Mit der Ausgabe 12/2024 liegt das WTA-Merkblatt 4-6 bereits in seiner vierten Fassung vor - ein bedeutender Schritt in der Weiterentwicklung der Regelwerke zur nachträglichen Bauwerksabdichtung. Die erste Version des Merkblatts erschien 1998, gefolgt von einer Überarbeitung im Jahr 2005. Die nun aktualisierte Version basiert auf dem Merkblatt von 2014 und wurde umfassend technisch, strukturell und inhaltlich neu ausgearbeitet.
Bereits seit der Erstausgabe trägt das Dokument den Titel „Nachträgliche Bauwerksabdichtung erdberührter Bauteile“. Das ist ein Hinweis darauf, dass es sich seit jeher auf die Abdichtung von Bestandsbauwerken konzentriert. Von Anfang an wurden darin die wesentlichen Abdichtungsbauarten der vertikalen Innen- und Außenabdichtung beschrieben und praxisorientiert geregelt.
Normenreihe 18533 macht Überarbeitung notwendig
Die Sanierungspraxis hat jedoch deutlich gezeigt, dass in vielen Altbauten nicht allein die Wände, sondern auch die Bodenflächen entscheidend zur Feuchteproblematik beitragen. Zahlreiche Bestandsgebäude besitzen keine wasserundurchlässige Bodenplatte; stattdessen kapillaraktive Bodenkonstruktionen, die Feuchtigkeit ins Gebäude transportieren. Damit steigt der Planungs- und Sanierungsaufwand.
Ein wesentlicher Grund für die umfassende Überarbeitung war die Veröffentlichung der DIN-Normenreihe 18533, die seit 2017 die Abdichtung erdberührter Bauteile im Neubau regelt. Ihre Wassereinwirkungsklassen, Nutzungsklassen und Anforderungen gelten heute als Standard. Eine Anpassung des WTA-Merkblatts an diese Systematik war notwendig, um Planung, Ausführung und Qualitätssicherung im Bestand auf ein einheitliches technisches Niveau zu bringen. Als sich im Jahr 2015 abzeichnete, dass die neue DIN-Normenreihe mit der DIN 18533 die bis dahin gültige DIN 18195 vollständig neu strukturiert und in großen Teilen ablöst, nahm die WTA-Arbeitsgruppe 4-6 ihre Arbeit auf. Die tiefgreifenden normativen Veränderungen machten schnell deutlich, dass das bestehende Merkblatt nicht nur redaktionell, sondern grundlegend technisch überarbeitet und an die neue Systematik angepasst werden musste.
Praxiserprobte Methoden und Hersteller-Knowhow

Seit 2015 wurde das Merkblatt durch eine breit aufgestellte WTA-Arbeitsgruppe in über 40 Sitzungen erarbeitet. Fachleute aus Sachverständigenwesen, Wissenschaft, Industrie und Handwerk trugen dazu bei, sowohl theoretische Grundlagen als auch Jahrzehnte an Praxiserfahrung und produktspezifische Erkenntnisse einzubinden. Dadurch basiert das Merkblatt nicht nur auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern zugleich auf praxiserprobten Methoden, validierten Abdichtungssystemen und herstellerseitigem Knowhow.
Ein wesentlicher Bestandteil der Überarbeitung war die vollständige Neugestaltung sämtlicher Zeichnungen im Merkblatt. Alle Abbildungen wurden nicht nur modernisiert, sondern inhaltlich erheblich erweitert. Besonders wichtig war der Arbeitsgruppe, dass die neuen Darstellungen komplexe Abdichtungssituationen realitätsnah und nachvollziehbar wiedergeben. Deshalb entstanden Übersichtsgrafiken, die mehrere Abdichtungsvarianten in Kombination abbilden. Beispielsweise die in der Zeichnung dargestellte innenseitige Kellerabdichtung mittels Innenabdichtung im Zusammenspiel mit einer nachträglichen Außenabdichtung, ergänzt durch den Verlauf der zugehörigen Injektionsmaßnahmen sowie deren Übergang in eine Bodenflächenabdichtung und den Sockelbereich. Diese grafischen Übersichten verdeutlichen erstmals den kontinuierlichen Verlauf kompletter Abdichtungsebenen vom Wandfuß über Wandflächen bis hin zur Bodenplatte und zum Sockelbereich.


