ZBB_02_2013 Lüftungsanlagen
Wohnraumlüftungssysteme mit Erdwärmespeicher verbessern zusätzlich die Energiebilanz der Anlage.(Abb.: Zehnder)

Anlagentechnik 2014-05-22T00:00:00Z Auch zu Hause frische Luft tanken

Die aktuelle DIN 1946-6 verlangt auch bei Modernisierungen die Erstellung eines Lüftungskonzepts, wenn im Ein- und Mehrfamilienhaus mehr als ein Drittel der vorhandenen Fenster ausgetauscht oder im Einfamilienhaus mehr als ein Drittel der Dachfläche neu abgedichtet werden. Der Planer oder ausführende Betrieb muss darin festlegen, wie aus Sicht der Hygiene und des Bautenschutzes der notwendige Luftaustausch gewährleistet werden kann. Für die Umsetzung steht mittlerweile auch für die Wohnraumlüftung eine Reihe unterschiedlicher Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung zur Verfügung. Bei deren konkreter Planung und Ausführung sind von der Materialwahl über die Leitungsführung bis hin zur Dimensionierung zahlreiche Details zu beachten.

Saubere und frische Atemluft ist lebenswichtig. Daher muss die Innenraumluft ständig ausgetauscht werden, um die mit chemischen und physikalischen Bestandteilen verunreinigte Luft abzuführen und durch frische Außenluft zu ersetzen. Je höher die Raumluft mit Schadstoffen, Partikeln oder Feuchte belastet ist, umso häufiger muss sie ausgewechselt werden. Diese Luftwechsel sollten das gesamte Raumvolumen erfassen und regelmäßig durchgeführt werden.

Dichtere Fenster hatten Feuchteschäden zur Folge

In der Zeit zwischen 1970 und 1990 wurden in Wohngebäuden erstmals dichtere Fenster eingebaut, die ohne gezielte Lüftungsmaßnahmen keinen ausreichenden Luftwechsel mehr gewährleisteten. Die daraufhin auftretenden Feuchteschäden an den Außenwänden erforderten eine höhere Lüftungshäufigkeit. In einer Vielzahl von Rechtsstreitigkeiten wurden die Wohnungsnutzer (Mieter) durch Urteile verpflichtet, regelmäßig eine Fensterlüftung (Stoßlüftung) zu gewährleisten.

Diese insbesondere für Berufstätige lebensferne Vorgabe bot den Anstoß für bauphysikalische Lösungen, um Feuchteschäden zu begegnen und Transmissionswärmeverluste dort zu reduzieren, wo die Raumluftfeuchte kondensierte. Die Kondensationsflächen befanden sich vor allem an Fensterlaibungen, Stürzen und Raumecken und wurden durch Substanzschäden an den Wandoberflächen und einen flächigen Schimmelbefall augenfällig.

Damit wurde die nächste Stufe von Energiesparmaßnahmen eingeläutet, die bis heute zu einer umfassenden Wärmedämmung und abgedichteten, „luftdichten“ Gebäudehüllen führte. Solcherart errichtete oder modernisierte Häuser bedürfen einer mechanischen Belüftung, um ihre Nutzung zu gewährleisten. Deshalb wurden für diese Fälle Lüftungssysteme entwickelt, die ein angenehmes, gesundes Raumklima im Wohnbereich gewährleisten und mittels Wärmerückgewinnung eine effiziente Energienutzung ermöglichen.

Im Gegensatz zu gewerblich genutzten Gebäuden, die aus produktionstechnischen oder arbeitsschutzrechtlichen Gründen über Raum-Luft-Technische- Anlagen (RLT-Anlagen) verfügen, bilden Lüftungsanlagen im Wohngebäudebestand noch eine große Ausnahme. Bei Modernisierungsmaßnahmen stehen Bauherren einer kontrollierten Wohnungslüftung noch immer sehr zurückhaltend gegenüber. Spannend ist dabei die Entwicklung der Lüftungstechnik im Vergleich des Wohnungs- mit dem Nicht-Wohnungsbau. Während für den Wohnungsbau zunehmend kostentreibende Dämm- und Dichtungsmaßnahmen vorgegeben werden und damit der Einsatz mechanischer Lüftungssysteme forciert wird, ist es im gewerblichen Bereich umgekehrt: Hier findet aufgrund von Hygieneproblemen und hoher Betriebskosten ein „Umdenken“ hin zur freien Lüftung statt.

Fensterlüftung führt zu Lüftungswärmeverlusten

In der Praxis wird noch überwiegend das „Lüftungssystem“ Fenster vorgefunden, das seit vielen Jahren eine zufriedenstellende Wohnungslüftung ermöglicht hat. Fenster haben einen hohen funktionellen Wert, da sie die Räume sowohl belichten und lüften, als auch den Sichtkontakt nach außen ermöglichen. Bei Eigenheimen müssen die Fenster erst dann erneuert werden, wenn auch die Außenwände wärmegedämmt werden. Verbundfenster der 1930er- und 1950er- Jahre sind selten abgängig und können instand gesetzt und durch eine umlaufende Dichtung wärmetechnisch verbessert werden [3]. Ein Austausch der Verglasung oder der Einbau von Vorsatzscheiben sollte dann ebenfalls in Erwägung gezogen werden. Durch ein geöffnetes Fenster kann der einfache Luftwechsel in wenigen Minuten erfolgen. Dabei wird allerdings die Außenluft unbehandelt in den Raum eindringen und während der Heizperiode die Raumlufttemperatur merklich absenken. Der Lüftungswärmeverlust ist je nach Raumgröße erheblich.

Den größten Wärmeverlust während der Heizperiode provozieren jedoch gekippte Fenster. Diese werden erfahrungsgemäß erst dann wieder geschlossen, wenn eine zu niedrige Raumtemperatur auf die Fensterstellung hinweist. Dreh- Kipp-Fenster sollten daher nur noch selten und dann nur in Wohngebäuden installiert werden.

Die Fensterlüftung findet ihre Einsatzgrenzen aber ab einer bestimmten Raumtiefe:

  • Einseitige Befestigung:circa 2,5-fache Raumhöhe (3 m),
  • Zweiseitige Befensterung: circa 5-fache Raumhöhe (3 m),
  • Verhältnis der Kippfensteranzahl zur Raumfläche ungünstiger als 1 : 20 m² .

Für kontrollierte Wohnungslüftung Lüftungskonzept erstellen

Im aktuellen Bauwesen genießt die Energieeffizienz eine vorrangige Berücksichtigung. Dies betrifft sowohl Modernisierungen als auch Neubauten. Aus energetischer Sicht werden die Gebäudehüllen luftdicht ausgeführt, um Lüftungswärmeverluste zu reduzieren. Der notwendige Luftaustausch für die nutzenden Personen sowie der Erhalt der Bausubstanz kann daher in der Regel nur noch über eine Wohnungslüftungsanlage sichergestellt werden. Wenn bei Modernisierungsmaßnahmen gemäß EnEV 2009 und DIN 4108-2 eine hohe Luftdichtigkeit angestrebt wird, ist ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 zu erstellen. Die aktualisierte Fassung dieser Norm konkretisiert, für welche Leistungen der Nutzer herangezogen werden kann und – viel wichtiger – für welche nicht.

Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus B+B BAUEN IM BESTAND , Ausgabe 2.2013

Autor: Albert Preißler

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zuletzt editiert am 09. April 2021
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