Ziel einer Altbausanierung unter baubiologischen Gesichtspunkten ist es, ein gesundes Innenraumklima zu erreichen. Hierzu sind mehrere Schritte notwendig: Zunächst wird das Gebäude auf vorhandene Schadstoffe untersucht und, falls erforderlich, belastete Baustoffe entfernt oder vom Innenraumklima ausgegrenzt. Nach diesem ersten Sanierungsschritt wird die noch vorhandene Grundbelastung im Gebäude ermittelt und auf dieser Basis für einzelne Schadstoffe Zielwerte definiert. Dann wird festgelegt, mit welchen Materialien und Verarbeitungsmethoden die vorab definierten wohngesundheitlichen Ziele erreicht werden können. Aber erst durch eine entsprechende Verarbeitung der Baustoffe durch die Handwerker können diese Ziele in der Praxis letztlich auch erreicht werden.
Die Baubiologie ist entstanden, weil Menschen angefangen haben, sich mit den Auswirkungen von Baustoffen auf ihre Gesundheit zu befassen. Anlass waren oft leidvolle Erfahrungen mit Umweltgiften: Hier sei an den Holzschutzmittelskandal erinnert.
Obwohl die Baubiologie anfangs belächelt wurde, wuchs diese Wissenschaft stetig. Heute müssen bei jedem öffentlichen Bauwerk auch die gesundheitlichen Auswirkungen auf die Nutzer beachtet werden. Dabei erfordern neue Bauweisen und -techniken ebenso wie neue wissenschaftliche Erkenntnisse eine stetige Anpassung der Schadstoffdefinitionen und Emissionsgrenzwerte.
Ziel einer Altbausanierung unter baubiologischen und wohngesundheitlichen Gesichtspunkten ist es, ein gesundes Innenraumklima zu erreichen oder zu erhalten. Grundsätzlich begegnen dem Altbausanierer dabei Schadstoffe entweder, weil sie bereits in Baustoffen im Bestand vorhanden sind, oder weil sie während der Sanierung mit neu verbauten Baustoffen eingebracht werden. Darüber hinaus können Schadstoffe aus einer (falschen) Nutzung der Immobilie vorliegen, deren Quelle und Wirkung hier aber nicht weiter betrachtet werden sollen. Die hinterhältigste und am schwierigsten zu beherrschende Situation entsteht, wenn sich im Gebäude durch chemische Reaktionen aus ursprünglich harmlosen Stoffen neue schädliche entwickeln. Auch solche negativen Synergieeffekte gibt es. Leidvolle Beispiele kennt man etwa bei Fußbodenaufbauten.
Am Anfang steht die Bauwerksdiagnose
Jeder verantwortungsvolle Planer wird seinem Kunden raten, vor Beginn einer Sanierung oder eines Umbaus das Bestandsgebäude gründlich untersuchen zu lassen, um die weitere Planung auf verlässliche Daten stützen zu können. Die Untersuchungen sollten dabei nicht nur die räumliche und statische Situation sowie mögliche Schäden und die verbauten Materialien umfassen, sondern es sollte immer auch nach Schadstoffen gesucht werden.
Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, ob nur ein kleiner Teil umgebaut oder das gesamte Objekt kernsaniert werden soll. Denn der Bauherr ist verpflichtet, jedem Unternehmer die notwendigen Daten zur Verfügung zu stellen, um eine fachgerechte Entsorgung zu organisieren und Vorsorge zu tragen, dass die Handwerker vor Ort ausreichend gegen Schadstoffeinflüsse geschützt sind. Dabei ist die Liste relevanter Schadstoffe lang und kann hier nur angedeutet werden: Stäube wie Asbest oder alte Künstliche Mineralfasern (KMF), biologische Schadstoffe wie Taubenkot und Schimmelpilzsporen oder auch chemische Schadstoffe wie zum Beispiel PCB, PAK, Holzschutzmittel und andere.
