Bauen mit Beton ist nicht klimafreundlich – 7 % der globalen Treibhausgasemissionen gehen allein auf die Zementherstellung zurück. Gleichzeitig ist das Potenzial, Bauen mit Beton nachhaltiger zu gestalten, riesig. Dieses Potenzial aufzuzeigen, ist Ziel der 68. BetonTage, die unter dem Motto „Transformation gestalten“ stehen und vom 14. bis 16. Mai 2024 im Congress Centrum Ulm stattfinden.
Die Vorträge spannen einen thematischen Bogen von der CO2-reduzierten Herstellung von Baustoffen und Bauteilen über Leichtbau bis hin zur Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung. Eine umfangreiche Informationsausstellung mit über 130 Unternehmen und Start-ups aus der Zuliefer-, Maschinen- und Softwareindustrie begleitet den Leitkongress der Beton- und Betonfertigteilindustrie.
Innovationen und Digitalisierung als Gamechanger
Eine Schlüsselrolle zur Erreichung der Klimaziele im Bausektor spielt die Forschung. Um die Innovationskraft der Bauindustrie deutlich zu erhöhen, entsteht derzeit in Bautzen der Hauptsitz des Bundeszentrums für Bauforschung „Living Art of Building“. Hier soll am ressourcenschonenden und klimaneutralen Bauen der Zukunft geforscht werden. Ideengeber Professor Manfred Curbach, Technische Universität Dresden, stellt das Leuchtturmprojekt an der Eröffnung der BetonTagen vor.
Gegenstand zahlreicher Forschungsprojekte ist die CO2-reduzierte Herstellung von Baustoffen und Bauteilen. Im Podium „Praxisgerechte Forschung für Beton“ werden die neuesten Erkenntnisse präsentiert. Vorträge über CO2-minimierte sowie zementklinkerreduzierte Betone unter Verwendung spezieller Additive und Biomasse basierte Leichtbetone seien exemplarisch genannt. Sie zeigen Wege zu einer klimagerechten Betonbauweise auf.
Unterstützung bei der Umsetzung der ökologischen Transformation bietet die Digitalisierung. Für Keynote Speaker Jörg Heynkes aus Wuppertal ist sie unverzichtbar, um den entscheidenden Durchbruch im Klima- und Umweltschutz zu erzielen. „Warum wir die Welt nur digital retten, oder gar nicht“, lautet der Titel seines Vortrages am Eröffnungstag. Prof. Josef Hegger von der RWTH Aachen stellt am Nachmittag des zweiten Kongresstages im Rahmen des „Besonderen Beitrags“ seine Vision von der Zukunft des Bauens vor.
Vorfertigung – Zukunft des Bauens
Vorträge rund um das Bauen mit Betonfertigteilen bilden einen Schwerpunkt im Podium „Vorfertigung – Zukunft des Bauens“. Ein Erfahrungsbericht aus einem neu konzipierten Werk zeigt, wie Branchenunternehmen sich dem Thema „Nachhaltigkeit“ annehmen und im Werk umsetzen. Am Beispiel des Projekts „Greensite“ wird eine Tragwerkskonstruktion aus CO2-reduziertem Beton und eine innovative textilbewehrte Betonsandwichfassade vorgestellt. Ein weiterer Beitrag zeigt die Vorzüge von Betonelementen beim Bau von Brücken auf. Außerdem werden Planungshinweise für ein nachhaltiges Bauen mit Betonfertigteilen gegeben und die neue DIN 1045 aus Sicht der Betonfertigteilbranche kommentiert.
Das Plenum am 15. Mai 2024 widmet sich vormittags dem seriellen und modularen Bauen. Insbesondere für den Wohnungsbau gewinnt diese Bauweise immer mehr an Bedeutung. Unter anderem wird gezeigt, wie mit Betonfertigteilen schnell und nachhaltig bezahlbarer Wohnraum realisiert werden kann. Weitere Vorträge gehen auf die automatisierte additive Fertigung von Rippendecken und reversible, kreislauffähige Holz-Beton-Verbunddecken ein.
Potenziale des Leichtbaus
Ein großes Potenzial für die ökologische Transformation der Industrie hin zur Klimaneutralität birgt der Leichtbau. Mit dem Ziel, diese Technologie weiter voranzutreiben, hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) das Technologietransfer-Programm Leichtbau ins Leben gerufen. Werner Loscheider, Referatsleiter Bauwirtschaft, Leichtbau/Neue Werkstoffe, Ressourceneffizienz, stellt es auf den BetonTagen im Plenum am ersten Tag vor.
Der Einsatz von Carbonbeton ermöglicht schlankere und leichtere Bauteile und steht im Fokus des Podiums „Leichtbau“. Es informiert unter anderem über die aktuellen Forschungsergebnisse und Praxiserfahrungen. Zudem wird die neue DAfStb-Richtlinie „Betonbauteile mit nichtmetallischer Bewehrung“ vorgestellt. Nach einer zweijährigen Pause gibt es wieder ein Podium zum Thema „Leichtbeton“. Die Vorstellung der Roadmap der Branche hin zur Klimaneutralität, eine Betrachtung der Treibhausgasemission bei der Produktion von Leichtbeton sowie Vorträge zum Einsatz von Recyclingmaterial und zur CO2-Absorption stehen auf der Agenda.
Zukunftstag Bauwirtschaft
Am 16. Mai 2023 findet der 5. Zukunftstag Bauwirtschaft statt. Er soll den interdisziplinären Austausch mit Verantwortlichen aus Bauunternehmen, Architektur- und Ingenieurbüros fördern. Neben den gestalterischen Möglichkeiten zeigen die Beiträge das Innovationspotenzial des Baustoffs Beton für ein klimaneutrales Bauen auf. Sie befassen sich unter anderem mit dem Einsatz von R-Beton und faserbewehrten Betonbauteilen, der Wiederverwendung von Betonfertigteilen und der Funktion von Beton als natürliche CO2-Senke. Weitere Informationen zu den Betontagen und zum Programm finden Sie hier .
