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Schadstoffe 2015-11-25T00:00:00Z Beruhigendes Ergebnis - Arbeitssicherheit

Beim Verschweißen von PVC-Dachbahnen mit dem Heißluftföhn oder mit Quellschweißmitteln sind Beschäftigte Gefahrstoffen ausgesetzt. Arbeitsplatzmessungen zeigen – für den Dachdecker beruhigend – niedrige Expositionen.

Nachdem in DDH 14.2012 über die sehr niedrigen Expositionen beim Verschweißen von Bitumenbahnen

Gefahrstoffmessungen-am-Arbeitsplatz
Gefahrstoffmessungen am Arbeitsplatz mit dem Heißluftschweißautomaten. In den Jahren 1991 bis 2011 wurden auf 72 Baustellen Messungen beim Heißverschweißen im Freien durchgeführt. Das Ergebnis zeigt: keine Gefährdung für den Dachdecker beim Arbeiten im Freien. (Foto: BG Bau)

berichtet wurde, kann nun auch die Gesundheitsgefährdung durch Einatmen beim Arbeiten mit PVC-Bahnen entsprechend beurteilt werden. Um solche Belastungen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung sicher abschätzen zu können, sind in der Regel Gefahrstoffmessungen an Arbeitsplätzen erforderlich. Da gerade in kleinen und mittleren Unternehmen selten Arbeitsplatzmessungen auf Gefahrstoffe erfolgen, führen die Berufsgenossenschaften aus präventiven Gründen solche Messungen durch. Die dabei erhaltenen Expositionsdaten werden beispielsweise in „Expositionsbeschreibungen“ zusammengestellt und damit für die Verwendung im betrieblichen Arbeitsschutz nutzbar gemacht (siehe Kasten „Quellen“). Der Unternehmer kann dadurch auf weitere Messungen verzichten. Mit vielen Messungen bei unterschiedlichsten Bedingungen auf mehreren Baustellen (Abb. 1 und 2) wird eine Datensammlung erhalten, die für die jeweilige Tätigkeit repräsentativ ist. Der 95 %-Wert (d. h., 95 % der Messwerte liegen unter diesem Wert und 5 % darüber) eines solchen Datenkollektivs bezieht auch ungünstige Rahmenbedingungen mit ein und stellt somit eine auf der sicheren Seite liegende Exposition dar. Anhand dieser Expositionshöhe können die notwendigen Schutzmaßnahmen bei den Arbeiten festgelegt werden.

Tätigkeitsbezogene Exposition

Da auf Baustellen die Art und Dauer der Tätigkeiten sehr unterschiedlich sein können und zudem viele Tätigkeiten auch über eine gesamte Schicht ausgeführt werden, wird in den Expositionsbeschreibungen der BG BAU die tätigkeitsbezogene Exposition angegeben. Hierbei sind Pausen und andere Zeiträume ohne Exposition ausdrücklich nicht mit einbezogen. Dieses kann vom Arbeitgeber im Rahmen der

Messverfahren-beim-Arbeiten
Auch das Messverfahren beim Arbeiten mit dem Heißluftföhn ergab Werte deutlich unterhalb der Arbeitsplatzgrenzwerte. (Foto: Bauder)

Gefährdungsbeurteilung für den Einzelfall durchgeführt werden (vgl. DDH 14.2012 S. 26 bis 29). Kunststoffbahnen aus Polyvinylchlorid (PVC) bieten ein breites Anwendungsspektrum für Abdichtungen, zum Beispiel auf Dächern, im Schwimmbad- oder Teichbau aber auch im Tunnel- und Behälterbau. Sie können in der Regel einlagig verlegt werden und im Gegensatz zu den Bitumenbahnen erfolgt die Verlegung grundsätzlich ohne offene Flamme, was die Brandgefahr deutlich vermindert. PVC-Bahnen können mit Klebstoffen vollflächig aufgeklebt werden, aber häufig werden nur die Überlappungen homogen miteinander verbunden, um die Wasserdichtheit herzustellen. Für diese Randnahtverschweißung kommen hauptsächlich zwei Arbeitsverfahren zum Einsatz: die Warmgasverschweißung mittels Heißluftföhn sowie die Kaltverschweißung mit Quellschweißmitteln.

Heißluftschweißen ungefährlich

PVC-Bahnen bestehen aus Weich-PVC, das durch Weichmacher und Zusatzstoffe wie Stabilisatoren dem Verwendungszweck angepasst worden ist. Da beim Warmgasschweißen mit einem Heißluftföhn die Nahtverbindung ohne Fremdstoffzusatz erreicht wird, sind bei der Expositionsermittlung vor allem

Arbeiten-mit-Quellschweißmittel
Leider fehlen aktuelle Messergebnisse über das Arbeiten mit Quellschweißmittel. (Foto: Wienerberger)

mögliche PVC-Zersetzungsprodukte sowie Emissionen der Weichmacher zu berücksichtigen. Beim Erhitzen von „reinem“ PVC entsteht überwiegend Chlorwasserstoff (Salzsäure) und in wesentlich geringeren Mengen weitere Stoffe mit Luftgrenzwerten, eine Rückbildung von Vinylchlorid findet nicht statt. Als Weichmacher werden häufig Phthalsäureester (Phthalate) verwendet. Während heutzutage überwiegend langkettige Verbindungen wie Di-(n/iso)-nonyl/decylphthalate zum Einsatz kommen, wurden in früheren Jahren auch kurzkettige Phthalate verwendet. Einige dieser kurzkettigen Phthalate sind als reproduktionstoxisch (fortpflanzungsgefährdend) eingestuft (vgl. auch endokrine Disruptoren, „Umwelthormone“) und auch in der Kandidatenliste der besonders besorgniserregenden Stoffe (SVHC) für die Zulassung nach REACH aufgeführt.

Autoren: Dipl.-Ing. Corinne Ziegler, BG BAU Andreas Blomeyer, BG BAU Dr. Uwe Musanke, BG BAU Schlagworte fürs DDH Online-Archiv auf www.ddh.de: Arbeitssicherheit, BG BAU, Gefahrstoffe, PVC-Bahnen, Quellschweißmitte

Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus DDH Das Dachdeckerhandwerk, Ausgabe 7-2013.

 

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zuletzt editiert am 09. April 2021
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