Der Deutsche Beton- und Bautechnik-Verein E. V. (DBV) hat seine Merkblattsammlung erweitert und das Merkblatt „Modifizierte Teilsicherheitsbeiwerte für Stahlbetonbauteile“ in der Rubrik Bauen im Bestand veröffentlicht.
Bestehende Tragwerke müssen oft außerhalb des Bestandsschutzes grundsätzlich auf Grundlage von aktuellen und bauaufsichtlich eingeführten technischen Baubestimmungen beurteilt und bemessen werden, zum Beispiel bei einer Umnutzung oder bei wesentlichen Lasterhöhungen. Allerdings zielt das diesen Bestimmungen zugrunde liegende Sicherheits- und Nachweiskonzept auf Neubauten, bei denen zum Zeitpunkt der Erstellung der Tragwerksplanung wesentliche Parameter des zu errichtenden Tragwerkes zwangsläufig nicht feststehen können. Demgegenüber können bei bereits bestehenden Bauwerken zusätzliche Informationen am Tragwerk gewonnen und bei der Bemessung vorteilhaft genutzt werden.
Das vorliegende Merkblatt zeigt eine Möglichkeit auf, wie bei Stahlbetonbauteilen im Bestand unter Berücksichtigung der tatsächlich vorhandenen Materialparameter mit ihrer statistischen Verteilung Teilsicherheitsbeiwerte auf der Widerstandsseite modifiziert werden können. In vielen Fällen können so Tragfähigkeitsreserven in der Größenordnung von 10–20 Prozent aktiviert werden. Die Teilsicherheitsbeiwerte auf der Einwirkungsseite bleiben bei diesem Vorgehen gegenüber einer Neubauplanung unverändert.
In Anhang A wird am Beispiel einer Stahlbetondecke im Hochbau das mögliche Vorgehen bei Nachweisen im Bestand demonstriert.
Das Merkblatt „Modifizierte Teilsicherheitsbeiwerte für Stahlbetonbauteile“ ergänzt die DBV-Merkblattsammlung in der Rubrik „Bauen im Bestand“, wurde von einem DBV-Arbeitskreis erarbeitet und unter Beteiligung von Fachleuten der Bauaufsicht, der ausführenden Unternehmen, der Baustoffindustrie, der Wissenschaft und Ingenieurbüros beraten und verabschiedet.