Ergänzt wurden einige Zeichnungen durch Lupenvergrößerungen, die besonders kritische Anschlussbereiche, wie etwa Durchdringungen, Fugen oder den Wand-Boden-Anschluss großformatig hervorheben. Gerade diese Detailpunkte gelten in der Praxis als besonders fehleranfällig, weshalb ihre präzise Darstellung einen hohen Mehrwert für die Ausführung bietet. Insgesamt vermitteln die neuen Zeichnungen ein deutlich umfassenderes Verständnis für die funktionalen Zusammenhänge der Abdichtungsbauarten und unterstützen Planer wie Ausführende gleichermaßen bei der sicheren Umsetzung komplexer Sanierungsmaßnahmen.
Merkblatt aus zwölf aufeinander abgestimmten Kapiteln
Das neue WTA-Merkblatt 4-6 fasst sämtliche Abdichtungsbauarten (Innenabdichtung, Außenabdichtung und Bodenflächenabdichtung) zusammen und stellt sie in den Kontext einer objektspezifischen Sanierungsplanung. Jede dieser Abdichtungsbauarten besitzt eigene Anwendungsbereiche und Zielsetzungen; sie können sowohl einzeln als auch in Kombination angewendet werden, abhängig von Wassereinwirkung, Raumnutzung, Untergrundbeschaffenheit und den technischen Rahmenbedingungen des Objekts.
Um diese Vielschichtigkeit strukturiert aufzubereiten, gliedert sich das Merkblatt in zwölf aufeinander abgestimmte Kapitel. Diese reichen vom Geltungsbereich über die Planung und Untergrundbewertung bis hin zu den Abdichtungssystemen selbst – Außen-, Innen- und Bodenflächenabdichtung – sowie ergänzenden Themen wie Injektionsstoffen, Qualitätssicherung, Literatur und umfangreichen Abbildungen. Eine abschließende Anlage stellt zudem detaillierte Dokumentationsvorlagen für die praktische Ausführung bereit.
Eindeutige Definition von Abdichtungszielen
Mit der aktuellen Ausgabe des WTA-Merkblatts 4-6 werden die Abdichtungsziele erstmals umfassend, differenziert und systematisch beschrieben. Diese Ausführungen stellen eine bedeutende Weiterentwicklung dar, weil sie Planern, Sachverständigen und Ausführenden eine klare Orientierung geben, wann eine Abdichtungsmaßnahme als erfolgreich gilt und innerhalb welcher Zeiträume ein Trocknungserfolg erreicht werden kann. Dabei werden die Ziele für Außenabdichtungen, Innenabdichtungen, Bodenflächenabdichtungen und Injektionsmaßnahmen (ebenfalls auch in das neue Merkblatt 4-10 eingeflossen) unter anderem auch zeitlich einzeln definiert, da jede Abdichtungsbauart unterschiedliche Wirkprinzipien aufweist.
Beispielsweise muss eine Innenabdichtung unmittelbar nach der Herstellung ihre Funktion erfüllen: Es darf kein Wasser an der raumseitigen Bauteiloberfläche austreten. Bei Außenabdichtungen aber der Trocknungsprozess deutlich länger. Hier bleibt die vorhandene Durchfeuchtung des Bauteils zunächst bestehen; die Austrocknung erfolgt erst im Anschluss und unterliegt, sofern keine abweichenden Vereinbarungen getroffen werden, einem Richtwert von mindestens zwei Jahren. Dieser Zeitraum bezieht sich auf das Erreichen der objektspezifischen Ausgleichsfeuchte und stellt erstmals eine verbindliche Orientierungsgröße dar. Ähnliche Grundsätze gelten für die neu geregelte Bodenflächenabdichtung, die nach dem gleichen Funktionsprinzip wie eine Innenabdichtung bewertet wird. Das Merkblatt kann auf der Website des Fraunhofer-Informationszentrums Raum und Bau IRB bezogen werden.
Dies ist ein gekürzte Fassung eines ausführlichen Artikels von Dipl.-Ing. Jörg Bogs, der in Ausgabe 1/2026 von B+B Bauen im Bestand erschienen und für Abonnenten zugänglich ist. Zu unseren Abos geht es hier . Jörg Bogs ist WTA Referatsleitung Referat 4 Bauwerksabdichtung, Schriftführer WTA-Arbeitsgruppe 4-6, Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile, seit 2003 bei ISOTEC GmbH - Technischer Leiter und Prokurist mit den Tätigkeitsschwerpunkten technische Qualitätssicherung, Produkt- & Sortimentsentwicklung, Betreuung & Ausbildung der ISOTEC-Fachbetriebe, stellvertretender Fachbereichsleiter Bautenschutz DHBV und Mitautor an zahlreichen weiteren WTA-Merkblättern.