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Mit 330 Teilnehmern waren die Hanseatischen Sanierungstage 2015 wieder ausgebucht. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Bauwerkserhaltung 2015-11-09T00:00:00Z 26. Hanseatische Sanierungstage: Vom Wunsch zur Realität

330 Teilnehmer, 54 Aussteller: Die 26. Hanseatischen Sanierungstage vom 5. bis 7.11.2015 in Heringsdorf auf Usedom waren bereits im Vorfeld wieder ausgebucht. Der ausrichtende Bundesverband Feuchte & Altbausanierung e.V. (BuFAS) hatte seine diesjährige Tagung unter das Motto „Schadenfreies Bauen – Wunsch oder Realität“ gestellt.

Unter diesem Blickwinkel konnte man fast alle Vorträge, die ein breit gefächertes Themenspektrum umfassten, auch als Suche interpretieren, welche Hemmnisse dem Wunsch nach schadensfreiem Bauen in der Bau- und Sanierungspraxis entgegen stehen. So setzte sich Dipl.-Ing. Manfred Heinlein kritisch mit dem heutigen Normenwesen und dem Umgang von Planern mit Normen auseinander. Er monierte eine Überreglementierung durch Normen und plädierte dafür, diese auf ein notwendiges Maß zu beschränken. Außerdem kritisierte er die Sprache in den Normenwerken. Diese sollte so sein, dass sie sowohl für den Anfänger als auch den Profi verständlich sei.

Viele Planer seien laut Heinlein außerdem zu sehr auf die Normen fokussiert und würden sich deshalb nicht mehr mit den „bautechnischen Notwendigkeiten“ auseinandersetzen.

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Setzte sich kritisch mit der Erstellung und Anwendung von Baunormen auseinander: Manfred Heinlein. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Er forderte, materialgerecht zu planen, das heißt, die Frage zu stellen, ob das, was geplant ist, überhaupt mit dem gewählten Material ausführbar sei. Details seien so zu planen, dass sie handwerklich umsetzbar seien, fehlertoleranten Systemen sei der Vorzug zu geben, örtliche Gegebenheiten und baustoffliche Eigenschaften zu berücksichtigen.

Vorher miteinander reden vermeidet Konflikte

Dipl.-Ing. Helge-Lorenz Ubbelohde ging anschließend auf einen anderen Aspekt ein, der zu Missverständnissen und damit letztlich enttäuschten Erwartungen führt: die Verständigung zwischen Bauherren auf der einen, Planern und Ausführenden auf der anderen Seite. Oft seien die aus Normen und Regelwerken übernommen Begriffe für Baubeschreibungen für den Fachmann klar, für den Bauherrn aber missverständlich und spekulativ. Man müsse mit dem Bauherrn so kommunizieren, dass er zum Beispiel versteht, was die vereinbarten Qualitäten bedeuten.

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Wie wichtig es ist, sich dem Bauherrn verständlich zu machen, erläuterte Helge-Lorenz Ubbelohde. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Gerade beim Bauen im Bestand gebe es Beschränkungen, die eventuell in Widerspruch zu den Erwartungen des Bauherrn stünden, erläuterte Ubbelohde. Deshalb sei es unabdingbar, den Bestand gründlich zu erfassen, um darauf aufbauend eine gemeinsame Zielanalyse mit dem Bauherrn zu erarbeiten. Dabei müsse sowohl der Planer die Erwartungen des Bauherrn verstehen, als auch der Bauherr die Umsetzungsmöglichkeiten und deren Kostenrahmen, die mit ihnen verbundenen Risiken und die vorliegenden baulichen Beschränkungen.

Genügend zeitlichen Vorlauf für sorgfältige Planung berücksichtigen

Als dritter Vortragender in der einführenden Sektion forderte Dr.-Ing. Ralf Ruhnau einen genügenden zeitlichen Vorlauf für eine sorgfältige Planung. In diesem Prozess seien insbesondere die zukünftige Nutzung und die Dauer der Nutzung zu definieren sowie eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Diese umfasse die Beurteilung der Bausubstanz, die Klärung des Budgetrahmens und der zur Verfügung stehenden Planungs- und Bauzeiträume. Zu beurteilen seien auch die Risiken und deren Auswirkungen auf die Realisierbarkeit. Risiken können zum Beispiel in der Bausubstanz liegen (was kann passieren?), in Planungsänderungen (durch Bedarfsanpassungen), in der Marktsituation (was ist an Personal und Material verfügbar?) und in der Finanzierung.

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Wies darauf hin, dass ein genügender zeitlicher Vorlauf für eine sorgfältige Planung unabdingbar ist: Dr. Ralf Ruhnau. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Alle diese Aspekte seien die Grundlage für die Entscheidungen eines wünschenswerterweise „versierten und fairen“ Bauherrn, die in einer grundsätzlichen Beschaffenheitsvereinbarung münden, erläuterte Ruhnau. Sie werde entsprechend des Erkenntnisgewinns während des Baufortschritts angepasst. Denn die bauliche Umsetzung sei ein iterativer Prozess, der innerhalb terminlicher und finanzieller Zielkorridore stattfinde. Er veranschaulichte dies am Beispiel der Staatsoper Unter den Linden in Berlin, die zurzeit umfassend instand gesetzt und modernisiert wird.

Viele Themen wurden behandelt

In den weiteren Sektionen schwangen die in der Einführung vorgestellten Themen immer mit und wurden auf einzelne baupraktische Fragen heruntergebrochen. So wurde zum Beispiel der Schlagregenschutz von Fassaden, vollsparrengedämmte Flachdächer, der Feuchteschutz beim Holzbau, die nachträgliche Bauwerksabdichtung, die Schwammbekämpfung und Schimmelpilzsanierung behandelt. Mehr hierzu erfahren Sie in der kommenden Ausgabe von B+B BAUEN IM BESTAND.

Michael Henke

zuletzt editiert am 09. April 2021
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