Dieses Bild zeigt ein Porträt eines älteren Mannes in einem weißen Hemd, der leicht lächelt und in die Kamera blickt.
„Ohne Bildung keine Innovation und ohne Innovation keine zukunftsfähigen Lösungen in der Praxis“, betont Ulrich Zink, Vorsitzender des BAKA. (Quelle: BAKA)

Bauwerkserhaltung 2024-09-04T12:20:01.709Z Besser Bauen mit Verstand

Die Intention des Bundesverbandes für Altbauerneuerung (BAKA) ist es, ein lebendiges und dynamisches Netzwerk zu sein, das als zentrale Anlaufstelle für Fachleute, Unternehmen und Institutionen, vor allem aber auch für Bauherren und Investoren im Bereich der Altbauerneuerung dient. Der Verband setzt sich aktiv für die Belange der Altbauerneuerung ein und vertritt die Interessen seiner Mitglieder gegenüber politischen und gesellschaftlichen Institutionen. Wir sprachen mit dem BAKA-Vorsitzenden Ulrich Zink über Ziele und Visionen des Verbandes, aber auch über zwei Projekte, die zur BAU 2025 gestartet wurden.

B+B: Herr Zink, fangen wir von vorne an: In Bonn gegründet ist der BAKA in diesem Jahr 55 Jahre alt geworden. Wie kam es zur Gründung? 

Ulrich Zink: Ja, der BAKA ist tatsächlich 55 Jahre, ein schönes Alter. Im Jahr 1969 hatten die Gründungsmitglieder schon das Wort Nachhaltigkeit auf der Zunge, ging es doch darum die Bestandsimmobilien nicht abzureißen, sondern einfach weiter nutzbar zu entwickeln und das damals mit noch knappen Ressourcen. Eins der Ziele war es, die Eigentümer nicht allein zu lassen, sie abzuholen und auf dem Weg der „Altbauerneuerung“ qualifiziert zu begleiten. Es entstand ein allumfassendes Netzwerk mit den am Gebäudebestand beteiligten Partnern und das sind so gut wie alle. 

B+B: In den 55 Jahren hat der Verband so einige Themen angestoßen: Seit 2006 wird der „Preis für Produktinnovationen Praxis Altbau Bauen im Bestand“ ausgelobt und auf der BAU München verliehen. 2010 wurde ein Energieberaterportal 2050 ins Leben gerufen, das Informationen rund um die energetische Sanierung von Gebäuden bietet oder auch den Start der Bildungsoffensive 2050 im Jahr 2015. Was treibt Sie beziehungsweise den Verband an? 

Ulrich Zink: Zu unseren zentralen Aufgaben und Zielen gehören, zukunftsfähige Lösungen beziehungsweise Umsetzungen rund um das Bestandsgebäude zu finden. Um dies dauerhaft sicherzustellen, entstand bereits vor circa 20 Jahren der Wettbewerb „Preis für Produktinnovation Praxis Altbau“. Die Idee und der Anreiz für Hersteller der Baubranche dabei ist, pfiffige Systemlösungen öffentlich zu zeigen und die Chance, mit dem BAKA Award ausgezeichnet und anerkannt zu werden. Anlässlich der BAU 25 wird der BAKA Award nun zum 9. Mal ausgelobt.  

Insgesamt bleibt es eine Herausforderung, die intelligente Weiternutzung des Bestands sicherzustellen. Der Innovationspreis – ausgelobt als zweistufiger Wettbewerb – ist daher genau die Antwort auf die Frage: Wie geht Zukunft im Bestand? Abriss ist keine Option, sondern: Bauen mit Verstand und Innovation! 

Darüber hinaus geht es darum, die Herausforderungen der Zukunft zu entdecken, zu entwickeln und anzuwenden. Wie müssen Bestandgebäude mit all Ihren Ressourcen nachhaltig in die Zukunft transformiert werden? Das genau ist die zentrale Frage und damit der Auslöser für diesen Wettbewerb. 

Was ist bereits passiert? Die Gewinnerlegende zum BAKA Award der letzten 20 Jahre ist die Zukunft. Die Preise und Auszeichnungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte sind alle in der Praxis und damit in der handwerklichen Umsetzung im Bestand und Neubau angekommen - das heißt in Verarbeitung und in der Anwendung. Die Historie dazu findet man hier

B+B: Oftmals wird auf Umbauten verzichtet, da diese als unwirtschaftlich betrachtet werden. Wie begegnen Sie dieser Einschätzung? 

Ulrich Zink: Zum einen ist dies keine ökologisch passende Antwort – immerhin vermeiden wir weiteren CO2 Ausstoß und schonen die Ressourcen bei cleveren Lösungen für das Bestandsgebäude. Unwirtschaftliche Lösungen gibt es in der Tat aber nicht nur bei Umbauten, sondern auch beim Neubau. Und was bedeutet eigentlich unwirtschaftlich? Für wen und für was ist es „unwirtschaftlich“ und wer legt das fest? Der Lebenszyklus und das „End-of-Life“ sind die Indikatoren, mit denen wir denken und handeln müssen. 

Nur mal so: Ist ein Auto unwirtschaftlich oder sprechen wir auch dann über den Lebenszyklus und dem Begriff „End-of-Life“? Und wann endlich sprechen wir über die Weiter- und Wiederverwendung aller genutzter Ressourcen, den Baustoffen, den Bauteilen, den Gebäuden? Und wenn wir keine passende Antwort finden? Dann wird das Gebäude einfach eliminiert, also entsorgt und abgerissen – so einfach ist es für manche Entscheidungsträger. 

