Die Nachfrage nach Wohnraum in den Ballungszentren wächst weiter. Untersuchungen zeigen, dass Aufstockungen bestehender Gebäude eine zukunftsfähige Strategie zur Schaffung von neuem Wohnraum sind. Schon heute gibt es interessante architektonische Konzepte, wie unter anderem ein internationaler Wettbewerb zeigt.
Etwa ein Viertel der bestehenden Gebäude sind theoretisch stabil genug, um zusätzliche Geschosse, zum Beispiel aus Holz, zu tragen. Das hat eine Studie der B+L-Marktdaten ergeben.
In verschiedenen Städten wurde durch persönliche Sichtung oder Begehung sowie per Street View die Aufstockbarkeit untersucht. Dabei wurden zum Beispiel in Bonn und Hannover jeweils 120 Straßen komplett Haus für Haus bewertet. Hierbei stand die bauaufsichtliche Realisierbarkeit im Mittelpunkt der Bewertung. Eine Beurteilung der statischen Möglichkeiten wurde allerdings nicht vorgenommen. Die auf diese Weise berechneten aufstockbaren Grundflächen können somit zunächst als Richtwert an der oberen Grenze des Potenzials gelten. Aus den Ergebnissen der repräsentativen Straßen-Stichprobe rechnete man das Aufstockungspotenzial pro Stadt hoch. Im zweiten Schritt wurde eine Hochrechnung für ganz Deutschland vorgenommen.
Nach der Studie lassen sich 27 Prozent der insgesamt 6,6 Millionen Quadratmeter Wohngebäudegrundfläche der Stadt Bonn theoretisch aufstocken. Damit könnten in der ehemaligen Bundeshauptstadt über 20.000 Wohnungen mit einem Investitionsvolumen von über 4,0 Milliarden Euro geschaffen werden.
In ähnlicher Weise wurden weitere Städte untersucht. Die Hochrechnung der Ergebnisse ergibt ein theoretisches Potenzial von rund 100 Millionen Quadratmetern für deutsche Städte mit mehr als 200.000 Einwohnern. Auf dieser Basis würde bei einem jährlichen Fertigstellungsvolumen im deutschen Wohnbau von rund 25 Millionen Quadratmetern der Wohnraumbedarf über vier Jahre vollständig über Aufstockungen gedeckt werden können.
Wie dringend der Bedarf nach neuem Wohnraum ist und welche Rolle Nachverdichtungen dabei spielen, zeigt auch, dass die Stadt Bonn im Februar 2016 ihr Katasteramt in „Amt für Bodenmanagement“ umbenannt hat. Eine Kernaufgabe: Nachverdichtungen fördern.

Wettbewerb prämiert Aufstockungen in Holzbauweise
Der Wettbewerb „City Above the City“, den Metsä Wood, Anbieter von Holzprodukten, ausgeschrieben hatte, hat Architekten aus aller Welt inspiriert, Holzaufstockungen für Stadtzentren zu entwerfen. Einsendungen aus 40 Ländern setzten sich mit den Herausforderungen der Urbanisierung auseinander. Die prämierten Entwürfe stammen aus New York, Schanghai und Tampere in Finnland.
Architekten aus 40 Ländern entwarfen ihren Plan B für die Urbanisierung mithilfe eines Furnierholzes des Herstellers als Hauptmaterial. Die Aufgabe lautete, eine Holzaufstockung für ein bereits vorhandenes Stadtgebäude zu entwerfen. Die Einsendungen befassten sich mit 69 Städten weltweit. Darunter Berlin, London, New York, Paris, Schanghai und Sydney.
Gewinner wurden in zwei Kategorien ausgezeichnet: kleine und groß angelegte Lösungsansätze. Der Gesamtwert der Preise beläuft sich auf 35.000 Euro.
Die ersten Preise in der Kategorie klein angelegte Lösungsansätze gingen an Nile Greenberg (USA) und Alma Studio (Spanien) für ihre Entwürfe für New York und Schanghai. Die Zweitplatzierten sind Superspace (Türkei) mit einem Entwurf für Istanbul und Sigurd LarsenDesign & Architecture (Deutschland) mit einem Konzept für Berlin.
Die ersten Preise in der Kategorie groß angelegte Lösungsansätze gingen an Lisa Voigtländer (Deutschland) und SungBok Song (Korea) für ihre Entwürfe für Tampere in Finnland. Die Zweitplatzierten sind Basic Architects (Australien) mit einem Entwurf für Perth, L Arkkitehdit (Finnland) mit einem Konzept für Helsinki, Giuseppe De Marinis Gallo und Gianluca Gnisci (Italien) mit einer Idee für New York und Kim Min Jae Architects (Hongkong) mit einem Entwurf für Hongkong.
Eine komplette Übersicht über die Arbeiten finden Sie auf der Website zu "City above the City" .