Das Verwaltungsgebäude des „Dachverbandes der österreichischen Sozialversicherung“ wurde nach der Generalsanierung mit „EnerPHit Plus“ und „klimaaktiv Gold“ (996 von 1000 Punkten) zertifiziert. Quelle: Wolfgang Thaler
Das Verwaltungsgebäude des „Dachverbandes der österreichischen Sozialversicherung“ wurde nach der Generalsanierung mit „EnerPHit Plus“ und „klimaaktiv Gold“ (996 von 1000 Punkten) zertifiziert. Quelle: Wolfgang Thaler

Gebäude + Energie

30. September 2021 | Teilen auf:

Ausgezeichnete energetische und nachhaltige Sanierungen

Auf der 25. Internationalen Passivhaustagung wurden zum 14. Mal die Passive House Awards 2021 überreicht. Mit dabei einige sehr interessante Sanierungsprojekte. Auch beim diesjährigen Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur sind unter den acht Finalisten drei spannende Projekte dabei, die in die Kategorie Bauen im Bestand gehören.

Jan Steiger von der Geschäftsführung des Passivhaus Instituts übergab die Passive House Awards 2021 in der Historischen Stadthalle Wuppertal an die internationalen Preisträger. Die meisten von ihnen waren online zugeschaltet und ließen die Zuschauer in der Liveübertragung an ihrer Feierstimmung teilhaben. „Gebäude im Passivhaus-Standard benötigen deutlich weniger Energie und verursachen daher über ihren gesamten Lebenszyklus deutlich weniger Emissionen. Genau das ist für effektiven Klimaschutz unverzichtbar. Alle Preisträger sind ein perfektes Beispiel dafür, wie ein äußerst nachhaltiger Baustandard architektonisch hochwertig und absolut vielseitig umgesetzt wird“, so Steiger.

Die internationale Jury wählte aus insgesamt 87 Beiträgen von zertifizierten Passivhaus-Projekten rund um den Globus 14 Preisträger für den Passive House Award 2021 aus. Neben der Architektur der Gebäude spielten Wirtschaftlichkeit und Innovation sowie die Versorgung mit regenerativer Energie eine große Rolle bei der Entscheidung der Jury. Und unter den 14 Preisträgern sind auch vier Objekte, die in die Kategorie Sanierung gehören.

Zuvorderst ist das 1976-1978 errichtete Verwaltungsgebäude des „Dachverbandes der österreichischen Sozialversicherung“ in Wien zu nennen, das einer Generalsanierung unterzogen wurde und den Preis in der Kategorie „Sanierung“ erhielt. Das Gebäude in der Kundmanngasse 21 hat 16 oberirdische Geschosse und eine Gesamt-Bruttogeschossfläche von circa 22.600 Quadratmetern und wurde nach der Sanierung mit „EnerPHit Plus“ und „klimaaktiv Gold“ (996 von 1000 Punkten) zertifiziert. Ein an das Hauptgebäude anschließendes Nebengebäude mit 7 oberirdischen Geschoßen wurde abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. In diesem wurden ein Konferenzsaal und ein Restaurant errichtet. Als wesentliches architektonisches Merkmal haben die Architekten Chaix & Morel et associés (Paris) und Christian Pichler (Wien) Photovoltaik-Anlagen (insgesamt 148,24 kWp) auf den Flachdächern von Hauptgebäude und Zubau als „fünfte Fassade“ konzipiert. Zusätzlich zur thermischen Sanierung wurde eine hocheffiziente und bedarfsorientierte Gebäude- und Haustechnik implementiert.

