Vom 13. bis 15. November 2025 trafen sich Bau- und Sanierungsexperten aus ganz Deutschland in Lübeck, um sich im Rahmen der 35. Hanseatischen Sanierungstage zum Thema „Bauen im Bestand konkret“ auszutauschen. Die dreitägige Veranstaltung bot ein interdisziplinäres Programm, das sowohl technische Herausforderungen als auch kreative Lösungsansätze für die Sanierung und Modernisierung von Bestandsgebäuden diskutierte.
Der Auftakt der Veranstaltung begann mit einem Angebot an spezialisierten Workshops, die wichtige Themen für die Sanierung im Bestand vertieften. Der Workshop „Digitale Schadenskartierung“, geleitet von Dipl.-Ing. Gunnar Siedler, präsentierte den Teilnehmern neuartige digitale Werkzeuge, die eine effiziente Erfassung und Visualisierung von Schäden in Bauwerken ermöglichen. Diese Technologien verbessern nicht nur die präzise Analyse von Bauwerksschäden, sondern leisten auch einen Beitrag zur Planung und Dokumentation langfristiger Erhaltungsmaßnahmen.
Ein praxisorientierter Einstieg
Im Workshop „Innovative Innendämmung“ stellten Christian Büchner, Sven Sorge und Prof. Dr.-Ing. Sylvia Stürmer neuartige Ansätze vor, die eine effektive Wärmedämmung bei sensiblen Altbauten ermöglichen. Besonders hervorzuheben war die Diskussion über diffusionsoffene Materialien und deren Anwendungsmöglichkeiten, die eine historische Bausubstanz schützen und gleichzeitig zeitgemäße energetische Anforderungen erfüllen. Ein paralleler Studentenworkshop unter der Leitung von Prof. Dr. rer. nat. Constanze Messal bot jungen Nachwuchstalenten die Möglichkeit, sich intensiv mit den Maßgaben des Denkmalschutzes im Kontext des Bauens im Bestand auseinanderzusetzen.
Die Fachmesse, begleitet von einer Ansprache von Lübecks Bausenatorin Joanna Hagen und der Vorsitzenden des BuFAS e.V., Prof. Dr. Messal, sowie einer Reihe von Kurzvorträgen der Aussteller, eröffnete den offiziellen Teil der Veranstaltung. Sie bot eine Plattform für Fachbetriebe, innovative Produkte und Dienstleistungen aus den Bereichen Bauwerkserhaltung und Denkmalschutz.
Denkmalpflege und Bauwerksabdichtung: Fokus auf technische Herausforderungen
Die erste Sektion des Programms widmete sich primär der Denkmalpflege und setzte mit der Vorstellung des neuen Buddenbrookhauses durch Dipl.-Ing. Arnd Babendererde einen kulturellen Akzent. Hier wurde die Sanierung des weltberühmten Gebäudes als Musterbeispiel für sensibles Bauen im Bestand vorgestellt. Dr. rer. nat. Frank Schlütter zeigte anhand eines Bremer Projekts, wie ehemalige Kellerräume in effiziente Mensaeinheiten umgewandelt werden können, ohne die historische Struktur zu gefährden. Prof. Dr. Messals Vortrag „Wie viel Denkmalschutz braucht Bauen im Bestand?“ verband Innovation mit der Verantwortung zum Erhalt geschützter Bauwerke und forderte ein ausgewogenes Verhältnis von gestalterischer Freiheit und Bewahrung.
Die zweite Sektion konzentrierte sich auf Bauwerksabdichtungen und beleuchtete technologische und normative Aspekte im praktischen Umgang mit wasserführenden Bauteilen. Besonders eindrucksvoll war der Beitrag von Dr.-Ing. Ralf Ruhnau über Tonabdichtungen im Denkmalschutz, der die Vorzüge und Risiken dieser Methode darstellte. Nachfolgend hob Dipl.-Ing. Mario Sommer die Herausforderungen bei der Abdichtung von stark beanspruchten Fußböden in Großküchen hervor und erläuterte innovative Lösungen für den Langzeiterhalt. Den Abschluss bildete Dipl.-Ing. Jan Bredemeyer mit einer praxisnahen Analyse zu aktuellen Veränderungen in der DIN 18533:2025, die den erdberührten Bereich maßgeblich neu definiert und technische Anforderungen fokussiert.
