Am 27. und 28. April 2026 finden die 52. Aachener Bausachverständigentage statt. In diesem Jahr stehen unter dem Titel „Alles unter Dach und Fach“ vor allem Fassade und Dach im Fokus.
Doch das ist selbstverständlich nicht alles: Am Anfang der Tagung geht es zunächst um die Anerkannten Regeln der Technik (a.R.d.T.). Weil diese oft unrichtig verstanden und ebenso unrichtig gegen Baubeteiligte verwendet werden, versuchen diese, sich zu schützen, indem sie mehr als nötig bauen. Das führt zum Teil zu erheblichen Baukostensteigerungen. Der Arbeitskreis (AK) I/VI des 10. Baugerichtstags 2025 hinterfragte deshalb die a.R.d.T, stellte die Funktion in den Mittelpunkt des Bauwerkvertrags und stärkte die Vertragsfreiheit. Das hat umfangreiche Auswirkungen auf Beurteilungen durch Sachverständige. Welche genau, ist Thema in Aachen.
Anschließend werden von Dipl.-Ing. Géraldine Lieber Neuerungen in technischen Regelwerken thematisiert und Prof. Matthias Zöller fasst den aktuellen Stand zu DIN 4095-1 und DIN 18533-1 zusammen. Später berichtet die AIBau über ihre Forschung zu Flachdächern ohne schweren Oberflächenschutz. Dabei werden zum einen die Brandschutzanforderungen bei der Installation von PV-Anlagen thematisiert und zum anderen die Auswaschungen aus Dachbahnen.
Kann weniger mehr?
Am Ende des ersten Tages werden mehrfach Antworten auf die Frage gegeben, ob und wie einfacher gebaut werden könnte. Beispiel Wärmedämmung: Welche Techniken stehen bereit, den großen Anteil des Gebäudebestands ohne fossile Energien und ohne übermäßigen Wärmeschutz zu betreiben? Beispiel Wasserleitungen: Kann durch weniger Leitungen mehr Hygiene erreicht werden?
Am zweiten Tag steht zunächst der moderne Holzbau im Vordergrund: Er ist zwar nicht vergleichbar mit traditionellen Holzbauweisen, von denen einige Jahrhunderte überdauert haben; dennoch sollen auch moderne Holzbautechniken resilienter und damit nachhaltiger sein: Prof. Dr. Holger Militz wirft deshalb einen kritischen Blick auf die chemische und thermische Modifizierung von Holz. Darüber hinaus werden in diesem Block neue Anforderungen an Sockel von Holzbauten betrachtet.
Auch am zweiten Tag geht es noch einmal um Flachdächer: Nach der Vorstellung der neuen DIN 18531 (Abdichtung von Dächern sowie von Balkonen, Loggien und Laubengängen) ist die neue Flachdachrichtlinie Thema. Abschließend geht es im Vortrag von Dr. rer. nat. Udo Simonis um Abdichtungen im Detail: Nahtfügungen, Übergänge von Flüssigkunststoffabdichtungen zu Bahnen und Bahnen mit Alubandeinlage.
Dauerhafte Natursteinfassaden und Algen als Begrünung
Danach rückt das Thema Fassade in den Blickpunkt: Natursteinfassaden sollen nicht nur gut aussehen, sondern auch lange halten. Das Gleiche wird von Verblendmauerwerk erwartet. Abblätternde Steine oder ausbrechende Fugen sind Ärgernisse. Doch derartige Schäden sind vermeidbar. In Aachen werden anhand von Praxisbeispielen wenig bekannte Vorschläge erläutert, wie dies gelingen kann.
Zum Abschluss der 52. Aachener Bausachverständigentage steht der Umgang mit Schadstoffen auf dem Programm. Nach einem Beitrag über die Konsequenzen der neuen Gefahrstoffverordnung für Planer und Sachverständige, setzt sich Dr. Thomas Warscheid mit Algen an Fassaden auseinander. Müssen sie mit Bioziden bekämpft werden oder könnten wir sie als völlig kostenfreie Begrünung unserer Städte nutzen?
Wie immer sind die Bausachverständigentage eine gute Gelegenheit sich mit Kollegen auszutauschen, insbesondere bei der Abendveranstaltung im Foyer des Eurogress zum Abschluss des ersten Tags. Darüber hinaus bietet sich in den Pausen ein Gang über die begleitende Fachmesse an. Weitere Informationen und Anmeldung >>>
