Die Fachzeitschrift „Der Zimmermann“ hat über ein Projekt berichtet, bei dem Bauelemente für die Sanierung in einer Halle vorgefertigt wurden – mit positiven Auswirkungen vor allem für ältere Beschäftigte.
Die Zimmerei Karl Rehm aus Tann in der Rhön hat das einjährige Projekt Anfang 2014 mit Unterstützung der Hessenagentur gestartet – auf die Initiative von Ralf Böttger als Beauftragter für Innovation und Technologie (BIT) am Bundesbildungszentrum des Zimmerer und Ausbaugewerbes in Kassel (Bubiza) und dem Refa-Verband Hessen Nord (Verband für Arbeitsgestaltung, Betriebsorganisation und Unternehmensentwicklung). Ziel war es, Lösungen für die Herstellung und Vormontage vorgefertigter Dachelemente für das Bauen im Bestand zu finden. Die Ziele waren:
- Durch Erhöhung des Vorfertigungsgrads an Holzverbundelementen sollten die risikobehafteten Fertigungszeiten auf der Baustelle reduziert werden.
- Durch die Verlagerung von Montagearbeiten in die Werkhalle sollte eine Verringerung der Arbeitsbelastung und Unfallgefährdung gerade bei älteren Beschäftigten erreicht werden.
Zunächst war ein Testprojekt im Neubau gestartet worden. Nach seinem erfolgreichen Abschluss folgte die Vorfertigung von Dachelementen für die Instandsetzung. Dabei bestand die besondere Herausforderung darin, dass die Grundlage für eine gelingende Vorfertigung ein exaktes Aufmaß ist. Da ein Aufmaß mit herkömmlichen Methoden bei einem schiefwinkligen, dreidimensionalen Bestandsbaukörper aufwendig und risikobehaftet ist, entschied man sich für die Nutzung digitaler Messtechnik. Man nahm das Aufmaß mit einem Digitallaser, dessen erzeugter Datensatz anschließend in einer CAD-Software verarbeitet und mittels einer CNC-Abbundanlage umgesetzt wurde. Diese Vorgehensweise des Aufmaßes ist im Holzbau noch selten. Der Arbeitsvorbereiter kann mit dem 3D-Laser in Kombination mit einem Notebook von der Straße aus alle relevanten Punkte zur Generierung des Grundrisses von Bestandsgebäuden aufnehmen und erhält ein genaues, verformungsgerechtes und digitales Aufmaß.
Auch wenn das digitale Aufmaß zwei bis drei Stunden länger dauert als ein analoges, alle realen Maße und verschobene Winkel sind exakt definiert und bieten eine optimale Grundlage für die Werksplanung.
Standarddetails entwickelt
Um die Abläufe umstellen und optimieren zu können, erwarb die Zimmerei Rehm eine Fertigungsanlage, die es erlaubt während der Vormontage eine Dachflächenhälfte komplett auszulegen, vorzumontieren und anschließend mit Trennschnitten wieder zu teilen. Nur so ist gewährleistet, dass alle Bauteile auf der Baustelle wieder zusammenpassen.
Die Zimmerei entwickelte gemeinsam mit dem Bubiza Standarddetails für die Konstruktionen von immer wiederkehrenden Detailpunkten, wie Traufe oder First. Diese Detaillösungen können für die meisten Sanierungsprojekte übernommen oder, bei Bedarf, entsprechend angepasst werden.
Das Projekt wurde nach Abschluss durchweg positiv bewertet, neben der geringeren Belastung der Mitarbeiter durch die Arbeit auf der Baustelle und der damit niedrigeren Unfallgefahr konnten die Ausführungszeiten durch die Vorfertigung verringert werden.
Wie das Projekt im Detail aufgebaut war und welche Erkenntnisse für die Vorfertigung in der Sanierung noch gewonnen werden konnten, lesen Sie in „ Der Zimmermann“ , Ausgabe 4. 2016.
