Der 11. Allgäuer Baufachkongress, der vom 22. bis zum 24. Januar in Oberstdorf stattfand, bot etwa 1300 Teilnehmern eine breite Themenauswahl aus den Bereichen Zukunft, Modernisierung, Fachkräfte und Vermarktung, Baupraxis und Baurecht. Der Veranstalter Baumit hatte ein Vortragsprogramm zusammengestellt, das von Perspektiven der Energiewende über praktische Hinweise zum Unternehmensmarketing bis hin zur Detailplanung von Modernisierungsaufgaben wie der Sanierung von Feuchteschäden oder Planungsdetails bei Wärmedämm-Verbundsystemen reichte. Dabei wurden nicht nur ausführende Handwerksbetreibe sondern auch der Handel sowie Architekten und Planer angesprochen.
Zwei Beiträge, die praktische Hinweise zur Ausführung von Sanierungsmaßnahmen geben, werden in diesem Beitrag vorgestellt.
Wärmebrücken wirtschaftlich planen und ausführen
Wie sich die Reduktion von Wärmebrücken bei der Energetischen Sanierung durch präzise Kommunikation zwischen Planern und ausführenden Betrieben wirtschaftlich und exakt planen lässt, erläuterte Dipl. -Ing. Doris Pfeffermann. Da es bei Wärmebrücken immer maßgeblich auf das Verhältnis zwischen Außenflächen und den beheizbaren Räumen ankomme, gäbe es insbesondere bei verwinkelten Gebäuden immer Wärmebrücken, die sich nicht beheben ließen. Bei der Sanierung beträfe dies häufig historische Architekturen, weil diese Erker, Giebel oder Überhänge besäßen. Auch spiele der Wechsel zwischen unterschiedlichen Materialien eine große Rolle, wie zum Beispiel bei Fassaden von Fachwerkhäusern. Diese konstruktiven Wärmebrücken würden durch den Planer bei einer Sanierung mit eingerechnet, da sie sich teilweise nicht beheben ließen.
Dazu habe der Architekt oder Planer prinzipiell drei Möglichkeiten: Wenn der Nachweis nach DIN 4108 unproblematisch sei, könne er einen pauschalen Zuschlag von Wärmebrücken nach der Sanierung schon bei der Planung mit angeben. Dieser ließe relativ viel Spielraum, zielte aber nicht auf die maximale Reduzierung von Schwachstellen in der Gebäudehülle. Eine Möglichkeit, die diese Schwachstellen weiter mindere, sei der reduzierte Wärmebrückennachweis nach DIN 4108, Beiblatt 2. Hier müssten aber alle Details in Planung und Ausführung exakt nach den Vorgaben der DIN umgesetzt werden. Er eigne sich daher weniger für Sanierungsobjekte, die meist spezifische Eigenheiten aufwiesen.

Auf die dritte Möglichkeit ging Pfeffermann näher ein: Der Planer berechnet dabei alle unvermeidbaren Wärmebrücken genau. Dazu müsste er alle Details der Ausführung bereits detailliert beschreiben. Mit dieser Methode ließe sich die maximale Energieeinsparung erreichen. Für den Handwerker entstehe dadurch die Pflicht, alle Details genauso auszuführen wie angegeben. Häufig käme es bei dieser Variante zu Unstimmigkeiten zwischen Planern und Ausführenden. Diese könnten, wenn Details nicht nach Plan umgesetzt wurden, sogar dazu führen, dass das gesamte Objekt auf Kosten des Handwerksbetriebs erneut saniert werden müsse.
Um solche Konflikte zu vermeiden empfahl Pfeffermann den ausführenden Betrieben, sich genau an die Planung zu halten und wenn möglich bereits in der Planungsphase Kontakt zum Architekten aufzunehmen, um eigene Erfahrung in das detaillierte Konzept einfließen lassen zu können. Die Ausführenden könnten sich so aktiv und mit eigenen Ideen in Projekte einbringen. Besonders wenn Architekten noch relativ unerfahren seien, böte sich diese Herangehensweise an. Pfeffermann fasste zusammen, dass es in Zukunft nicht mehr möglich sei, Wärmebrücken, die durch Fehler entstanden seien, einfach hinzunehmen. Das Ziel müsse sein, so exakt wie möglich zu dämmen und abzudichten, um eine maximale Energieeinsparung zu gewährleisten.
