Wer sich mit dem Einbau von Bodenbelägen beschäftigt, wird früher oder später mit der Frage konfrontiert: Welcher Klebstoff ist für welche Anforderung der richtige? Im folgenden Beitrag gibt Thomsit-Cheftechniker Uwe Elvert einen aktuellen Überblick über verschiedene Klebetechniken für Bodenbeläge.
Schon bei der Planung gilt es eine Entscheidung zu treffen: Soll der Belag „fest verklebt“ werden oder soll man „wieder aufnehmbar“ verlegen? Vor allem bei Mietwohnungen aber auch in Hotels oder Kaufhäusern kann es relevant sein, dass Bodenbeläge nur zeitlich befristet eingesetzt werden und kurzfristig wieder entfernbar sein müssen.
1. Fest verkleben
Unter festen Verklebungen sind alle Befestigungsarten zusammengefasst, bei denen ein Oberbelag einen derart starken Verbund mit dem Untergrund eingeht, dass sein späterer Ausbau in der Regel maschinellen Aufwand erfordert. Bevor ein neuer Boden verlegt werden kann, muss der Untergrund bei dieser Variante unter Umständen saniert werden. Der Vorteil allerdings: Die hohen Klebekräfte gewährleisten, dass der ausgewählte Belag auch unter intensiver Beanspruchung sicheren Halt hat und Dimensionsänderungen somit nahezu ausgeschlossen sind.
So kann der Belag mit hohen Gewichten wie durch beladene Flurförderfahrzeuge belastet werden, ohne dass die Klebstoffverbindung an Kraft verliert. Die maximale Belastbarkeit gibt allerdings auch der Aufbau des Bodenbelags vor. Diese ist den zugehörigen technischen Datenblättern zu entnehmen. In Zweifelsfällen sollte man den Hersteller des jeweiligen Belags vor Aufnahme der Verlegearbeiten kontaktieren.
Klebstoffe, die für derart feste Verklebungen vorgesehen sind, gibt es auf unterschiedlicher chemischer Basis. Standardmäßig werden heute lösemittelfreie, sehr emissionsarme Dispersionsklebstoffe eingesetzt. Bereits diese „Nassbettklebstoffe“ zeigen eine hohe Leistungsstärke und sind für den Einsatz auf gespachtelten, saugfähigen Untergründen ausgelegt.
Solche Untergründe haben die Aufgabe das Wasser aus dem Dispersionsklebstoff aufzunehmen, das nach dem Auflegen des Oberbelages auf den noch vergleichsweise frischen Kleber im Aufbau verbleibt. Mit dem anschließenden obligatorischen Anwalzen werden die Klebstoffriefen zerquetscht, so dass nur ein äußerst dünner, hochwirksamer Klebstofffilm entsteht. Das im Kleber enthaltene Restwasser wird von der Spachtelmasse sowie dem darunter befindlichen Estrich aufgenommen. Erst dieser Mechanismus sorgt für das vollständige Erhärten des Dispersionsklebstoffs unter dem Belag. Die auf diese Weise erhaltenen Festigkeiten des Verbundes liegen meist deutlich über den Anforderungen der Klebstoffnorm (DIN EN 14259).
Was aber, wenn der Untergrund nicht saugfähig ist und der Aufwand, eine saugfähige Fläche zu erzeugen, schlicht zu groß erscheint? An diesem Punkt kommen besondere, so genannte Haftbettklebstoffe ins Spiel (Herstellerangaben beachten). Auch sie werden auf den Untergrund aufgetragen. Nach vollständiger Trocknung weisen sie – im Gegensatz zu Nassbettklebstoffen – eine stark haftfähige Oberfläche auf. Derartige Klebungen sind in der Regel nur mit PVC- und CV-Belägen durchführbar.
Auch Kautschuk-, PUR- oder Polyolefinbeläge lassen sich mit Haftbettklebstoffen fest verkleben allerdings mit einer andere Klebetechnik: der Kontaktklebung. Für die zuverlässige Verlegung wird der Klebstoff sowohl auf den Untergrund als auch auf die Belagsrückseite aufgetragen. Sind beide Klebstofffilme vollständig getrocknet, kann der Belag eingebaut werden.
