Betoninstandsetzung Jacobs 1

Betoninstandsetzung 2015-07-22T00:00:00Z Außen kühl und innen trocken

Das Nebengebäude einer jüdischen Begegnungsstätte wies massive Schäden an der Stahlbeton-Außenhülle auf. Durch eindringende Feuchtigkeit waren bereits Schimmelschäden im Innenraum aufgetreten. Mit einer Innenabdichtung konnte der denkmalgeschützte Bau instand gesetzt werden, ohne das Erscheinungsbild zu verändern. Risse in der Außenhülle wurden mit einem speziellen Injektionsverfahren mit Polyurethan verpresst.

Wie viele andere jüdische Bauwerke wurde die ehemalige Synagoge in Wuppertal-Elberfeld, die 1865 für die im Rahmen der Industrialisierung des Bergischen Landes schnell wachsende jüdische Bevölkerung errichtet worden war, in der Reichskristallnacht am 9. November 1938 durch Brandschatzung zerstört. Nachdem das Gelände nach dem 2. Weltkrieg lange Zeit brach gelegen hatte, errichtete man bis 1994 die Begegnungsstätte „Alte Synagoge“. Heute wird dort die Geschichte jüdischer Bürger in Wuppertal und Umgebung erforscht und dokumentiert. Das gemeinsam von den Kölner Architekten Peter Busman und Godfrid Haberer sowie dem polnischen Künstler Zbyszek Oksiuta entworfene Gebäudeensemble besteht aus mehreren Teilen auf zwei Ebenen: Auf dem unteren Niveau befindet sich das schräggestellte Fragment einer Gründerzeitfassade. Dahinter liegen das Foyer sowie ein Seminarraum. Im Hof der oberen Ebene zeichnen Granitplatten die Grund- risse der zerstörten Synagoge nach. Nur an der nördlichen Grundstücksgrenze sind noch Teile der Grundmauern zu erkennen, die als Mahnmal an die Judenverfolgung erinnern sollen (Abb. 2). Daneben markiert eine mit Bleiplatten bekleidete Rotunde den Eingang in das als Kubus angelegte Hauptgebäude mit Versammlungsraum. Ein vorgelagerter rechteckiger Baukörper mit Satteldach aus Sichtbeton nimmt die Nebenräume auf (Abb. 1).

Wasser drang über die ungeschützte Oberfläche ein

Wind und Wetter konnten dem 20 Jahre alten Bauwerk unverhältnismäßig stark zusetzen. Ein fehlender Oberflächenschutz sowie eine mangelnde Verdichtung des Betons sorgten dafür, dass über Jahre hinweg Feuchtigkeit über Risse und Kiesnester in das Bauwerk eindringen konnte (Abb. 3/4). In der Folge wies der Außenbau Betonabplatzungen, lose Betonteile und freiliegende, korrodierte Bewehrungen auf (Abb. 5). Hinzu kamen Schäden im Innenraum: Eindringendes Wasser sowie Kondensat, dessen Ursache eine als Gipskarton- Ständerwand ausgeführte Wandbekleidung ohne Wärmedämmung war, führten zur Schimmelbildung in der Wandkonstruktion.

Betoninstandsetzung Jacobs 2
Auf der Oberfläche der Außenwand hatte sich eine graue Patina gebildet. (Abb.: Rita Jacobs)

Denkmalschutz musste berücksichtigt werden

Mit der Instandsetzung beauftragte man das Wuppertaler Unternehmen Dirk Hünninghaus GmbH. Dabei bestand die Hauptaufgabe darin, das Objekt gegen eindringende Feuchte abzudichten. Da die 20 Zentimeter starke Stahlbetonhülle außerdem weder die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) noch den Mindestwärmeschutz gemäß DIN 4108 Teil 2 erfüllte, musste zusätzlich eine entsprechende Dämmung eingebracht werden. „Normalerweise“, berichtet Herbert Voss, Geschäftsführer der Hünninghaus GmbH, „sind Bauwerke immer von außen wasserdicht zu erstellen. Das besondere Problem in diesem Fall war, dass das Gebäude unter Denkmalschutz steht und daher das äußere Erscheinungsbild nicht verändert werden durfte.“ Sowohl die Abdichtung als auch die Dämmung mussten also von innen erfolgen. Über die Jahre hatte sich auf der Gebäudeoberfläche eine schmutziggraue Patina gebildet (Abb. 6). Auch diese durfte nach Denkmalschutzauflagen zunächst nicht entfernt werden. Versuche ergaben jedoch, dass sie sich auf keinen Fall mit austretendem Harz, das später für die Verpressung der Risse verwendet werden sollte, verbinden durfte, weil sonst starke optische Beeinträchtigungen aufgetreten wären. Daher wurde einer vorherigen Reinigung zugestimmt.

Gebäudehülle von innen abgedichtet

Mit dem Planer einigte man sich schließlich darauf, eine Innenabdichtung aus mineralischen Dichtungsschlämmen (ein Millimeter) in Kombination mit einem Hybriddichtstoff in fünf Millimeter Stärke und einer zwölf Zentimeter dicken wasser- und was- serdampfdichten Schaumglasdämmung auszuführen. Der Wandaufbau verhindert einen Wassereintritt von außen in das Objekt, entspricht der vorgeschriebenen Wärmedämmung und stellt gleichzeitig sicher, dass aus dem Innenraum kein Wasserdampf in die Dach- beziehungsweise Wandkonstruktion gelangt. Abschließend sollte die Konstruktion ein dünnschichtiges organisches Putzsystem erhalten. Ausschlaggebend für die Entscheidung zur Ausführung einer Hybridabdichtung, die in der Praxis auch als bitumenfreie Dickbeschichtung bezeichnet wird, war die Notwendigkeit, die geplante Innenabdichtung rissüberbrückend auszuführen, damit auch bei eventuell neu auftretenden Rissen kein Wasser in die Konstruktion eindringen kann. Mit der Hybridabdichtung kann eine Rissüberbrückung von mindestens zwei Millimetern erreicht werden. Sie setzt sich aus einer lösemittelfreien, kunststoffmodifizierten mineralischen Dichtschlämme und einer zweikomponentigen Dickbeschichtung zusammen.

Risse mit speziellem Verfahren verpresst

Bevor die dichte Innenhülle ausgeführt werden konnte, mussten die im Dach- und Wandquerschnitt der Außenhülle aufgetretenen Trennrisse verpresst werden, die nach Niederschlägen feucht oder drucklos wasserführend waren.

Autoren: Rita Jacobs und Hans Joachim Rosenwald

Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus B+B BAUEN IM BESTAND, Ausgabe 1-2015.

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zuletzt editiert am 09. April 2021
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