Nach dem erfolgreichen „Neustart“ des Planertags im Jahr 2022 lud die Gütegemeinschaft Planung der Instandhaltung von Betonbauwerken e. V. (GUEP) am 21. November 2023 wieder in das Maternushaus nach Köln ein. Dr. Fiebrich, Vorsitzender der GUEP führte durch die Veranstaltung und hatte dazu ein anspruchsvolles Vortragsprogramm zusammengestellt - rund 530 Teilnehmer sowie 27 Aussteller interessierten sich dafür.
RAL-Gütezeichen für sachkundige Planer in der Betoninstandhaltung
Dipl.-Ing. Joachim Hauser vom RAL Deutsches Institut für Gütesicherung eröffnete mit seinem Vortrag die Veranstaltung. Er verdeutlichte in seinem Beitrag die Vorteile für Marktteilnehmer, die sich durch eine Mitgliedschaft bei einer Gütegemeinschaft wie der GUEP ergeben. Einen Themenschwerpunkt bildete dabei der „§ 34: Nachweisführung durch Gütezeichen“ der „Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge.“
Qualitätssicherungsmaßnahme für Bauprodukte gemäß TR Instandhaltung
Über die Erfahrungen aus Sicht eines ausführenden Unternehmens referierte Dipl.-Ing. Siegfried Bepple, Geschäftsführer der GQ Quadflieg Bau GmbH. Sowohl die Technische Regel (TR Instandhaltung) als auch die ZTV-W sähen im Rahmen des projektspezifischen Nachweises vor, dass der Bieter auf der Basis der Vorgaben des Sachkundigen Planers Verwendbarkeitsnachweise, Übereinstimmungsbestätigungen sowie rechtsverbindliche Angaben zur Ausführung für die eingesetzten Instandsetzungsprodukte vorlegen müsse. Der Abschnitt D3 der Musterverwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) sehe weiterhin vor, dass zusätzliche Leistungsmerkmale, die nicht in den harmonisierten Normen adressiert würden – also auch in einer CE- Leistungserklärung vom Produkthersteller nicht deklariert werden könnten – gefordert werden dürften. Diese zusätzlichen Leistungsmerkmale seien wiederum in einer Technischen Dokumentation niederzulegen (umgangssprachlich: „Artikel-30-Gutachten“). Der Vortrag beleuchtete die Erfahrungen eines Unternehmens mit Produktherstellern in der Rolle des Bieters und Auftragnehmers von Bauinstandhaltungsleistungen bezüglich der Überlassung der zuvor genannten Dokumente.
Korrosion von Stahlbewehrung ohne Chlorideinwirkung
Dr.-Ing. Amir Rahimi von der Bundesanstalt für Wasserbau präsentierte in seinem Beitrag die aktuellen Ergebnisse von in-situ-Untersuchungen an Stahlbetonbauwerken im Unterwasserbereich mit Süßwasserbeaufschlagung. Die Ursachen für festgestellte unerwartete Korrosionsprozesse wurden vor- und Einflussgrößen wie Rissbildung, Wasseraustauschrate, lokale Belüftungssituation dargestellt. Darüber hinaus wurden die Auswirkungen auf die Planung von dauerhaften Instandhaltungsmaßnahmen von Stahlbetonbauwerken mit Süßwasserbeaufschlagung abgeleitet und Vorgaben präzisiert, die ein sachkundiger Planer bei der Ausführungsplanung beachten muss und vom ausführenden Unternehmen im Anschluss umgesetzt werden.
Ermittlung von Druckfestigkeiten nach DIN EN 13 791 und EN 1990
Die charakteristische Druckfestigkeit von Bestandsbauwerken thematisierte Prof. Dr.-Ing. Rainer Auberg von der WISSBAU GmbH in Essen. Diese sei insbesondere bei Nachrechnungen von Ingenieurbauwerken (vorzugsweise Brücken) von besonderem Interesse. Die statistische Auswertung von Versuchsergebnissen werde grundsätzlich in DIN EN 1990, Anhang D, beschrieben beziehungsweise für Beton in DIN EN 13 791:2008 in Verbindung mit DIN EN 13 791/A20:2017. In der einschlägigen Literatur und den Erfahrungen von Baustofftechnologen sei zu entnehmen, dass bei einem kleinen Stichprobenumfang die Auswertung nach DIN EN 1990, Anhang D sowie DIN EN 13 791/A20:2017 zu charakteristischen Werten führe, die den tatsächlichen Wert erheblich über- oder unterschätzen.
In-situ-Untersuchungen an Brücken, Hoch- und Wasserbauwerken
Seit Einführung der Normenreihe DIN 1045 beziehungsweise DIN EN 1992-1-1, Ausgabe 2005, wird den Anforderungen an die Dauerhaftigkeit von Stahlbetonbauwerken (XD, XS, XC u. a.) durch Festlegungen in den Normen (Mindestbetondeckung, Betonqualität u. a.) Rechnung getragen. Durch diese starren Regeln soll die Nutzungsdauer von meist 50 Jahren gewährleistet werden. Um zu prüfen, ob diese Festlegungen auf der sicheren Seite liegen oder abgemindert werden können, um die Dauerhaftigkeit zu gewährleisten, sind umfangreiche materialtechnische Untersuchungen an Bestandsbauwerken (n=15: Hochbauten, Spannbetonbrücken, Wasserbauwerken), die nach den Regeln der DIN 1045 2001 erstellt worden sind, bezüglich der entscheidenden Korrosionsparameter durchgeführt worden. Prof. Dr.-Ing. Prof. h.c. Christoph Gehlen von der TU München berichtete über die leistungsorientierten Bemessungsansätze, die aus den Ergebnissen abgeleitet und mit den bisherigen Vorgaben verglichen wurden, sowie über Ansätze für die Festlegung von Mindestschichtdicken bei Betonersatzmassen, um die planmäßige Restnutzungsdauer zu erreichen.
Zerstörungsfreie Materialprüfung von Stahl- und Spannbetonbauwerken
Die zerstörungsfreien Prüfverfahren im Zuge der Ist-Zustandsaufnahme werden in der Tabelle 1 der bauaufsichtlich eingeführten Technischen Regel „Instandhaltung von Betonbauteilen, Teil 1“, Ausgabe 2020-05, adressiert. In dieser Tabelle finden sich vielfach Querverweise auf entsprechende Merkblätter der Deutschen Gesellschaft für zerstörungsfreie Prüfung (DGzfP). Die zutreffende Deutung der am Bauwerk gemessenen und am Computer ausgewerteten Signale bedarf einer nennenswerten Erfahrung und oft Schulung des Operators.
Prof. Dr.-Ing. Alexander Taffe von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin widmete sich den neuesten Erkenntnissen bei den oben genannten Prüfverfahren, auch und insbesondere im Hinblick auf die bildgebende Darstellung. Darüber hinaus berichtete er über eine Initiative, die vorsieht, dass man anerkannte Qualifikationskriterien für die Anwendung dieser Verfahren erwerben kann.
Neben der Vortragsveranstaltung informierten wieder zahlreiche Bauproduktehersteller und Dienstleister in einer Fachausstellung über Produkte und Dienstleistungen rund um die Betoninstandhaltung. Wer im nächsten Jahr mit dabei sein und diskutieren möchte: Der nächste Planertag findet am 26. November 2024 wieder in Köln statt. Weitere Informationen >>>
