Fachtagung Abbruch 2017
Für die steigende Anzahl der internationalen Besucher gab es Simultanübersetzungen ins Englische, Französische und Italienische. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/G. Reichle)

Bauwerkserhaltung 2017-03-17T00:00:00Z 23. Fachtagung Abbruch zeigt Vielfalt der Branche

Mit einer abermals gestiegenen Teilnehmer- (900) und Ausstellerzahl (115) fand Mitte März in Berlin Europas größte Fachveranstaltung zum Thema Abbruch statt. Neben aktuellen politischen und rechtlichen Entwicklungen und Rahmenbedingungen kamen auch Baustellenberichte mit Empfehlungen für die Praxis nicht zu kurz.

So stellte Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, in seinem Eröffnungsstatement klar, dass im Rahmen der Brückenmodernisierung viele Brücken aus technischen oder wirtschaftlichen Erwägungen heraus durch einen Ersatzneubau ersetzt werden müssen. Dafür seien innovative Abbruchmethoden und Konzepte gefragt, die sicher und schnell zu realisieren sind und den Verkehr möglichst wenig beeinträchtigen.

RA Stefan Koop-Assenmacher berichtete über die Grundzüge der Novelle der Gewerbeabfallverordnung, die im August/September dieses Jahr in Kraft treten soll und deren zentrale Ziele: Erhöhung der Recyclingquoten, Ausbau der Getrenntsammlung, Anpassung der alten Gewerbeabfallverordnung an die fünfstufige Abfallhierarchie des Kreislaufwirtschaftsgesetz (Abfallvermeidung, Wiederverwendung, Recycling und sonstiger, u.a. energetischer Verwertung von Abfällen und schließlich Abfallbeseitigung). Zwei Referate zu Recycling und Verwertung von Dach- und Mauerziegeln sowie WDVS-Fassaden (geschätzter Bestand ca. 1 Mrd. m 2 in Deutschland) knüpften im Laufe des Tages thematisch hieran an. Dabei ist, lt. Ralf Pasker vom Fachverband Wärmedämm-Verbundsysteme, die thermische Verwertung für EPS-haltige WDVS heute eine technisch unproblematische Entsorgungsmöglichkeit. In einem europäischen Projekt soll mit Beteiligung des Fachverband WDVS ab Herbst 2018 eine Pilotanlage betrieben werden, um Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) und Innendämm-Systeme (IDS) mit Flammschutzadditiven so zu recyceln, dass das heute verbotene HBCDD (Hexabromocyclodocane) ausgeschleust und das Polystyrol zurückgewonnen werden kann.

Schadstoffe bildeten einen weiteren Schwerpunkt: Walter Hiltpold, Carbotech AG, berichtete über die Erfahrungen mit Asbest im Gebäudebestand in der Schweiz und verwies auf nützliche, branchenspezifische Publikationen der Schweizerischen Unfallversicherung . Martin Kessel, Arcadis Deutschland GmbH, forderte in seinem Vortrag „Komplexe Abfälle bei Schadstoffsanierung und Abbruch“, dass in Deutschland eine in einem Gesetz oder einer Verordnung aus dem Bereich Bau- oder Abfallrecht verankerte Erkundungspflicht für Schadstoffe geschaffen werden müsse. Auch wenn die diesbezüglich bestehende DIN EN ISO 16000-32:2014-10: „Innenraumluftverunreinigungen – Teil 32: Untersuchung von Gebäuden auf Schadstoffe“ bereits als zu beachtende, allgemein anerkannte Regel der Technik betrachtet werden könne.

Versicherungsmakler Joachim Lenoir empfahl den Teilnehmern mit Blick auf ihre eigene Haftungs- und Versicherungsrisiken bei Sanierung und Rückbau von Problembaustoffen auf die konkrete Formulierung der Stoffe- und handlungsbezogenen Haftpflichtversicherungsausschlüsse zu achten, da diese höchst unterschiedlich gestaltet sein können. Aber auch bei der Beauftragung von Fachplanern und Subunternehmern sollte daher nicht nur das Bestehen, sondern auch die Qualität des Versicherungsschutzes in die Vertragsvereinbarungen miteinbezogen werden.

Mit einem dicht getakteten Programm aus 17 Vorträgen machte die Tagung nicht nur die Vielfalt sondern auch die Spannbreite der Herausforderungen der Abbruchbranche deutlich. Die Fachtagung Abbruch wird im jählichen Turnus vom Deutschen Abbruchverband e.V veranstaltet und findet in der 24. Ausgabe am 2.und 3. März 2018 in Berlin statt.

Autor: Gregor Reichle, 14.03.17

zuletzt editiert am 09. April 2021
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