Interieurdesigner, Bauplaner und Handwerker an, die Bodenersatz- oder Neuprojekte in historischen Gebäuden vorbereiten oder durchführen. Die Beläge eignen sich auch für moderne Häuser, die nach einem warmen Ambiente verlangen. Leider aber fehle oft der Mut für solche Kombinationen, bedauert Andreas Schönek. Desgleichen zählen Privatleute mit denkmalgeschützten Immobilien und einer Liebe zu einzigartigen und haptisch angenehmen Bodengestaltungen zu seinen Kunden.
Seit 30 Jahren ist der Brennofen aus Stahl und Schamottstein mit einem Fassungsvermögen von 2,5 Kubikmetern nun schon im Einsatz. 30 bis 40 Quadratmeter Material aus Lehmlöss und Seeton werden jeweils gebrannt, dieser Vorgang dauert zwei bis drei Tage. Das Verfahren kommt dem der früheren Ziegelherstellung in Meilern sehr nahe. Das verwendete Bodensedimentmaterial entstand im Voralpenland, als der Inntalgletscher vor ungefähr 10.000 Jahren zum Ende der letzten Eiszeit abschmolz.
Autodidaktisch erworbene Handwerkskunst

Andreas Schönek arbeitet noch selbst in der Produktion der kleinen Werkstatt mit. Eva, eine der Mitarbeiterinnen, ist Grafikdesignerin, ausgebildet an der Kunst-Fachoberschule. Steffi, die seit fünf Jahren im Betrieb mitwirkt, kommt ursprünglich aus einem kaufmännischen Arbeitsgebiet. Beide führen ihre Aufgaben mit sehr viel Hingabe, Konzentration und Anspruch an Präzision aus. Da es keine Ausbildung für die Herstellung der Bodenziegel gibt, haben alle – Chef und Mitarbeiterinnen – das Handwerk autodidaktisch und direkt vor Ort erlernt. Ein Blätterstock, wie der Materialblock genannt wird, der aus zwei Meter Tiefe kommt, wiegt um die 0,75 t – der manuelle Zuschnitt mit einfachen Gerätschaften ist nur im Team möglich. An manchen Tagen werden zwei bis drei davon zu Bodenfliesen verarbeitet. „Es gibt mir ein gutes Gefühl, eine überlieferte Technik für ein einzigartiges Material anzuwenden und so diese Art von Handwerk aus Urzeiten zu erhalten – und am Ende eines Arbeitstages genau zu wissen, was man mit den eigenen Händen geschaffen hat“, sagt Steffi.
Viele der Auftragsprojekte liegen im Voralpenland, wo bei der Errichtung der Originalbauten Lösslehm oder Seeton zum Einsatz kam. Für Gebäude in Österreich, der Schweiz sowie in Norwegen wurde ebenso schon geliefert. Die Liste der Referenzen der Attenberger Bodenziegel GmbH ist lang. Auf ihr stehen unter anderem das bekannte Kloster Beuerberg in Eurasburg, das Schiller-Museum in Bauerbach und das Renaissance-Schloss Mickhausen. Platten aus früheren Betriebsjahren verschönern die Böden der berühmten Landshuter Burg Trausnitz und des vielbesuchten oberbayerischen Klosters Benediktbeuern. Auch Weinkeller bekannter Winzer, geschichtsträchtige Wirtshäuser oder Objekte von Prominenten lassen die Bodenziegel in einem warmen Ton erstrahlen. Aktuell steht die Landshuter Residenz auf der Lieferliste, auch manche Kirche in den ostdeutschen Bundesländern.
Hohe Energiekosten stellen den Betrieb vor Herausforderungen
Die aktuelle Energiekrise stellt für die Attenberger Bodenziegel GmbH eine Herausforderung dar. Pro Jahr werden circa 24.000 l Propangas verbraucht, das Anfang 2022 gleich das Vierfache kostete. Bei bestehenden Verträgen konnte Andreas Schönek die Mehrkosten nicht nachträglich an die Kunden weitergeben – zu Beginn der schwierigen Situation auf dem Energiemarkt mussten deshalb Rücklagen aufgewendet werden, die für den Bau einer neuen Halle gedacht waren. Aktuell sind die Energiekosten noch immer doppelt so hoch wie 2021, das treibt die Preise in die Höhe. Die Auftragslage bleibt jedoch stabil: „Es gibt viel zu tun, denn das Amt für Denkmalschutz und somit die strengen Vorgaben für diesen Bereich gibt es erst seit rund 50 Jahren – zuvor wurde alles Mögliche an Material verwendet“, so Andreas Schönek. Weitere Informationen >>>