Holzbalkendecke-Schallschutz
Beispiel für vorgefundene Auflagersituationen: Durch die früher übliche Verjüngung der Wanddicke von Geschoss zu Geschoss wurden die Deckenbalken oft auf dem so entstandenen Rücksprung aufgelagert. (Abb: ift Rosenheim und Hochschule Rosenheim)

Bauwerkserhaltung 2016-01-28T00:00:00Z Alte Decken geben Ruhe

Das ift Rosenheim hat in Kooperation mit der Hochschule Rosenheim in zwei Forschungsvorhaben Planungsgrundlagen für den Schallschutznachweis von Holzbalkendecken in Massivbauten erarbeitet. Dabei wurden verschiedene Sanierungsmaßnahmen an der Decke sowie Verbesserungen durch Nass- und Trockenestriche geprüft und die ermittelten Werte in Matrixform als Planungsunterlagen zusammengestellt. Es zeigte sich, dass auch bei historischen Holzbalkendecken die Zielwerte eines erhöhten Schallschutzes erreicht werden können.

Holzdecken, die als Wohnungstrenndecken eingesetzt werden, müssen bei einer Sanierung besonders sorgfältig geplant werden, da häufig in das Tragsystem der Decke eingegriffen werden muss. Deshalb ist neben den Schall- und Brandschutzanforderungen auch die Statik der Decke zu überprüfen. Die Planungsgrundlagen für den Schallschutznachweis von Holzbalkendecken in Massivbauten sind in der derzeitigen Fassung der DIN 4109 mit nur zwei Ausführungsbeispielen vertreten und daher sehr lückenhaft. Ebenso fehlen Planungsgrundlagen völlig, die eine statische Verbesserung der Tragstruktur und deren Auswirkungen auf den Schallschutz der Decke berücksichtigen. Große Unsicherheiten bestehen auch bei der Einschätzung der vorhandenen Luft- und Trittschalldämmung einer Altbaudecke. Um aktuelle Planungsdaten zu erarbeiten, wurde daher am ift Rosenheim ein Forschungsvorhaben durchgeführt, in dem die Luft- und Trittschalldämmungen typischer Altbaudecken und die Verbesserungen durch unterschiedliche Sanierungsmaßnahmen unter Laborverhältnissen untersucht wurden. In einem weiteren Forschungsvorhaben wurde in Kooperation mit der Hochschule Rosenheim die Flankenübertragung bei unterschiedlichen Mauerwerkstypen und Deckeneinbindungen ermittelt.

Maßnahmen an der Unterdecke und am Tragwerk unterscheiden

Als Erstes wurden verschiedene Maßnahmen zusammengestellt, mit denen Bestandsdecken saniert werden können. Hierbei wurde zwischen Sanierungsmaßnahmen an der Unterdecke und am Tragwerk unterschieden. Auf den derart sanierten Decken wurden jeweils unterschiedliche Nass- und Trockenestrichaufbauten geprüft. Eine Übersicht der durchgeführten Messungen ist in Abbildung 1 dargestellt. Bei der Sanierung der Unterdecke wird häufig die vorhandene Rohrputz-Unterdecke durch eine Konstruktion auf Basis von Gipsbauplatten (Gipskarton- oder Gipsfaserplatten) ersetzt. Die Gipsbauplatten werden entweder starr über eine Lattung oder federnd über geeignete Abhänger wie Federschienen, systemspezifische Abhänger oder Ähnliches an den Holzbalken befestigt. Eine schalltechnische Entkopplung ist auch mit einer freitragenden Unterdecke möglich. Der Austausch des eher biegeweichen Rohrputzes der Altbaudecke gegen eine an Latten montierte Gipsbauplatte ergibt deutlich ungünstigere Schalldämm- Werte und ist deshalb nicht zu empfehlen. Die Trittschalldämmung verbessert sich gegenüber der ursprünglichen Situation erst, wenn die Unterdecke entkoppelt montiert wird. Die Entkopplung der Unterdecke durch Federschienen bei gleichzeitiger Erhöhung ihrer flächenbezogenen Masse verbessert den bewerteten Norm-Trittschallpegel bereits deutlich. Eine weitere Verbesserung der Trittschalldämmung – auch bei tiefen Frequenzen – kann durch eine abgehängte Unterdecke mit Spezialabhängern und zusätzlicher Hohlraumdämmung erreicht werden.

Tragwerk sanieren und Schallschutz verbessern

Für die Sanierung der Bestandsdecke mit gleichzeitiger statischer Verbesserung bieten sich unterschiedliche Maßnahmen an. Verstärkt man die Deckenbalken durch seitlich aufgedoppelte Laschen, erhöht man die Tragfähigkeit und gleicht Unebenheiten aus, die zum Beispiel durch durchhängende Balken verursacht sind. Solange eine Deckenschalung auf den Laschen aufgebracht wird, ergibt sich für die Luft- und Trittschalldämmung der Rohdeckenkonstruktion keine nennenswerte Verbesserung. Diese Maßnahme wird wesentlich wirksamer, wenn der Hohlraum bis zur Oberkante der Verstärkungen mit einer mineralisch gebundenen Schüttung aufgefüllt wird und der Estrichaufbau ohne Deckenschalung direkt auf 2 die gebundene Schüttung aufgelegt wird. Hierzu muss der Blindboden statisch optimiert werden. Alternativ kann die Decke durch Holz- Beton-Verbund-Systeme (HBV-Systeme) verstärkt werden. Die Trittschalldämmung des Deckenaufbaus wird in diesem Fall im Wesentlichen durch die eingebrachte Zusatzmasse der Betonschicht verbessert.

Autoren: Andreas Rabold, Stefan Bacher, Ulrich Schanda, Andreas Mayr und Fabian Schöpfer

Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus B+B BAUEN IM BESTAND, Ausgabe 05-2015

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zuletzt editiert am 09. April 2021