Unter 3G-Bedingungen und mit ausreichend Abstand zwischen den Plätzen konnte die 3. Münchner Schimmelpilzkonferenz auch als Präsenzveranstaltung angeboten werden. Quelle: B+B Bauen im Bestand/M. Henke
Unter 3G-Bedingungen und mit ausreichend Abstand zwischen den Plätzen konnte die 3. Münchner Schimmelpilzkonferenz auch als Präsenzveranstaltung angeboten werden. Quelle: B+B Bauen im Bestand/M. Henke

Schimmelpilze

23. September 2021 | Teilen auf:

3. Münchner Schimmelpilzkonferenz: Endlich wieder zusammenkommen

Fast 90 Teilnehmer hatten sich zur 3. Münchner Schimmelpilzkonferenz am 22. September angemeldet, etwa jeweils zur Hälfte für die Teilnahme vor Ort und für den Livestream. Wir haben die Gelegenheit genutzt und uns nach der Corona-bedingten Pause für Präsenzveranstaltungen unter den Teilnehmern vor Ort umgehört, welche Themen sie in der Schimmelpilzsanierung zurzeit umtreiben.

B+B Bauen im Bestand/M. Henke Quelle: Auch 13 Aussteller nutzten die Möglichkeit, wieder mit Teilnehmern in persönlichen Kontakt treten zu können.

Trotz UBA-Schimmelleitfaden müsse man einfach eine gewisse Unsicherheit bei der Beurteilung der individuellen Schäden vor Ort akzeptieren und mit dieser umgehen, sagt zum Beispiel der Bausachverständige Claus-Dieter Langosch. Denn ein statisches Vorgehen sei nicht praxistauglich. Es komme darauf an, nicht aus jedem kleinen Schaden eine große Sache zu machen.

Der soziale Aspekt bei einer Schimmelpilzsanierung ist Sonja Stephani, Sachverständige für Schimmelschäden, wichtig. Dazu gehöre auch zu entscheiden, wie umfänglich eine Schimmelsanierung sein müsse: Was ist notwendig? Was ist nicht notwendig? In diesem Zusammenhang sei auch wichtig, die Quelle des Schadens zu finden, damit die Verantwortlichkeiten geklärt sind. Schließlich könne nur so festgestellt werden, ob der Vermieter tätig werden und die Ursachen für den Befall beheben muss. Oft sei es aber so, dass es unterschiedliche Beurteilungen gebe und einem Mieter, der einen langen Rechtsstreit scheue, nichts anderes übrig bleibe als auszuziehen.

Mehr Forschung gewünscht

B+B Bauen im Bestand/M. Henke Quelle: Dieter Rudat, Sachverständiger für Schäden an Gebäuden, wünscht sich mehr wissenschaftliche Forschung, unter anderem zum Zusammenhang zwischen bestimmten gesundheitlichen Beschwerden und Schimmelpilzarten.

Dieter Rudat, Sachverständiger für Schäden an Gebäuden, wünscht sich mehr wissenschaftliche Forschung, um den Zusammenhang zwischen bestimmten gesundheitlichen Beschwerden und Schimmelpilzarten aufzuklären. So bleibe nach einem Wasserschaden, bei dem der Estrich nass geworden ist und sich nach kurzer Zeit Schimmel bildet, oft nur die Möglichkeit, den Fußboden zusammen mit den Dämmstoffen auszubauen, wenn man auf der sicheren Seite bleiben wolle. Versicherer würden diesem Vorgehen aber oft widersprechen und stattdessen eine Flutung mit H2O2 oder anderen Mitteln nahe legen. Ob eine solche Maßnahme mit Sicherheit erfolgreich sei, dafür gebe es aber keine wissenschaftliche Grundlage. Was passiere, wenn wieder Feuchtigkeit auftritt, fragt Rudat.

B+B Bauen im Bestand/M. Henke Quelle: Auch Manfred Tischer sieht viele Fragen noch nicht ausreichend geklärt, etwa über den Einsatz von Bioziden und über das luftdichte Abschotten schimmelbelasteter Bauteile zu Innenräumen.

Auch Manfred Tischer, Sachverständiger für Feuchte und mikrobielle Schäden, vermisst mehr sicheres Wissen über Biozidbehandlungen. Was für Folgen hat es, wenn man mit Bioziden versucht, Schimmelpilzwachstum zu hemmen, wenn kritische Bedingungen vorliegen und nicht sofort mit der Sanierung begonnen werden kann? Ein zweites Thema, das ihn beschäftigt, sind Abschottungen von Bauteilen als Sanierungsmaßnahme gegen Schimmelbefall. Kann zum Beispiel ein Ständerwerk so abgeschottet werden, dass es dauerhaft zu keinen Geruchsauffälligkeiten komme, gibt er zu bedenken. Seiner Meinung nach gebe es bei Abschottungen einige Risiken: Zum einen könne es durch Undichtigkeiten an Anschlüssen und Durchdringungen doch zu Geruchsübertragungen und Verdriften von Schimmelbestandteilen kommen. Zum anderen gebe es das Risiko der Wertminderung der Immobile. Denn bei einem Verkauf müsse der Verkäufer diesen Schaden offen legen.

Auch Ralf Lindner vom Ingenieurbüro Lindner bemängelt, dass bei Abschottungen unklar sei, wie dicht sie sein müssen. Wie viele Schimmelpartikel könne man in der Raumluft zulassen? Kann eine Desinfektion einen positiven Einfluss haben, um das allergene Potenzial wegzunehmen? Der Sachverständige und Planer müsse trotz dieser Unsicherheiten Lösungen finden.

Ein weiteres Thema, das sowohl in den Vorträgen vorkam als auch in unserer kleinen Umfrage, waren die Nutzungsklassen und hier insbesondere die Frage, ob Bauteile, die zu Räumen der Nutzungsklasse II gehören, aber von diesen luftdicht abgeschottet sind, der Nutzungsklasse IV zugerechnet werden können. Hier gehen die Meinungen auseinander. Deutlich wurde aber, dass es in diesem Punkt einer Weiterentwicklung und Präzisierung des UBA-Schimmelleitfadens bedarf. Zum Thema, ob der Randdämmstreifen eines Estrichs eine wirksame Abschottung darstellt, hat Dieter Rudat jedenfalls eine klare Meinung: Ein Randdämmstreifen ist nicht dicht. Seine Funktion liegt im Schallschutz zu angrenzenden Bauteilen.

Es war einfach schön, sich wieder einmal persönlich über diese Themen austauschen zu können. Eine gute Zusammenfassung der Vorträge bietet Ihnen der Artikel meines Kollegen Bodo Höche von der programmgleichen 10. Berliner Schimmelpilzkonferenz.

Michael Henke