Altes Zweifamilienhaus erreicht Passivhaus Plus Standard

Bei der Sanierung dieses Zweifamilienhauses wurde der Passivhaus Plus Standard erreicht. Quelle: Bernd Steinmüller

Den „Sonderpreis Prof. Wolfgang Feist“ erhielt das Architekturbüro Richter Architectes et Associés für die nachhaltige Sanierung eines Verwaltungsgebäudes in Straßburg. Darüber hinaus ging der Sonderpreis EnergieAgentur.NRW an Dr. Bernd Steinmüller und das Architekturbüro Igor Wispler für die Sanierung eines Zweifamilienhauses im westfälischen Hamm zum Passivhaus Plus. Dieses Projekt ist eines der ersten, bei dem dieser Standard durch die energetische Sanierung eines älteren Gebäudes erreicht wurde. Das ursprünglich 1890 erbaute, nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaute Haus wurde 2015/16 saniert, nachdem das Dach durch Pilzbefall stark beschädigt worden war. Hinzu kam hohe Feuchtigkeit in den Wänden und ein hoher Energieverbrauch. Durch „passive“ Maßnahmen (Dämmung, neue Fenster, etc.) konnte der Energiebedarf von 500 auf 70 kWh/m²a gesenkt werden. Die Photovoltaik-Anlage reduzierte den Bedarf weiter – auf 30 kWh/m²a. Damit wurde der Passivhaus Plus Standard 2017 erreicht und durch Messungen in den folgenden Jahren bestätigt. Weitere Informationen zu allen ausgezeichneten Objekten finden Sie auf der Website des Passive House Awards.

Zwei Sanierungsprokjekte und ein Recyclinghaus für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur nominiert

Acht Projekte können sich Hoffnung machen, als Sieger beim diesjährigen Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur hervorzugehen. Zur Auswahl der neu formierten Jury zählen beispielsweise ein Recyclinghaus, Neubauten in Holzbauweise sowie verschiedene vorbildliche Sanierungen. Die renommierte Auszeichnung wird zum neunten Mal gemeinsam von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. vergeben. Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitstages am 3. Dezember 2021 in Düsseldorf.

Das Verwaltungsgebäude des Tierparks in Berlin wurde mit wenigen, gezielten Maßnahmen saniert. Quelle: ZRS Architekten Ingenieure & Tierpark Berlin, Matthew Crabbe

Zu den beiden nominierten Sanierungen gehört die ressourcenschonende Instandsetzung des Verwaltungsgebäudes des Tierparks Berlin. Statt für den Totalabbruch entschied man sich für den Erhalt des DDR-Systembaus aus den frühen 1960iger Jahren. Mit wenigen gezielten Maßnahmen, wie einer neuen vorgehängten Fassade in vorgefertigter Holztafelbauweise, kann das Haus zu einem späteren Zeitpunkt erweitert oder zerstörungsfrei zurückgebaut werden. In Chemnitz bilden der Umgang mit der vorgefundenen Bausubstanz und das respektvolle Weiterbauen den Beispielcharakter der Sanierung eines Gründerzeitgebäudes, der Casa Rossa. Die Ästhetik des Imperfekten und der minimalistische Ansatz machen das Projekt zu einem Pionier der Umbauwende. Zu den Nominierten zählt zudem das Recyclinghaus im Stadtteil Kronsberg in Hannover. Das zweistöckige Einfamilienhaus ist ein Prototyp für experimentelles Bauen. Als Reallabor für verschiedenste Arten und Dimensionen des Recyclings demonstriert das Gebäude, was heute bereits möglich ist.

Ermittelt wurden die nominierten Projekte von einer neu zusammengesetzten Jury, zu der acht Expertinnen und Experten aus Architektur, Bauen und Gesellschaft zählen. Anders als bislang bestimmt dieses neue Preisgremium auch direkt über die drei Finalisten sowie das Gewinnerprojekt des Wettbewerbs. Benannt wurden die Juroren gemeinsam von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis und der DGNB. Die Auszeichnung wird zudem unterstützt durch die Bundesarchitektenkammer, den Bund Deutscher Architekten und die Bundesstiftung Baukultur sowie Caparol. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website des Deutschen Nachhaltigkeispreises Architektur.