Zirkuläres Bauen und Bauwerksdiagnostik: Nachhaltigkeit und Präzision
Der zweite Tag begann mit der Sektion „Bauen mit Holz“, in der Dipl.-Ing. Architekt Manfred Heinlein die kritischen „Todsünden im Holzbau“ aufzeigte und verdeutlichte, wie innovative Ansätze die Effizienz und Nachhaltigkeit dieses traditionellen Baumaterials erhöhen können. Im Austausch mit Kai Schubert und Stephan Biebl wurden weiterführende Fragestellungen zu Feuchteschutz und Prävention gegen holzzerstörende Insekten in den Fokus gestellt. Die Bedeutung eines umfassenden Schutzkonzepts für den Bestand wurde dabei besonders hervorgehoben.
In der Sektion „Zirkuläres Bauen“ wurden die Potenziale der Wiederverwendung bestehender Materialien für die Bauwirtschaft unter die Lupe genommen. Dipl.-Ing. Dr. Peter Kremnitzer und Baurat h.c. Dipl.-Ing., Dr. techn. Michael Balak aus Wien präsentierten richtungsweisende Erkenntnisse zum EU-konformen Ansatz zirkulärer Bauweisen und diskutierten die Potenziale der Nutzung von recycelten Baustoffen. Prof. Dr.-Ing. Sylvia Stürmer aus Konstanz sensibilisierte für die wachsenden Anforderungen der Bauprodukteverordnung und zeigte auf, wie recycelte und wiederaufbereitete Baustoffe in künftigen Bauprojekten Anwendung finden können.
Die nachfolgende Sektion „Bauwerksdiagnostik“ beleuchtete neue Ansätze zur Präzisierung der Bestandsanalyse. Prof. Dr. rer. nat. Andreas O. Rapp präsentierte praktische Anwendungen der optischen Bau-Forensik, insbesondere im Hinblick auf die Erkennung von Alterungs- und Belastungserscheinungen. Prof. Dr. Barbara Beckett und Prof. Dr. Messal setzten hier an mit einem Vortrag zur „Slow Conservation“, der die langfristige Bedeutung einer detaillierten Bauzustandserfassung für den Erhalt des gebauten Erbes herausstellte.
Abschluss mit Baupraxis und Fachexkursion
Am letzten Tag der Veranstaltung stand die praktische Umsetzung der Fachthemen im Vordergrund. Die Vorträge zur „Baupraxis im Bestand“ griffen alle wichtigen Aspekte der komplexen Sanierung historischer und zeitgenössischer Bauten auf: Von der Sanierung des Berufsschulzentrums „Prof. Dr. Zeigner“ in Dresden über innovative Energieversorgungsmodelle für die Speicherstadt in Hamburg bis zur sicheren Innendämmung historischer Gebäude mit Materialien auf Basis jahrzehntelanger Praxiserfahrungen. Ein Highlight war der Vortrag von Dipl.-Ing. Markus Zechner zur Sanierung des österreichischen Parlaments, das als Großbaustelle Schutz und Erhalt eines nationalen Denkmals mit den Anforderungen moderner Technik vereinte.
Die abschließende Fachexkursion zum Sanierungsprojekt des Buddenbrookhauses in Lübeck zeigte den Teilnehmern konkrete Ergebnisse der Verschmelzung von Denkmalpflege und zeitgemäßer Baupraxis. Ein beeindruckender Abschluss, der die zentralen Botschaften der Veranstaltung noch einmal zum Leben erweckte.
Die 35. Hanseatischen Sanierungstage haben gezeigt, wie stark das Thema „Bauen im Bestand“ an Fachrelevanz und gesellschaftlicher Bedeutung gewonnen hat. Über die verschiedenen Sektionen hinweg wurde deutlich: Nachhaltigkeit, innovative Technologien und die Pflege des kulturellen Erbes rücken immer stärker in den Mittelpunkt. Die Veranstaltung war ein eindrucksvoller Beweis für die Innovationskraft und den fachlichen Anspruch der Branche. Mit Podiumsdiskussionen, Fachvorträgen und einer Fachmesse setzte die Veranstaltung zudem vielschichtige Impulse und bot Raum für den Austausch zukunftsweisender Ideen.
Mit einem Blick auf die bereits geplanten 36. Hanseatischen Sanierungstage im nächsten Jahr verabschiedete Prof. Dr. Messal die Teilnehmer und bedankte sich für den erfolgreichen Austausch und die Zusammenarbeit, die die Veranstaltung erneut zu einem zentralen Termin in der Agenda der Bauwerkserhaltung gemacht haben. Weitere Informationen >>>