Feuchte und Salze richtig bewerten
Einen umfassenden Überblick über die Sanierung von Feuchteschäden bot Olaf Janotte, Anwendungstechniker und Baustoffentwickler bei Baumit. Insbesondere gab er praktische Hinweise zur Untersuchung von versalzenem Mauerwerk.
Nicht nur Kristalle deuteten bei feuchtem Mauerwerk auf Salze hin. Auch dunklere Flecken könnten Symptome einer Versalzung sein, sagte Janotte. Hier habe sich Feuchtigkeit angereichert, weil die Salze Wasser zögen. Um die betroffenen Bereiche zunächst grob zu identifizieren, empfahl er Bilder von der Fassade zu machen und diese in einem einfachen Bildbearbeitungsprogramm stärker zu kontrastieren sowie leicht aufzuhellen. Dadurch würden auch Stellen sichtbar, die nur leichte, mit bloßem Auge kaum erkennbare Flecken aufwiesen.
Bei der anschließenden Probenentnahme sei darauf zu achten, dass man mindestens einen Meter über dem sichtbar versalzenen Bereich misst. Es könne jedoch auch sein, dass Bereiche, die noch weit höher liegen betroffen seien, da die Salze die Feuchtigkeit höher gezogen haben könnten. Daher könne auch eine Probenentnahme in größeren Höhen sinnvoll sein. Auch böte sich, wenn in höheren Bereichen noch keine sichtbare Fleckenbildung bestünde, ein Blick auf die gegenüberliegende Außenwand des Gebäudes an. Seien hier Flecken sichtbar, sollte man unbedingt weiter oben Proben entnehmen.
Zunächst die Standsicherheit klären
Je nach Umfang der Mauerwerksschäden sollte auch die Standsicherheit untersucht werden. Insbesondere wenn das stabilisierende Erdreich um das betroffene Gebäude für Abdichtungsmaßnahmen entfernt werden muss, müsse diese vorab geklärt werden. Alle Voruntersuchungen zur Sanierung von Feuchteschäden könne man dem WTA Merkblatt 2-4-94 entnehmen, fasste er zusammen.
Der schadhafte Putz müsse zunächst bis einen Meter über dem feuchten oder versalzenen Mauerwerk entfernt werden. Beließe man Teile, könne es in der Folge dazu kommen, dass verbliebene Salzanteile erneut Feuchtigkeit zögen. Auch müsse man vorhandene Fugen auskratzen und gegebenenfalls ausbessern, damit der später aufgetragene Putz am Mauerwerk haften könne.
Abschließend wies er darauf hin, dass auch für neu verputze Flächen oft noch Instandhaltungsmaßnahmen nötig seien, zum Beispiel der Einsatz von Bautrocknern.
Aktuelle Themen für die Praxis aufbereitet
Neben diesen Vorträgen bot der Kongress weitere Beiträge zu praktischen Details in der Modernisierung, wie Anschlüsse bei WDVS, Brandschutz oder Barrierefreiheit. Das reichhaltige Programm bot aber auch immer wieder Blicke über den Tellerrand, wenn es zum Beispiel darum ging, wie sich die Energiewende in Deutschland aktuell entwickelt oder wie die Verwendung von Wärmedämm-Verbundsystemen nach der gehäuften Kritik in einigen Medien zu bewerten sei. Auch hier wurde allerdings immer wieder der Bogen zur Praxis geschlagen, wenn zum Beispiel Empfehlungen gegeben wurden, wie Planer oder ausführende Unternehmen ihre Kunden in Bezug auf Wärmedämm-Verbundsysteme am besten beraten können.
Einen ausführlichen Beitrag, mit weiteren Themen vom 11. Allgäuer Baufachkongress, finden sie in der nächsten Ausgabe der B+B BAUEN IM BESTAND, die am 4. März erscheint.
Pauline John