Fenstertausch
Die 30 Jahre alten Fenster in einem Zweifamilienhaus in Rastatt sollen gegen neue Kunststofffenster mit Dreifach-Verglasung ausgetauscht werden. (Abb.: hilzinger/Harald Schmidt)

Gebäude + Energie 2014-03-12T00:00:00Z Aus dem Warmen hinausschauen

Beim Fensteraustausch stellt sich die Frage, wie die neuen Fenster montiert werden und welche Maßnahmen zur wärmebrückenoptimierten Montage sinnvoll und für den Kunden finanziell tragbar sind. Hierzu stellt der Autor zwei Möglichkeiten vor.

Die 30 Jahre alten Fenster in einem Zweifamilienhaus in Rastatt sollten gegen neue Kunststofffenster mit Dreifach- Verglasung ausgetauscht werden. Das Mauerwerk bestand aus 30 Zentimeter Hochlochziegeln, zuzüglich zwei Zentimeter Außen- und 1,5 Zentimeter Innenputz. Es verfügt beidseitig über einen Maueranschlag von jeweils 7,5 Zentimetern. Das alte Fenster mit einer Bautiefe von 58 Millimetern saß direkt auf der Außenfensterbank aus Stein auf. Diese reicht noch bis drei Zentimeter unter die raumseitige Innenfensterbank aus Holz.  

Der Rollladensturzkasten verfügt oben über eine Dämmung. Aus Platzgründen ist eine weitere Ausdämmung des Kastens nicht möglich. Der Rollladen wird mit einem Gurt bedient, wobei der Gurtwickler in der Wand eingelassen ist.

Die neuen Fenster des Zweifamilienhauses verfügen über eine Bautiefe von 70 Millimetern. Mit dem Fensteraustausch soll auch die alte Rollladenwelle, der -behang und der Gurtantrieb ausgetauscht, der raumseitig angeordnete Revisionsdeckel durch eine besser gedämmte Variante und die alten Rollladenführungsschienen durch neue ersetzt werden.

Neue Fenster mit WDV-System kombinieren

Aus dem warmen hinausschauen - 03 - Schema 01
Der Fensterrahmen mit der Ansichtsbreite von 90 Millimetern ermöglicht ein Überdämmen des Fensterrahmens von 35 Millimetern. (Abb.: hilzinger/Harald Schmidt)

Für diese Ausgangssituation bieten sich zwei mögliche Varianten an. Eine energetisch gute Lösung wäre, den vorhandenen Maueranschlag und die Steinbank zu entfernen, das neue Fenster mauerwerksbündig zu montieren und die Fassade mit einem Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) zu dämmen. Der Fensterrahmen mit der Ansichtsbreite von 90 Millimetern ermöglicht ein Überdämmen des Fensterrahmens von 35 Millimetern. Die Führungsschiene des Rollladens wird dabei nicht überdämmt, sondern lediglich angeputzt. Dafür verwendet der Gipser eine entsprechende Anputzleiste. Die Rollladenschiene schließt zum Fensterrahmen luftdicht ab.

In diesem Fall müsste der Rollladensturzkasten außenseitig aufgeflext und ein Vorbaurollladensystem mit Putzträgerplatte integriert werden. Der Fensterrahmen wird nach oben verbreitert. Im Idealfall geschieht dies mit einer ausgedämmten Verbreiterung. Ein Motorantrieb würde den bisherigen ersetzen.

Um die Wärmebrücke im unteren Anschlussbereich zu reduzieren, hat sich folgende Vorgehensweise in der Praxis bewährt: Der Standardfensterrahmen wird um 58 Millimeter Bautiefe verbreitert. Dabei ist darauf zu achten, dass die Konstruktionsfuge luftdicht schließt. Unter der Verbreiterung kommt das Sohlbankprofil. Der Vorteil dieser Konstruktion ist, dass die neue Außenfensterbank aus Aluminium unter den Fensterrahmen in der speziell konstruierten Aufnahmenut befestigt werden kann. Dadurch bleibt genügend Platz, um den Anschlussbereich zu dämmen. Die raumseitige Fensterbank kann unter die Verbreiterung geführt werden und erfährt dadurch eine gute Stabilität. Der verbleibende Hohlraum zwischen Sohlbankprofil und Fensterbank sowie dem Mauerwerk wird ausgedämmt.

