Zwei Männer betrachten einen Betonblock in einer bewaldeten Umgebung.
Peter Mark (links), Sprecher, und David Sanio, Koordinator des neuen Sonderforschungsbereichs wollen alte Betonteile für neue Gebäude benutzen. (Quelle: RUB, Marquard)

Betoninstandsetzung 2024-12-19T10:31:05.174Z Alte Betonteile für neue Gebäude

Beim Bauen mit Beton werden bekanntermaßen Unmengen an CO2 freigesetzt. Zugleich fällt beim Abriss alter Bauten so viel Bauschutt an, dass man ganze Landstriche darunter begraben könnte. Das muss sich ändern: An der Ruhr-Universität Bochum wird deshalb ab dem 1. April 2025 daran geforscht, wie die Betonteile alter Gebäude für neue wiederverwendet werden können.

Sowohl die CO2-Freisetzung als auch die Verschwendung von Baumaterial durch Abriss „können wir uns nicht leisten“, sagt Prof. Dr. Peter Mark. Er ist Sprecher des neuen Sonderforschungsbereichs (SFB) 1683 „Interaktionsmethoden zur modularen Wiederverwendung von Bestandstragwerken“ an der Ruhr-Universität Bochum, den die Deutsche Forschungsgemeinschaft für vier Jahre bewilligt hat. „Dieser Sonderforschungsbereich ist ein Musterbeispiel für die konkrete Umsetzung unserer Nachhaltigkeitsstrategie“, sagt Prof. Dr. Martin Paul, Rektor der Ruhr-Universität Bochum. „Unser Motto ‚Built to change‘ könnte nicht besser mit Leben gefüllt werden.“ 

Re-Use ist kein Recycling 

In Deutschland wurden seit 1945 unvorstellbare 16 Milliarden Tonnen Beton verbaut – mindestens. „Wenn man bedenkt, dass Häuser für eine Nutzungsdauer von rund 50 Jahren ausgelegt sind, Brücken für etwa 100 Jahre, bekommt man eine Vorstellung davon, wie viele Gebäude in den kommenden Jahrzehnten abrissreif werden“, sagt Peter Mark. Gleichzeitig werden neue Bauten benötigt, als Wohnhäuser, Bürogebäude, Brücken. Da liegt der Gedanke nahe, vorhandene Elemente alter Bauten für neue wiederzuverwenden – nicht etwa zu recyceln. „Beim Recycling werden Baustoffe zerkleinert und mit neuem Zement wieder zusammengefügt – das spart nur unwesentlich CO2 ein und geht außerdem zulasten der Tragfähigkeit“, sagt Dr. David Sanio, der das Team des Sonderforschungsbereichs koordiniert. 

„Komplettes Umdenken notwendig“ 

Den Forschenden schwebt stattdessen die Nutzung eines Baukastens vorhandener Elemente wie Decken, Wände, Stützen und Fundamente vor. Beispiele für diese Bauteile haben sie auf den Baustellen des Campus der Ruhr-Universität Bochum von den abgetragenen Gebäuden NA und GC bereits gesichert. An diesen Teilen nehmen sie umfangreiche Tests vor, zum Beispiel um ihre Tragfähigkeit zu ermitteln, mögliche Schäden und Alterungseffekte aufzuspüren und die Bauteile gegebenenfalls aufzuwerten. Schließlich müssen die neuen Bauten sicher sein. Auch die Logistik wird Gegenstand der Forschung sein: Wie kann es gelingen, ein neues Gebäude aus alten Elementen zu bauen, die zeitlich und örtlich verfügbar sein müssen? Eine umfangreiche Lagerung von Elementen ist nicht vorgesehen. „Es wird ein komplettes Umdenken im Bausektor geben müssen“, ist Peter Mark überzeugt. „Aber es ist möglich und notwendig angesichts des Klimawandels.“ 

Neben den Bau- und Umweltingenieurwissenschaften und dem Maschinenbau der Ruhr-Universität Bochum sind an dem Sonderforschungsbereich Forschende der Universität Stuttgart, der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Berlin sowie des Karlsruher Instituts für Technologie beteiligt. Der Sonderforschungsbereich beginnt seine Arbeit am 1. April 2025. Weitere Informationen >>>

zuletzt editiert am 19. Dezember 2024
Newsletter