Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Warendorf ist 126 Jahre alt. Nachdem es einige Jahrzehnte leer gestanden hatte, wurde es jetzt in ein modernes Geschäftshaus mit einer Nutzfläche von 312 Quadratmetern umgewandelt. Die Kernsanierung umfasste unter anderem die Bauwerksabdichtung, eine Natursteinrestaurierung, die Schlämmverfugung und Hydrophobierung der Ziegelfassade und die energetische Sanierung mit einer Innendämmung.

Abgerundet wurde das energetische Konzept durch eine mit Erdwärme gespeiste Fußbodenheizung und Fenster sowie Türen nach neuestem energetischen Standard.
Der „Alte Bahnhof“ ist ein typischer ländlicher Bahnhof aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhundert. Das Gebäude besteht aus einem zweigeschossigen, dreiteiligen Gruppenbau aus gelb-rotem Backstein mit flach geneigten Dächern. Der östliche Gebäudeteil ist um ein Attikageschoß erhöht ausgeführt. Die einzelnen Gebäudeteile sind durch reliefartige Backsteinverbände und unterschiedliche Färbungen der Backsteine sowie Brüstungsgesimse aus Sandstein gegliedert. Mit seiner prägnanten Ziegelarchitektur und dem klassischen Rundbogenstil der Fenster bildet der Bahnhof ein das Ortsbild prägendes, bauliches Ensemble.
Das langgestreckte Bauwerk diente nur 15 Jahre seiner ursprünglichen Zweckbestimmung, dann wurde es durch einen Neubau an anderer Stelle ersetzt. Das Gebäude wurde danach als Finanzamt und zu Wohnzwecken genutzt, bevor der Leerstand kam und mit ihm die Schäden. Das Fugennetz der Backsteinfassade wurde marode, die Wände durchfeuchteten und an eine höherwertige Nutzung war nicht mehr zu denken.

Dennoch wurde ein Abrissantrag der Alteigentümer von der Denkmalbehörde abgewiesen. Im Februar 1991 erfolgte die Eintragung in die Denkmalliste. Die Begründung: Der ehemalige Bahnhof sei ein „bedeutendes Denkmal der westfälischen Verkehrsgeschichte“.
Das Sanierungskonzept, das alle Vorgaben der Denkmalbehörde berücksichtigte, wurde nach den Plänen von Architekt Theo Altefrohne in Zusammenarbeit mit Michael Papenbrock von der Remmers Fachvertretung erstellt. Mit der Umsetzung wurde das Bauunternehmen Oertker als Generalunternehmer und der Malerbetrieb Ahlemann beauftragt. Es zeigte sich, dass das Gebäude noch eine für sein Alter hervorragende Substanz besitzt.
Schlagregenschutz verbessert
Oberste Prämisse war, die denkmalgeschützte Fassade mit ihren mehrfarbigen, reliefartigen Backsteinverbänden und den Brüstungsgesimsen aus Werkstein zu erhalten. Daher sollte eine Innendämmung zum Einsatz kommen. Da durch diese das Trocknungspotenzial der Konstruktion reduziert wird, sollte zunächst der Schlagregenschutz der Fassade verbessert werden.

Als vorbereitende Maßnahme wurde die Fassade zunächst mit einem den Untergrund schonenden Niederdruck-Wirbelstrahlverfahren gründlich gereinigt. Anschließend wurde eine geringe Zahl schadhafter Backsteine ausgetauscht, das Fugennetz im Schlämmverfahren mit einem feinkörnigen, hydraulisch härtenden Fugenmaterial mit sulfatbeständigem Bindemittel saniert und zusätzlich die gesamte Ziegelfassade mit einer Imprägnierung hydrophobiert. Die verschlämmte Fuge zeichnet sich durch eine besonders hohe Flankenhaftung aus, bedingt durch die Qualitä̈t des Mörtels und die Einbring-Technik mit dem Schwammbrett. Das Ausstemmen und Ausschneiden der Fugen konnte bei diesem Verfahren entfallen. Durch die Hydrophobierung wird die Wasserdampfdurchlässigkeit der Fassade kaum beeinträchtigt, der imprägnierte Baustoff gewinnt seinen ursprünglichen Wärmeleitfähigkeitswert zurück.

Als Innendämmung kam ein kapillaraktives System zum Einsatz, das in der Lage ist, Feuchtigkeit aus der Konstruktion zurück an die raumseitige Oberfläche zu transportieren, wo sie ablüften kann. Der Putz dieses Systems kann wiederum kurzfriste hohe Luftfeuchtigkeiten aufnehmen, zwischenspeichern und in Phasen mit niedriger Luftfeuchtigkeit wieder abgeben.
Sandsteingesimse wurden restauriert
Die Steinvarietäten der Architekturelemente waren unterschiedlich stark verwittert, einige hatten eine abschalende oder absandende Oberfläche. Oberstes Ziel war, die Originalsubstanz zu erhalten. Deshalb wurden die Gesimse und andere betroffene Fassadenelemente mit einem weichen Restauriermörtel reprofiliert, restauriert und ergänzt.

Das hygrische Quellen der tonmineralhaltigen Natursteine wurde durch mehrmaligen drucklosen Auftrag im Flutverfahren mit einem für diesen Zweck entwickelten Konservierungsmittel reduziert. Die Farben der Steinergänzung wurden durch eine halblasierende Beschichtung angepasst.
Keller und Sockel umfassend abgedichtet
Zu den Grundvoraussetzungen einer energetisch wirksamen Gebäudesanierung zählt auch eine sichere Abdichtung des Kellers und Gebäudesockels. Der „Alte Bahnhof“ ist im mittleren und östlichen Gebäudeteil unterkellert. Die Geschosssohlen bestanden aus Ziegelsteinen und einem nachträglich eingebrachten Betonestrich. Nach dessen Ausbau wurden die Streifenfundamente freigelegt und ein neuer Betonboden eingebaut.

Die Abdichtung erfolgte im „Remmers Kiesol-System“, mit dem Ziel die Kellerräume höherwertig nutzen zu können. Die einzelnen Arbeitsschritte umfassten eine Vertikalalabdichtung der Trennwände durch Bohrlockinjektage mit „Kiesol“ gegen seitlich eindringende Kapillarfeuchte, Grundierung und Grundverkieselung der Wandflächen, Flächenausgleich mit „Grundputz“, in Teilflächen mit „Dichtspachtel“, Haftbrücke und Dichtungsebene mit „Sulfatexschlämme“ in zwei Schlämmlagen, Haftbrücke für Putzauftrag mit „Sulfatexschlämme“ und „Vorspritzmörtel“ sowie eine Putzauflage mit „Grundputz WTA“ und „Sanierputz WTA altweiß“.