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Um Wärmebrücken im Anschlussbereich zu vermeiden, wird der Standardfensterrahmen um 58 Millimeter Bautiefe verbreitert.(Abb.: hilzinger/Harald Schmidt) tt

Diese Variante des Fensteraustauschs ist in der Theorie sehr gut, leider aber mit deutlich höheren Sanierungskosten verbunden, sofern der Kunde nicht von vornherein ein WDVS plant. Dazu kommt, dass der alte Sturzkasten außenseitig geöffnet werden muss, damit der neue Vorbaurollladen integriert werden kann. Das Fenster wird somit nach außen gesetzt. Dadurch sind Putz- und Anpassungsarbeiten raumseitig im Laibungsbereich erforderlich. Diese zusätzlichen Arbeiten und Kosten sind häufig der Grund, weshalb der Bauherr die günstigere Variante bevorzugt.

Die Position des Fensters orientiert sich am Rollladenkasten

Bei der zweiten Variante bleiben Maueranschlag und Gurtantrieb bestehen. Die Position des Fensters in der Laibung orientiert sich am vorhandenen Rollladensturzkasten.

Eine Erhöhung der raumseitigen Oberflächentemperatur im Laibungsbereich würde man durch das Anbringen eines Innenlaibungssystems erreichen. Es gibt speziell für die Fenstersanierung eine Laibungsdämmplatte mit zementfreier Beschichtung zum Aufkleben mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,029 W/(m² ∙ K). Diese Dämmplatten gibt es in unterschiedlichen Dämmstärken. Verputzarbeiten sind dabei nicht erforderlich, denn die Laibungsdämmplatten können gestrichen werden.

Wenn das neue Fenster in der Laibung, inklusive Rollladenführungsschiene, befestigt ist, befindet sich der Fensterrahmen circa an der roten Linie, die auf Abbildung 6 eingezeichnet ist. Die Bautiefe des neuen Fensters inklusive Führungsschiene beträgt elf Zentimeter.

Aus dem warmen hinausschauen - 02 - Anschlussfuge
Bei der Montage ist darauf zu achten, dass die UFuge und der Raum hinter der Führungsschiene im Vorfeld mit Dämmmaterial auszufüllen sind, um ein Auskühlen der Fensterlaibung zu verhindern. (Abb.: hilzinger/Harald Schmidt)

Wird der Hohlraum hinter der Rollladenführungsschiene nicht gedämmt, würde im Winter kalte Außenluft über den Rollladenkasten in den Hohlraum dringen. Das hat zur Folge, dass sich die Fensterlaibung auskühlt. Wenn nun noch der Hochlochziegel im Innern des Mauerwerks um ein bis zwei Kammern beschädigt oder ausgebrochen ist, dringt die kalte Luft noch weiter ein.

Deshalb ist darauf zu achten, dass die U-Fuge und der Raum hinter der Führungsschiene im Vorfeld mit Dämmmaterial auszufüllen ist. Nachträglich ist es schwierig, mit der Schaumpistole den hinteren Bereich vollständig auszudämmen. Deshalb sollte der Hohlraum vorher hinter der Rollladenführungsschiene mit entsprechendem Material ausgedämmt werden. Betrachtet man diese Montagesituation im Isothermenverlauf, erkennt man, dass bei raumseitig 20 °C und –5 °C Außenlufttemperatur die 13°-Isotherme im Anschlussbereich bleibt und so eine ausreichende Dämmung vorhanden ist .

Die durchgehende Steinbank muss am besten komplett entfernt und durch eine neue Fensterbank, zum Beispiel aus Aluminium, ersetzt werden. Der untere Anschluss wird wie bei der ersten Variante ausgeführt.

Der raumseitige Revisonsdeckel ist durch einen luftdichten gut dämmenden Revisionsdeckel zu ersetzen. Da die Bautiefe des neuen Fensters und auch die der neuen Rollladenführungsschiene größer ist als die des alten Fensters, sitzt das neue Fenster weiter innen in der Laibung. Der Platz für spätere Reparaturen am Rollladen verringert sich. Deshalb kann im Altbau dem Trend nach größeren wärmegedämmten Bautiefen nicht immer Rechnung getragen werden. Hätte man in diesem Fall eine Bautiefe von zum Beispiel 86 Millimetern eingesetzt, würde der verbleibende Platz nur circa 2,5 Zentimeter betragen, um an das Innenleben des Rollladenkastens zu kommen. Damit wäre eine Revision schwierig.

Autor: Harald Schmidt, Gebäudeenergieberater HWK, Sachverständiger für Bewertung und Sanierung von Schimmelpilzschäden in Wohnräumen (TÜV Rheinland) hilzinger GmbH Fenster und Türen Willstätt.

Dies ist ein Artikel aus B+B SPEZIAL, Ausgabe 3. 2012 - Ein- und Zweifamilienhäuser

zuletzt editiert am 09. April 2021