Beim Kontakt der beiden Klebstofffilme entsteht sofort eine feste Verbindung. Auch diese Klebungen erzeugen enorme Haftkräfte. Eine weitere Variante bietet der Markt mit speziellen lösemittelfreien Kontaktklebstoffsystemen, die darauf ausgerichtet sind, das Wasser schnell zu verdunsten und ein extra starkes Haftvermögen aufzubauen.
Sind besonders hohe Belastungen absehbar, empfehlen sich – dank ihrer Fähigkeit, hohe Verbundfestigkeiten zu erzeugen – Reaktionsharzklebstoffe. Bei dieser Klebstoffgattung handelt es sich in der Mehrzahl um zwei-komponentige (2-K) Polyurethanprodukte.
Diese sind in der Lage, PVC-Design- und Kautschukbeläge sicher in Bereichen zu verkleben, die beispielsweise intensiver Sonneneinstrahlung und somit hoch belastenden Temperaturen ausgesetzt sind – beispielsweise in Wintergärten. Eine weitere Anwendung für solche Klebungen sind Industriekautschukplatten, über die später schwer beladene Hubwagen oder Gabelstapler fahren. Hinweis: Die Verlegeanleitungen der Belaghersteller schreiben die 2-K-Systeme für derartige Fälle meist schon gezielt vor.
2. Wieder aufnehmbar verkleben
Sind schnelle Renovierungszyklen mit häufigen Belagwechseln zu erwarten, bietet sich eine wieder aufnehmbare Lösung an. Anders als feste Klebungen erlauben sie, dass ein Altbelag mit vergleichsweise geringem Aufwand später entfernt werden kann. Die Kehrseite der Medaille: Solche Verbindungen können in Sachen Belastbarkeit keinesfalls mit der Qualität von Festklebungen mithalten. Das wird schon aus physikalischer Sicht klar. Hinweis: Die Anforderungen an Wiederaufnahmesysteme sind derzeit nicht genormt.
Generell müssen die Rahmenbedingungen und Ansprüche an den Boden frühzeitig in den Entscheidungsprozess „feste oder wieder aufnehmbare Klebelösung“ einbezogen werden.
Hat man sich für eine wieder aufnehmbare Verlegung entschieden, stellt sich technisch betrachtet die nächste Frage: Was genau soll erreicht werden? Letztlich sind verschiedene Varianten denkbar.
Bezüglich des Belags kann „wieder aufnehmbar“ bedeuten:
- Der aufzunehmende Oberbelag soll einfach nur leicht entfernbar sein.
- Der leicht aufzunehmende Oberbelag soll zusätzlich erneut verwendet werden können.
Mit Blick auf den Untergrund sind zudem folgende Ergebnisse möglich:
- Der Untergrund liegt nach der Belagsaufnahme ohne weitere Maßnahmen im Urzustand vor.
- Um den Ausgangszustand wieder zu erreichen, muss der Untergrund nach der Belagsaufnahme speziell gereinigt werden.
- Der Untergrund kann nicht wieder in den Urzustand versetzt werden.
Aus diesen Optionen ergibt sich folgende Matrix:
Wie aus der Tabelle ersichtlich wird, gibt es nach dem heutigen Stand der Technik keine Klebe- oder Fixierlösung, die es bei einem Belagwechsel möglich macht, den Untergrund ohne größeren Aufwand direkt wieder nutzen und den Altbelag zugleich wieder verwenden zu können. Bitte beachten: Selbst lose liegende Klickverbundbeläge sind nach längerer Nutzungsdauer nicht automatisch weiter verwendungsfähig. Für solche Ansprüche sollte immer eine verbindliche Herstellerempfehlung eingeholt werden. Kommt es auf eine erneute Belagsverwendung allerdings nicht an, stehen verschiedene Befestigungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Verkleben mit Trockenklebstoffen
Eine elegante und anwenderfreundliche Lösung präsentieren Trockenklebstoffe. Mit ihrer Hilfe lassen sich Bodenbeläge recht schnell und einfach verlegen – sogar direkt auf Altbelägen. Trockenklebstoffe sind angesichts ihrer aufwendigeren Produktion in der Regel teurer als Flüssigprodukte. Dafür bieten sie aber auch einen erheblichen Zeitvorteil, denn sie müssen nicht ablüften.