B+B: Ihr Verband engagiert sich dafür, bestehende Gebäude nicht abzureißen, sondern durch Umnutzung weiterzuentwickeln. Welche rechtlichen Rahmenbedingungen sind dafür erforderlich? 

Ulrich Zink: Ja, es gibt Hindernisse, aber mit guten Planungsideen und überzeugenden Verhandlungen mit den zuständigen Behörden und den am Bau Beteiligten sind nutzbare Lösungen durchaus möglich. 

Und genau darauf zielt auch der BAKA Award ab: Wir benötigen Lösungen, die Hindernisse bezüglich des geltenden Baurechts, mit und durch passende Produkt- und System-Lösungen aus dem Weg räumen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen dabei jedoch in diesem Kontext zu praxisorientierten Lösungen führen. Allerdings gibt es auch Hürden, die der Gesetzgeber beseitigen muss. Das müssen wir mit allen relevanten Beteiligten gemeinsam angehen. 

Konkret bestehen Hindernisse bei den Themen: Fluchtwege, Abstandsflächen und neue Nutzungspotentiale. Dazu gehört aber auch der Dachgeschossausbau oder Abweichungen des bisherigen Zwecks des Gebäudes, sprich Nutzungsänderungen – um nur einige Punkte zu nennen. 

B+B: Verfügen wir in Deutschland über ausreichend fachliche Expertise, um den ökologischen Umbau bestehender Gebäude voranzutreiben? 

Ulrich Zink: Sagen wir mal so: Wir sind auf gutem Weg, müssen aber am Ball bleiben, die Expertise für alle relevanten Zielgruppen sicherzustellen. Dazu zählt die Ausbildung in allen Fachbereichen, in den Studiengängen, insbesondere mit der Ausrichtung Planen und Bauen im Bestand, der Aus- und Weiterbildung, sowie der Fortbildung in allen Altersgruppen. Mit dem Projekt #WSGZ und dem WEB-Seminarprogramm ist der BAKA seit Jahren in der ersten Reihe der Angebote und wir bauen es mit weiteren Partnern dauerhaft aus. 

B+B: Wie lässt sich die Wertschöpfung mit dem Energieverbrauch und der Digitalisierbarkeit in Einklang bringen? Stoßen Bestandsgebäude hier nicht schnell an ihre Grenzen? 

Ulrich Zink: Warum soll ein Bestandsgebäude nicht all die Potentiale mitliefern, die man für eine nachhaltige, sprich ökologische Lösung der Gebäudenutzung benötigt? Bestandsgebäude haben Stärken, die sich wunderbar nutzen lassen. Dazu gehört unter anderem die Speicherkapazität bei und mit geeignetem Mauerwerk/Baukonstruktion, die man nutzen kann. 

In Verbindung mit innovativen Komponenten – beispielsweise VIP-Dämmung als Innendämmung – oder Lösungen für und gegen Wärmebrücken, sind all die Möglichkeiten und Vorteile eines Bestandsgebäudes als Stärken nutzbar. 

B+B: Gleich zwei große Projekte wurden zur BAU 2025 in München durch den BAKA zusammen mit der Messe München gestartet – zum einen der „BAKA Award 25“ dem Preis für Produktinnovationen sowie dem WSGZ#25 dem Wettbewerb Studenten gestalten Zukunft 2025. Was hat es mit den Wettbewerben beziehungsweise Auszeichnungen auf sich?  

Ulrich Zink: Die beiden Elemente Innovation und Bildung sind die Module, mit denen wir den Blick in die Zukunft starten und nur mit beiden Elementen gemeinsam ist dies sicher. Ohne Bildung keine Innovation und ohne Innovation keine zukunftsfähigen Lösungen in der Praxis. Beide Preise werden von daher erstmals in einem gemeinsamen Format anlässlich der BAU 25 am Mittwoch, 15. Januar 2025 zur BAU 25 in München verliehen.  

B+B: Warum werden die Preise gemeinsam am 15. Januar auf der BAU 2025 vergeben – was ist Ihre Intention dahinter?  

Ulrich Zink: Es gilt das Motto „Bildung trifft Innovation“ und umgekehrt „Innovation trifft Bildung“. Beides profitiert voneinander: Studierende finden innovative Unternehmen und umgekehrt sind die Unternehmen aufgefordert, die Ideen und Projekte der Studierenden für die weitere Entwicklung zu nutzen. Es entsteht eine klassische „Win-Win-Situation“. 

B+B: Wer kann sich wie und wann bewerben und wo kann man die Bewerbung einreichen? 

Ulrich Zink: Für beide Projekte ist die Anmeldung über das BAKA Portal jederzeit möglich:  

Für den WSGZ#25 dem Wettbewerb Studenten I Gestalten I Zukunft ist die Anmeldung bis zum 4. Oktober 2024 unter Hochschultag - BAKA (bakaberlin.de) möglich. 

Für den BAKA Award 25 - Wettbewerb Preis für Produktinnovation 2025 ist die Anmeldung bis zum 1. Oktober 2024 unter Innovation-Bauen - BAKA (bakaberlin.de) möglich. 

B+B: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, dann würde der jetzt lauten …? 

Ulrich Zink: Für unsere Projekte: Viele Bewerber und finanzielle Förderung, auch durch den Bund. Ganz allgemein: Ressourcen schonen und nachhaltig handeln! 

Weitere Informationen >>>

zuletzt editiert am 04. September 2024
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