Jedes Jahr gibt es in der Bauwirtschaft und den baunahen Dienstleistungen rund 7.000 Arbeitsunfälle mit tragbaren Leitern, etwa die Hälfte davon sind Absturzunfälle. Deshalb hat die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) auf einer neuen Themenseite Alternativen zu Leitern zusammengestellt.
„Die Leiter ist ein vergleichsweise gefährliches Arbeitsmittel, das für eine Reihe schwerer Arbeitsunfälle am Bau sorgt“, sagt Hans-Jürgen Wellnhofer, kommissarischer Leiter der Hauptabteilung Prävention der BG BAU. 2023 waren etwa 400 dieser Unfälle so schwer, dass die Betroffenen seither nicht mehr wie vorher arbeiten können und eine Rente beziehen. „Dabei wäre es oft so einfach, auf die Leiter zu verzichten und zu einer sicheren Alternative zu greifen, zum Beispiel zu einem Arbeitspodest oder Teleskopstangensystem“, so Wellnhofer weiter. „Für viele Alternativen zur Leiter, die für mehr Sicherheit auf Baustellen und im Reinigungsgewerbe sorgen, können unsere Mitgliedsunternehmen sogar finanzielle Zuschüsse bekommen. Mit unseren Arbeitsschutzprämien erstatten wir bis zu 50 Prozent der Anschaffungskosten.“
Leitern, egal ob als Verkehrsweg oder Arbeitsplatz, sind immer Arbeitsmittel ohne Absturzsicherung. Darum beschreiben die „Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Verwendung von Arbeitsmitteln“ (Betriebssicherheitsverordnung – BetrSichV), die „Technische Regel für Betriebssicherheit (TRBS) 2121 Teil 2“ und die „Unfallverhütungsvorschrift Bauarbeiten“ den Einsatz von Leitern als Ausnahme – gibt es Alternativen, so sind diese zu wählen.
STOP-Prinzip beim Leitereinsatz
Für den Einsatz von tragbaren Leitern gilt das sogenannte STOP-Prinzip – die Rangfolge für Schutzmaßnahmen in der Arbeitswelt. Am Anfang steht die Frage der Substitution, also nach einem Ersatz für die Leiter. Deshalb ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zunächst zu prüfen, ob überhaupt eine Leiter verwendet werden muss. „Statt in die Höhe zu gehen, können viele Tätigkeiten auch vom Boden aus erledigt werden, zum Beispiel mit Teleskopstangensystemen für die Reinigung, durch die Vormontage oder mithilfe von Drohnentechnik“, so Wellnhofer. Ist eine Substitution nicht möglich, müssen nachrangig technische, organisatorische und zuletzt personenbezogene Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten ermittelt und umgesetzt werden.
Die leiterlosen Lösungen sind auf der neuen Themenseite der BG BAU gemäß dem STOP-Prinzip zusammengestellt. Auf diese Weise finden Nutzerinnen und Nutzer alle substituierenden, technischen, organisatorischen und personenbezogenen Möglichkeiten, mit denen sie Arbeiten in der Höhe auch ohne Leiter ausführen können. Außerdem können sie Geräte und Hilfsmittel sortiert nach Gewerken sowie für verschiedene handwerkliche Tätigkeiten abrufen. Zusätzlich enthält die Seite direkte Verlinkungen zu den Arbeitsschutzprämien für Arbeitsmittel und Maßnahmen, die die BG BAU finanziell bezuschusst.