Genau informieren sollte man sich, wenn man Trockenklebstoffe benötigt, die sich auch wirklich rückstandsfrei vom Untergrund abziehen lassen. Aufgepasst: Der Begriff „wieder aufnehmbar“ ist nicht gleichbedeutend mit „rückstandsfrei wieder aufnehmbar“. Nur letztere Eigenschaft bezieht sich auch tatsächlich auf die Erhaltung des Untergrundes.
Die Terminologie „wieder aufnehmbar“ allein kann im Einzelfall durchaus erheblichen zusätzlichen Reinigungsaufwand durch verbleibende Klebstoffreste bedeuten. Daher ist es ratsam, sich in den Technischen Datenblättern über die Einsatzmöglichkeiten und Leistungsfähigkeit der in die engere Wahl gerückten Trockenklebstoffe genauestens zu informieren. Hegt man auch nur leise Zweifel, lohnt immer ein Anruf beim Hersteller, um späteren Reklamationen vorzubeugen. Nicht unerwähnt bleiben darf der Hinweis, dass die Trockenklebung selbstverständlich einen glatten, tragfähigen und ebenen Untergrund voraussetzt. Andernfalls werden Unebenheiten unweigerlich auch im Oberbelag sichtbar sein.
Die Klebekraft von Trockenklebstoffen sollte keinesfalls unterschätzt werden. Nicht selten gehen Bodenbeläge mit den aufkaschierten Klebstoffen teils enorm starke Verbindungen ein. Daher kann man keineswegs davon ausgehen, dass sich der Oberbelag ohne Verzug oder ohne andere Beeinträchtigung vom Klebeband trennen lässt.
Andererseits sind Trockenklebstoffe in ihrem Leistungsspektrum technisch limitiert. Beispielsweise gehören sie nicht in Bereiche, wo erhöhte Belastungen infolge starker Sonneneinstrahlung zu erwarten sind.
Verkleben mit Fixierungen
Allgemein ausgedrückt sind Fixierungen bewusst schwächer eingestellte Klebstoffe. Da sie nur einen Bruchteil der Festigkeitswerte klassischer Klebstoffe erreichen, fallen sie aus der Klebstoffanforderungsnorm. Dafür sind sie gut wasserlöslich eingestellt, so dass sich Fixierungsreste bei einem späteren Belagwechsel vergleichsweise einfach beseitigen lassen.
Hinsichtlich ihrer Verarbeitungsprozesse gleichen sich Fixierungen und Klebstoffe weitgehend. Unterscheidungen ergeben sich einzig im Auftrag, da Fixierungen je nach Produkt und Anforderung für den Einsatz von Zahnspachteln oder Rollen konzipiert sind. Klarheit bringt auch hier ein Blick in die Technischen Datenblätter der Hersteller.
Verglichen mit Trockenklebstoffen gelten Fixierungen als preisgünstig. Betrachtet man einzig den Einbau, ist das auch richtig. Jedoch muss nach dem Ausbau des Belags der Boden in der Regel maschinell grundgereinigt werden. Dadurch entstehen beim Rückbau weitere Kosten.
Technisch betrachtet unterliegen Fixierungen ähnlichen Grenzen wie Trockenklebstoffe. Da diese Systeme wasserbasiert sind, ist speziell beim Einsatz auf feuchtigkeitsempfindlichen Untergründen wie beispielsweise auf Parkett Vorsicht geboten. Wird eine solche Verlegung seitens der Auftraggeber gewünscht, ist die Nachfrage beim Technischen Service des Herstellers unumgänglich.
