Die Kernkompetenz der Unternehmensgruppe Rolf Kühl Papierhandels-GmbH aus Diedorf bei Augsburg ist Recycling. So wurde auch beim Umbau einer ehemaligen Fabrikantenvilla zum neuen Firmensitz der Schwerpunkt auf das Thema Wiederverwertung gelegt.
Das Bauwerk aus dem Jahr 1890 war Ende der 1960er-Jahre zeittypisch saniert, durch einen Anbau erweitert und im Anschluss als Hotel und Restaurant genutzt worden. Nachdem die Unternehmensgruppe das Objekt 2011 erworben hatte, wurde es komplett saniert. Dabei war es den Bauherren wichtig, dass sowohl die unterschiedlichen Stile der alten Bauteile, als auch die ursprüngliche Möblierung in die Gestaltung der neuen Büroräume einbezogen werden.
Hierzu entfernte man sämtliche nach der Entstehungszeit eingefügten Bauteile, während man die hochwertigen Steinfußböden und Stuckelemente an den Decken aufarbeiten ließ. Eine Vielzahl originaler Lampen wurde zerlegt, instand gesetzt und im Anschluss wieder angebracht. Auch das Bestandsmobiliar des Restaurants – massive Tische und Stühle im Stil des „Gelsenkirchener Barock“ – wurde monochrom in grün oder weiß gefasst und für die Möblierung unterschiedlicher Bereiche des Gebäudes wiederverwendet.
Die bei der Renovierung 1969 eingesetzten, einteiligen Fenster der Villa wurden gegen dreifach verglaste Sprossenfenster in Originalfensterteilung ausgetauscht, die silber eloxierten Aluminiumfenster des Anbaus ließ man mit anthrazitfarbener Eisenglimmerbeschichtung überarbeiten. „Wir wollten den Unterschied zwischen den Gebäuden herausarbeiten“, sagt die Innenarchitektin Margarethe Kolb. Auch die Gestaltung der Fassaden sollte die verschiedenen Architekturstile deutlich machen: Die Villa wurde in Weiß mit hellgrauem Sockel gestrichen, während man den Neubau grau gestaltete.
Die Innenräume wurden dagegen durchgehend in einem eigens angemischten Grauton gestrichen, der die Räume optisch zusammenführen soll.
Stile zusammengemischt

Sowohl im Empfangsbereich als auch in einem Großraumbüro besteht das Mobiliar nun aus einer Mischung von aufgearbeiteten Stilmöbeln und Leuchten aus der ehemaligen Villa mit schlichtem modernem Interieur. Im Großraumbüro verwendete man Akustik-Trennwände in kühlem Grün, die den ehemaligen Gastraum nun in sieben Arbeitsplätze unterteilen. Ein verglaster Erker wurde zur offenen Besprechungszone. Der Personalraum wurde in der ehemaligen Restaurantküche eingerichtet. In der Raummitte findet nun eine lange Tafel aus wiederverwerteten Tischen und Stühlen in Grün Platz. Der Mosaikfußboden und die ursprünglichen Küchenzeilen aus Edelstahl wurden belassen.
Im Obergeschoss befinden sich Einzel- und Zweierbüros, ein Besprechungsraum sowie das Büro des Firmeninhabers, Dr. Michael Kühl. Hier wurde der ursprüngliche Parkettboden aufgearbeitet sowie altes mit neuem Mobiliar gemischt.
Durch die Kombination aufgearbeiteter alter Bauteile, Leuchten und Möbel mit modernen Farben und Einrichtungselementen gelang es den Architekten individuell gestaltete Arbeits-
und Repräsentationsräume zu schaffen. Zugleich konnte die alte Bausubstanz erhalten werden.
Bautafel
Bauherr
Rolf Kühl Papierhandels-GmbH, Diedorf
Innenarchitektur
Innenarchitekturbüro Kolb, Stadtbergen
Fassadenfarbe
KEIM Soldalit
Innenraumfarbe
KEIM Innotop