Abdichtungen_Normen
Zukünftig sollen die Abdichtungsnormen auf die Einsatzorte ausgerichtet sein. (Abb.: Christian Herold/DiBt)

Bauwerksabdichtung 2013-09-24T00:00:00Z Auf den Einsatzort ausgerichtet

Die Normen für die Planung und Ausführung von Bauwerksabdichtungen werden neu strukturiert. Die angestrebte Ausrichtung: bauteil- und aufgabenbezogen. Wir geben Einblicke in die Neuordnung.

Bei der Bauwerksabdichtung ist ein unverständlich hohes Maß an Bauschäden festzustellen. Die Studie „Feuchteschäden durch fehlerhafte Bauwerksabdichtungen“ [1] aus dem Jahr 2009, die das Institut für Bauforschung e.V., Hannover, im Auftrag des Bauherren- Schutzbund e.V. und eines namhaften Sachversicherers durchführte, gibt dazu detailliert Aufschluss: Bezogen auf die Gesamtheit der typischen Bauschäden war die Gebäudeabdichtung mit 11,9 % aller festgestellten Mängel einer der am meisten belasteten Bereiche, wobei unterkellerte Gebäude einen Schadensschwerpunkt darstellten. Mehr als 32 % der in diesem Bereich festgestellten Fehler verursachten Bauschadenskosten über 15.000 Euro, davon mehr als 15 % sogar Bauschadenskosten über 25.000 Euro.Verglichen mit einer vorausgegangenen Studie zu typischen Bauschäden aus dem Jahr 1991 hat sich beispielsweise die Zahl der Schäden an erdberührten Bauteilen um circa 71 % erhöht.

Unverständlich erscheint diese Schadenshäufigkeit vor allem deshalb, weil selbst einem Laien die Auswirkungen von Feuchtigkeitsschäden vertraut sind und den Fachleuten – also Planern und Ausführenden – eigentlich bewusst sein sollte, dass der Stellenwert der Bauwerksabdichtung ganz oben auf der Prioritätenliste anzusiedeln ist. An bewährten Materialien, Ausführungsarten, Anleitungen und Hilfen zu deren Einsatz mangelt es schließlich nicht.

Die Regelwerke und ihre Entwicklung

Ein trockenes Bauwerk vermeidet nicht nur Schäden am Inventar und am Bauwerk selbst. Das trockene Gebäude ist Grundvoraussetzung für ein gesundes Wohnklima. Die Notwendigkeit, diese Forderungen und die dazu geeigneten baulichen Maßnahmen in einem Regelwerk festzulegen, führten bereits im Jahr 1932 zur Veröffentlichung einer ersten Norm, die sich mit der Abdichtung von Bauwerken befasste – der DIN 4031. Sie beschrieb wasserdruckhaltende bituminöse Abdichtungen für Gebäude, sozusagen die hohe Schule der Abdichtung. Im Jahr 1950 kam die DIN 4117 dazu, die die Abdichtung von Bauwerken gegen Bodenfeuchtigkeit zum Inhalt hatte. Vervollständigt wurde die Normenreihe durch die DIN 4122, die sich mit Abdichtung von Bauwerken gegen nicht drückendes Oberflächen- und Sickerwasser mit bituminösen Stoffen, Metallbändern.

Im Jahr 1983 wurden diese einzelnen Normen zur DIN 18195 zusammengefasst. Die Teile 6, 4 und 5 entsprachen den bisherigen Einzelnormen. Die technische und handwerkliche Weiterentwicklung und die Verfügbarkeit neuer und in der Praxis bereits bewährter Materialien führten im Jahr 2000 zu einer umfassenden Überarbeitung. Dabei wurde die Struktur der DIN 18195 geändert und auch ergänzt. So wurde nun beispielsweise in Teil 5 die Abdichtung von Deckenflächen beschrieben, wogegen die Abdichtung gegen nicht drückendes (und vorübergehend drückendes) Wasser in den Teil 6 verschoben wurde. Zu den neu aufgenommenen Abdichtungsstoffen, die sich über viele Jahre in der Praxis bewährt hatten, gehörten die kunststoffmodifizierten Bitumendickbeschichtungen (KMB) und die Bitumen-Kaltselbstklebebahnen (KSK).

Der Zwang zur Anpassung an die Euronormen für die verschiedenen Abdichtungswerkstoffe erforderte weitere Änderungen in diesem Regelwerk, die sukzessive umgesetzt wurden. Dies betraf in erster Linie den Teil 2 der Norm, der die verwendbaren Abdichtungswerkstoffe beschreibt. Auch diesmal wurden Stoffe, die ihre Bewährungsprobe bestanden hatten, neu aufgenommen. Dies waren mineralische Dichtschlämmen (MDS), Abdichtungen im Verbund mit Fliesen (AIV) und Flüssigkunststoffe (FLK). Derzeit steht die Überarbeitung der Teile 4, 5 und 6 an, die noch an den neuen Teil 2 angepasst werden müssen.

Dies er Beitrag ist Teil eines Artikels au s   Baugewerbe , Ausgabe 06. 2012

Autoren: Heinz-Peter Raidt


zuletzt editiert am 09. April 2021
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