Verkleben mit Rollfixierungen
Rollfixierungen (fälschlicherweise häufig auch „Rollkleber“ genannt) wurden gezielt für die Verlegung von Designbelägen (LVTs) entwickelt. Bei ihnen handelt es sich um speziell eingestellte Haftklebstoffe. Wie ihr Name bereits signalisiert, werden diese Fixierungen meist mit Nylon-Plüschrollen aufgerollt. Im direkten Vergleich mit Klebstoffen lassen sie sich spürbar ergonomischer handhaben, da der Auftrag aus dem Stand heraus erfolgt. Ihre Haftwirkung ist indes deutlich schwächer.
Im Gegensatz zu den vorgenannten „echten“ Fixierungen lassen sich Rollfixierungen nicht mittels Grundreinigung entfernen. Mit Rollfixierungen beaufschlagte Untergründe verlangen daher eine regelrechte Wiederaufbereitung, nachdem ein Belag wieder aufgenommen worden ist. Andererseits ermöglichen Rollfixierungen einen zügigen Verlegefortschritt. Auch Intarsienarbeiten können mit Hilfe von Rollfixierungen erheblich einfacher und schneller ausgeführt werden.
Bezüglich ihrer technischen Leistungsfähigkeit unterscheiden sich Rollfixierungen und andere Fixierungsarten nicht. Entsprechend beschränkt sich ihr Einsatz primär auf den Privat- und Objektbereich, in dem keine nennenswerten mechanischen Belastungen oder thermischen Einflüsse wie anhaltende Sonneneinstrahlung zu erwarten sind.
Obwohl sich viele Beläge noch kurz nach dem Einbau vergleichsweise leicht vom Haftfilm einer Rollfixierung abheben lassen, kann sich dies im Laufe der Zeit ändern, und die Haftwirkung nimmt zu. Das hat zur Folge, dass Oberbeläge nach ihrer Aufnahme auch von Rollfixierungen beeinträchtigt werden können und eine erneute Verwendung nicht möglich ist.
Fixieren mit Rutschhemmungen
Unter Rutschhemmungen versteht man spezielle Haftfilme, die ebenfalls per Rolle aufgetragen werden, aber erst nachdem sie vollständig getrocknet sind eine stumpfe Schicht für die Aufnahme von Teppichfliesen bilden. Dabei bleiben Teppichfliesen selbst beim Belaufen oder Überrollen mit Bürostühlen sicher an ihrer Position arretiert, kleben dabei aber nicht. Sie lassen sich dennoch jederzeit vom Untergrund unbeschädigt aufnehmen und wieder einlegen.
Zum Einsatz kommen Rutschhemmungen vor allem auf Doppelböden. Bekanntlich dienen diese aufgeständerten und aus Einzelplatten bestehenden Bodenkonstruktionen dazu, Raum für universelle Unterflurinstallationen zu schaffen. Je nach Bedarf werden einfach einige Doppelbodenplatten vorübergehend aufgenommen, um zu Rohrleitungen oder Kabelsträngen zu gelangen. Teppichfliesen erlauben hier den gewünschten kleinflächigen Zugang zu den Bodenelementen. Voraussetzung für die Verlegung: Die Fliesen müssen dimensionsstabil sein und eben auf dem Untergrund aufliegen.
Fixieren mit Spezialunterlagen
Alternativ zum Verkleben können Bodenbeläge mit Spezialunterlagen fixiert werden. Diese Herangehensweise erlaubt einen raschen Belagswechsel. Die lose einzubauenden, dünnen Unterlegbahnen (etwa 1 Millimeter) dienen zum Schutz des Untergrundes. Auf ihnen wiederum werden die zulässigen (siehe Technische Merkblätter), spannungsarmen Oberbeläge fest verklebt. Der Verbund von Unterlage und verklebtem Bodenbelag stellt einen recht leistungsfähigen Fußboden dar. Für den Rückbau nach der Nutzung wird der Aufbau einfach in breite Streifen geschnitten und entsorgt. Der freigelegte Untergrund befindet sich danach wieder im Urzustand.