Gründlich nach Schadstoffen suchen
Da jede Schadstoffuntersuchung nicht unerhebliche Kosten verursacht, ist abzuwägen, wie gründlich diese erfolgen muss. Dabei ist jedoch Folgendes zu beachten: Je gröber das Untersuchungsraster angelegt wird, umso mehr potenziell Unentdecktes sorgt eventuell später für Überraschungen, die erheblich höhere Kosten verursachen können als eine gründliche Untersuchung. Aber auch ein enges Suchraster garantiert nicht, dass keine erheblichen Schadstoffbelastungen übersehen werden. Ein Beispiel hierfür sind PCB-haltige Anstriche. Diese müssen nicht an allen Flächen mit gleichem Farbton verwendet worden sein, so dass eine Wand belastet sein kann, während eine andere, gleich aussehende keine Schadstoffe enthält. Dies kann aber nur im Labor festgestellt werden. Der Untersuchende steckt also in der Zwickmühle, jede Farbfläche im Labor beproben zu lassen oder bei Stichproben auf den richtigen Treffer zu hoffen.
Ausgangsbasis definieren
Im Rahmen der Planung ist im nächsten Schritt festzulegen, wie mit vorhandenen Schadstoffen umgegangen werden soll. Hier gibt es die beiden Möglichkeiten, belastete Bauteile zu entsorgen oder diese einzukapseln (vergleiche hierzu auch den Artikel „Gefahrstoffe aussperren“ in diesem Heft ab Seite 50). Auch ein Totalabriss des Gebäudes sollte eine der zu betrachtenden Optionen sein.
Generell spielt die Nähe der Schadstoffquelle zum späteren Lebensraum ebenso eine Rolle wie der bauliche und finanzielle Aufwand. Grundsätzlich ist ein Ausbau schadstoffbelasteter Materialien empfehlenswert, da zum Beispiel Absperrbeschichtungen selbst wieder Schadstoffe in das Gebäude einbringen können. Eine Entsorgung empfiehlt sich auch immer dann, wenn bei späteren Umbauten die Schadstoffe wieder freigesetzt werden könnten. Ist aber zum Beispiel ein Dach aus Nagelbindern, das niemals begehbar sein wird, mit KMF-Fasern belastet, und muss darunter eine Luftdichtung eingebaut werden, um den erforderlichen Wärmeschutz herzustellen, kann der Schadstoff bei fachgerechter Ausführung sicher und dauerhaft vom Wohnraum getrennt werden.
Nach der Schadstoffsanierung gilt es, mit einer erneuten Messung die Grundbelastung festzustellen. Auf dieser Basis können dann Zielwerte für einzelne Schadstoffe definiert werden, zum Beispiel für Formaldehyd, flüchtige organische Stoffe (VOC) usw. Ziel ist es, planerisch und auf der Baustelle eine Grundlage herzustellen, auf der der weitere Ausbau der Immobilie erfolgt.
Auf dieser Basis lässt sich festlegen, ob und mit welchen Materialien und Verarbeitungsmethoden die vorab definierten wohngesundheitlichen Ziele erreicht werden können. Hier spielt die gesundheitliche Disposition der späteren Nutzer eine Rolle. Menschen, die gesund sind und gesund bleiben wollen, haben andere Bedürfnisse als Allergiker oder sensitive Menschen. Auch hierbei erfolgt eine erneute Abstimmung mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Bauherrn. Grundlage für diese Zielwertdefinition sind wissenschaftlich fixierte Empfehlungswerte, zum Beispiel des Umweltbundesamtes für VOC oder der Weltgesundheitsorganisation WHO für Formaldehyd. Diese finden sich gemeinsam mit weiteren Definitionen zum Beispiel im Gesundheitspass des Sentinel-Haus-Instituts unter www.sentinel-haus.eu/gesundheit/ .
Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus: B+B BAUEN IM BESTAND, Ausgabe 1. 2013
Autor: Bernhard Kopff

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