Der Westplatz in Leipzig ist eine gefragte innerstädtische Wohnlage, die von mehrspurigen Straßen und Schienenverkehr geprägt ist. Bei der Instandsetzung eines Plattenbau-Ensembles entschied sich die Wohnungsgenossenschaft Unitas die Energetische Sanierung mit einer Verbesserung des Schallschutzes zu verbinden.
Beauftragt mit der Planung wurde die Die S&P Sahlmann Planungsgesellschaft für Bauwesen. Die Architekten entwarfen für das sechsgeschossige Wohnhaus an der Ebert-Straße 28 – 34 eine rundum erneuerte Fassade. Nach dem Abriss der vier Balkontürme wurde das Gebäude zunächst wärmegedämmt. Auf der nach Südwesten ausgerichteten Straßenseite folgte der Aufbau von durchgehenden Stahlbeton-Balkonen, die mit 12 Quadratmetern doppelt so groß sind wie ihre Vorgänger. Danach wurde die neue Balkonanlage mit einer flexiblen Vorhangfassade aus Glas geschlossen. Zusätzlich baute man verschiebbare Verschattungselemente ein.
Neben der optischen Aufwertung war für die Wohnungsgesellschaft die Verbesserung der Wohnqualität - und damit der Vermietbarkeit - entscheidend. Die verglaste Balkonanlage sollte als Pufferzone gegen Straßenlärm dienen, die Wohnungen erweitern und dank einer Tragstruktur aus Stahlbetonfertigteilen als zweiter Rettungsweg fungieren. Gleichzeitig sollten die Balkone nach außen hin nicht abgeschlossen werden.
Balkonverglasungen und Verschattungen lassen sich flexibel einstellen

Um diese Ziele zu erreichen, wählten die Architekten das ungedämmte Balkonsystem „SL Modular“ des Herstellers Solarlux. Die Vorhangfassade in Modulbauweise verbindet maßgeschneiderte feste Brüstungselemente mit einer flexiblen Verglasung. Auch die Verschattungselemente wurden vom Hersteller eingepasst.
Das einzelne Loggienelement des Systems setzt sich aus einem umlaufenden tragenden Profilrahmen und einem horizontalen Riegelprofil als Brüstungsoberkante zusammen. Vertikale Sprossenprofile gliedern den Brüstungsbereich. Die Stirnfläche der Balkone wird mit Alu-Kantteilen verkleidet und die Entwässerung in die Verkleidung integriert.
Oberhalb der Brüstungsfelder kann das System mit verschiedenen Verglasungen kombiniert werden. In diesem Fall entschieden sich die Bauherren für die Schiebe-Dreh-Verglasung „SL 25“ - ein dauerbelüftetes, senkrecht rahmenloses Aluminium-Profilsystem mit 27 Millimetern Bautiefe. Es bietet Wind-, Wetter- und Schallschutz bei vielen denkbaren Grundrissvarianten. Im geschlossenen Zustand erreicht es nach Angabe des Herstellers zusammen mit dem System „SL Modular“ eine Schallreduzierung von 21 Dezibel. Zudem soll der bessere Schutz vor Witterung in Zukunft die Instandsetzungskosten senken.
Bei den meisten Wohnungen der Friedrich-Ebert-Straße besteht das Schiebe-Dreh-System aus acht beweglichen Scheiben. Das erste Glaselement lässt sich über einen Edelstahlseilzug öffnen. Alle weiteren Elemente werden nach rechts beziehungsweise links geschoben und zu einem kompakten Flügelpaket weggedreht. Somit lässt sich die Balkonverglasung über die gesamte Breite von sechs Metern öffnen. Die Pflege der Glasaußenflächen erfolgt vom Rauminneren.

Zusätzlich entwickelte Solarlux die absturzsichernden Brüstungsgläser speziell für die Planungsgesellschaft. Sie sind größtenteils blickdicht, ein schmaler Streifen unterhalb des Handlaufs bleibt aus gestalterischen Gründen transparent. Der Übergang zum Klarglas wurde dabei ohne Sprosse ausgebildet, um den transparenten Eindruck der Verglasung nicht zu stören. Geschosshohe, metallene Verschattungselemente mit einem speziellen Muster ergänzen das neue Bild der Fassade. Die Perforierung der Bleche spiegelt den fächerförmigen Grundriss der barocken Parkanlage „Apels Garten“ wider, die sich früher an diesem Ort befand. Sie ermöglichen es jedem Mieter, auf seinem Balkon einen individuellen, sicht- und sonnengeschützten Bereich einzurichten. Auch die Verschattungselemente wurden als Sonderlösung in enger Zusammenarbeit mit dem Hersteller angefertigt.