Rund 350 Teilnehmer verfolgten die sechs Fachvorträge der BetonInsta. (Quelle: B+B Bauen im Bestand/M. Henke)

Betoninstandsetzung

10. February 2022 | Teilen auf:

BetonInsta 2022: Über den Tellerrand geblickt

Zum Fachsymposium „BetonInsta 2022“, das nach einer Absage im vergangenen Jahr am 3. Februar in den Dortmunder Westfalenhallen stattfand, lud die Landesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken NRW e.V. (LIB NRW) ein.

Unter dem Motto „Betoninstandhaltung – heute für die Zukunft“ ging es in sechs Fachvorträgen neben praxisbezogenen Themen, wie Gütesicherung und technischen Richtlinien, um nichts anderes als um die Zukunft der Betoninstandsetzung mit Fremdüberwachung und digitaler Transformation. Der Fachkongress stellte vor allem den Erfahrungsaustausch aller an Planung, Ausführung und Überwachung Beteiligten in den Mittelpunkt und informierte in einer Fachausstellung mit 27 Ständen über Produkte und Dienstleistungen rund um die Betoninstandsetzung.

27 Aussteller versorgten interessierte Besucher mit Fachinformationen. (Quelle: B+B Bauen im Bestand)

Ein wenig stolz erwähnte Sebastian Fink, Vorsitzender der LIB NRW, in seiner Begrüßungsrede, dass die Bundesgütegemeinschaft die LIB NRW zum vierten Mal beauftragt hat, die BetonInsta zu planen und zu organisieren. Nach der Absage im vergangenen Jahr, sei er sehr froh, dass die Corona-Bestimmungen eine Präsenzveranstaltung in diesem Jahr möglich machen, da der persönliche Austausch ausschlaggebend für den Erfolg der jährlichen Veranstaltung sei.

Wie Kommunen den Erhalt der Infrastruktur planen

„Der Erhalt der Verkehrsinfrastruktur in den Städten und Gemeinden ist eine wesentliche Aufgabe der kommunalen Tiefbaubehörden,“ sagte Dipl.-Ing. Uwe Grimsehl vom Amt für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau Köln gleich zu Anfang. Er erläuterte die Anforderungen und Besonderheiten seiner täglichen Arbeit und die sich daraus ergebenden Instrumente und Möglichkeiten zur Qualitätssicherung und Instandsetzung anhand einiger aktueller Beispiele.

Die Restnutzungsdauer ermitteln

Wie die vorhandene Carbonatisierungstiefe des Betons und die Chloridbelastung die Restnutzungsdauer von Betonbauteilen beeinflussen und welche Schutzprinzipien eine technische und wirtschaftliche Lösung der Instandsetzung darstellen, skizzierte Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Breit von der Uni Kaiserslautern anschaulich. Im ursprünglichen Entwurf der Instandhaltungssrichtlinie seien hierfür erstmalig entsprechende Bemessungskonzepte mit Nanogrammen formuliert worden.

Die Fremdüberwachung geht Online

„Die Fremdüberwachung geht Online!“ – was sich ein wenig wie ein Zitat von George Orwell anhört, ist tatsächlich eine neue Dienstleistung für die Mitglieder der Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken. Dipl.-Ing. Christoph Bock stellte das neue digitale FÜ-Portal vor, dass es möglich mache, überwachungspflichtige Baustellen von Ferne aus zu koordinieren und zu dokumentieren. Der aktuelle Projektstatus lasse sich so zu jedem beliebigen Zeitpunkt abrufen.

Bestandsgebäude digital realitätsnah erfassen

Anhand digitaler Bestandsaufnahme mittels 3D-Realitätserfassungstechnologien berichtete Cher Sze Tan, Geschäftsführer der IFSB GmbH in Dortmund, über seine Erfahrungen am Beispiel von Parkbauten. Sein vorgestelltes interdisziplinäres 3D-Bauwerksaufnahmeverfahren sei eine Ergänzung zur klassischen Bauwerksdiagnostik, biete eine hohe Analysegenauigkeit und ermögliche ein zuverlässiges Monitoring zur Einleitung von rechtzeitigen Präventivmaßnahmen. „Digitalisierung ist kein Selbstzweck!“, lautete sein Credo und er mahnte an, dass es wichtig sei, alle am Bau Beteiligten in den Digitalisierungsprozess zu involvieren.

Sehr kurzweilig geriet der sportlich, nachdenkliche Motivationsvortrag des Ex-FIFA-Schiedsrichters Thorsten Kinhöfer zum Abschluss des Veranstaltungstags. Was die Tätigkeit eines Geschäftsführers oder kaufmännischen Angestellten mit dem des Schiedsrichters gemeinsam hat, erläuterte er unterhaltsam in seinem Beitrag zu Druck im Berufsalltag.

Besucher kamen auf ihre Kosten

Das Fachsymposium bot den über 300 Teilnehmern auch in diesem Jahr einen Blick über den Tellerrand mit praktischen Hinweisen und interessanten Praxis- und Forschungsergebnissen aus dem Bereich der Betoninstandsetzung. Mitarbeiter aus öffentlichen Dienststellen, Baubetrieben, Immobiliengesellschaften und Planungsbüros sowie zahlreiche Studenten und Meisterschüler kamen auf ihre Kosten. Das Anliegen der Veranstalter jährlich ein attraktives Programm mit aktuellen regulatorischen und technischen Themen zu bieten, wurde auch in diesem Jahr erfüllt.

Andrea Papkalla-Geisweid

zuletzt editiert am 10.02.2022