Betongefäß. Das Gefäß hat ein spiralförmiges Muster und eine weiße Oberfläche.
Mithilfe neuartiger Betonzusatzstoffe lassen sich digitale Bauprozesse so optimieren, dass das Verhalten von frischem Beton aktiv gesteuert werden kann. (Quelle: Thomas Müller / Bauhaus-Universität Weimar)

Betoninstandsetzung 2024-10-23T07:00:00Z 1,9 Millionen für intelligenten Beton

An der Bauhaus-Universität Weimar soll im Rahmen des Forschungsprojektes „StimuCrete“ mithilfe von innovativen Zusatzstoffen ein intelligenter Beton entwickelt werden, der sowohl im frischen als auch im festen Zustand flexibel angepasst werden kann. Rund 1,9 Millionen Euro investiert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis 2028 in das Vorhaben.

Langlebig, widerstandsfähig, formbar – Beton ist ein Hochleistungsbaustoff auf Basis von Zement, Kies und Wasser. Durch das Hinzufügen von Zusatzmitteln wie Verzögerern, Beschleunigern oder Verflüssigern können die Materialeigenschaften des Frischbetons oder des erhärteten Betons gezielt beeinflusst werden. Das Problem: Einmal durch den Mischprozess und die Rezeptur festgelegt, kann der Beton nach der Herstellung nicht mehr angepasst werden. Oftmals kommt es jedoch durch wechselnde Umweltbedingungen und Rohstoffschwankungen zu Veränderungen, die das Fließverhalten von Beton oder seine Widerstandsfähigkeit ungewollt beeinflussen können. Das Forschungsteam der NanoMatFutur-Nachwuchsgruppe an der Fakultät Bau und Umwelt möchte Beton daher intelligenter machen. Die Idee: Durch die Beifügung neuartiger Zusatzstoffe (Additive), die durch äußere oder innere Anregung (Stimulus) aktiviert werden können, sollen ausgewählte Eigenschaften des Betons auch nach dessen Produktion aktiv beeinflusst werden können. 

Materialeigenschaften nach Bedarf aktivieren 

Im Projekt „StimuCrete – Funktionalisierung von Betonstrukturen durch stimuliresponsive Materialien“ werden über einen Zeitraum von fünf Jahren zwei Ansätze verfolgt: Zunächst soll das Verhalten von frischem Beton aktiv gesteuert werden können. Dadurch könne das Material beispielsweise auf Knopfdruck erstarren. „Dies ist insbesondere für automatisierte Fertigungsverfahren, darunter den sogenannten 3D-Beton-Druck, von Bedeutung“, erläutert Luise Göbel, Leiterin des Projekts und Juniorprofessorin für Werkstoffmechanik. Gelingen soll dieses intelligente Materialverhalten durch die Entwicklung von Additiven, die sich infolge einer elektromagnetischen Anregung verändern und dadurch Einfluss auf die Frischbetoneigenschaften nehmen. 

Zudem sucht das interdisziplinäre Team, das aus Materialwissenschaftler:innen, Chemiker:innen und einem Elektrotechniker besteht, neue Wege, um die Langlebigkeit von Betonbauwerken zu verbessern. Hierfür werden neuartige Kapseln entwickelt, die in das Material eingebracht werden und sich im Schadensfall öffnen. Dadurch könnten Mikrorisse im Beton selbstständig heilen und die Bewehrung wird vor schädigenden Substanzen geschützt. „Durch selbstheilenden Beton wird die Baustruktur langlebiger und der manuelle Reparaturaufwand reduziert. Langfristig werden dadurch Ressourcen eingespart und die Umwelt geschont“, so Göbel. 

Nachwuchsförderung durch das BMBF 

Der BMBF-Nachwuchswettbewerb „NanoMatFutur“ ermöglicht Nachwuchswissenschaftler:innen den Aufbau einer eigenen, unabhängigen Gruppe an einer Forschungseinrichtung in Deutschland. Die ebenso innovativen wie fachübergreifenden Forschungsarbeiten bewegen sich im Bereich der anwendungsorientierten Grundlagenforschung mit einem erkennbaren Industriebezug. Sie setzen neue Impulse für innovative Anwendungen in vielfältigen Themenfeldern der Materialwissenschaften, die von Energietechnik über Mobilität und Transport bis zu Gesundheit und Lebensqualität reichen, sowie der Batterietechnologien. Luise Göbel von der Bauhaus-Universität Weimar erhielt als bislang Einzige die hochdotierte Förderung im Themenfeld „Zukünftige Bausysteme“. Weitere Informationen >>>

zuletzt editiert am 24. Oktober 2024
Newsletter