So viele Besucher wie nie zuvor konnte die Fachtagung Abbruch in diesem Jahr begrüßen. (Quelle: Deutscher Abbruchverband)

Bauwerkserhaltung 23. March 2023 Besucherrekord bei Fachtagung Abbruch

Am 3. März fand die Fachtagung Abbruch in den Hallen des ehemaligen Postbahnhofs der Station Berlin statt. 117 Aussteller und über 1.200 Teilnehmende folgten in diesem Jahr der Einladung des Deutschen Abbruchverbandes (DA) zu Europas größter Fachtagung zum Thema Abbruch und Rückbau. Damit kamen mehr Besucher und Besucherinnen als je zuvor.

Das Thema Nachhaltigkeit und Baustoffrecycling beschäftigte dieses Jahr die Branche ganz besonders. DA-Geschäftsführer Andreas Pocha betonte in seiner Begrüßungsansprache, dass die Abbruchbranche schon länger den Umweltschutz im Blick hat: In Deutschland würden über 90 Prozent aller mineralischen Bauabfälle wiederverwertet, beim Bauschutt seien es sogar 94 Prozent. Die EU fordert beim mineralischen Bauschutt gerade mal eine Wiederverwertungsquote von 70 Prozent. „Recycler und Abbrecher sind also die wahren Umweltschützer“, so Pocha.

Die Keynote wurde in diesem Jahr von dem Journalisten und Publizisten Dr. Hajo Schumacher gehalten. Der ehemalige Spiegel-Journalist schlug den Bogen von den maroden Brücken in Deutschland zu den großen Krisen dieser Zeit: Er sieht angesichts von Ukraine-Krieg und Klimakrise die deutsche Gesellschaft am Scheideweg. Gleichzeitig würden sich durch Krisen aber Möglichkeiten eröffnen, und er hoffe sehr, dass die jetzige Regierung diese Chancen nutze.

Ersatzbaustoffverordnung in der Kritik

Mehrere der folgenden 13 Fachvorträge gingen darauf ein, welche Herausforderung der Wandel zu mehr Nachhaltigkeit auch für die Abbruchbranche bedeutet. Sarah Sinnwell und Michael Wagner von BST Becker Sanierungstechnik GmbH in Bottrop beschrieben die aufwändigen Wege, die beschritten werden müssen, wenn ein Gebäudeabbruch durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zertifiziert werden soll. Der Jurist Dr. Peter Kersandt von der Kanzlei AVR Berlin befasste sich mit den Herausforderungen und Problemen, die durch die am 1.8.2023 in Kraft tretende Ersatzbaustoffverordnung auf die Branche zukommen. So fehle es noch immer an einer rechtssicheren Regelung zum Thema Abfallende von Ersatzbaustoffen.

Thomas Fischer von der QUBA GmbH zeigte auf, welche Wege für die Zertifizierung von Sekundärbaustoffen gegangen werden müssen, bevor diese in technischen Bauwerken oder in Bauprodukten verwendet werden dürfen. Die Zertifizierung durch die QUBA ist derzeit die Einzige, die bundesweit gültig ist. Wie dringend diese Baustoffe gebraucht werden, erläuterten Corinna Lee Schmitz und Gianna Kung vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW auf: Die gesamte Landesverwaltung NRW will bereits im Jahr 2030 klimaneutral wirtschaften. Der Baubereich soll seinen Anteil mithilfe von recycelten Baustoffen, der Wiederverwertung von Bauteilen und der Nutzung von recyceltem und umweltfreundlichem Beton leisten.

Schwierige Rahmenbedingungen bei Großprojekten und Lösungen

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Fachausstellung und den sogenannten Dialogabend, der vom Berliner DJ Twizzstar musikalisch begleitet wurde, zum intensiven Austausch und Netzwerken. (Quelle: Deutscher Abbruchverband)

Welche Herausforderungen gerade Großprojekte mit sich bringen, veranschaulichten die Vorträge von Robert Oettinger von der Oettinger GmbH über den Rückbau des KSC-Stadions und von Stefan Scholz und Kurt Bicker von der Firma Max Wild GmbH über den Abbruch der Neckartalbrücke bei Heilbronn. Der Rückbau des Stadions musste bei laufendem Spielbetrieb stattfinden, im Fall der Brücke durfte der Schiffsverkehr nur für 48 Stunden gestoppt werden. Schließlich zeigten die Mitglieder des Sprengausschusses des DA noch eindrucksvoll am Beispiel des „Weiße Riesen“ genannten Wohnkomplexes in Duisburg, dass Sprengen auch in enger Nachbarschaft zu anderen Häusern sicher möglich ist und gegenüber einem herkömmlichen Abbruch unter anderem einen großen Zeitvorteil hat.

Die Fachtagung Abbruch 2024 findet am 22. März 2024 wieder in der Station-Berlin statt. Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Tagung. Weitere Informationen zum Thema Abbruch und Rückbau finden Sie auf der Website des Abbruchverbands.

zuletzt editiert am 23.03.2023