Zwei Personen stehen auf einem erhöhten Steg und betrachten eine Wand in einer düsteren Halle.
Auf der Kokerei des UNESCO-Welterbes Zollverein führt die Station „Beheizen“ auf einem 30 Meter langen Steg in sieben Meter Höhe quer durch die Koksofenbatterie. Sie veranschaulicht den Prozess der Beheizung der einzelnen Öfen mithilfe einer Lichtinszenierung sowie grafischen Elementen. (Quelle: Stiftung Zollverein/Jochen Tack)

Bauwerkserhaltung 2026-10-15T09:43:11.490Z Zollverein vollendet einzigartigen Denkmalpfad

Mit der Eröffnung der beiden finalen Stationen „Umweltschutz“ und „Beheizen“ im September 2026 hat die Stiftung Zollverein den Ausbau des Denkmalpfads Kokerei abgeschlossen. Moderne Ausstellungstechnik, Lichtinszenierungen, historische Aufnahmen und Originalschauplätze machen Industriegeschichte heute dort erlebbar, wo einst täglich tausende Tonnen Kohle zu Koks verarbeitet wurden.

Die beiden neuen Stationen erschließen bislang verborgene Bereiche der Kokerei. Besonders spektakulär ist die neue Station „Beheizen“ im Inneren der Koksöfen von Batterie 9. Nach dem Rückbau des Sonnenrads wurden die aufgeschnittenen Öfen in sieben Meter Höhe durch einen rund 30 Meter langen Laufsteg begehbar gemacht. Ermöglicht wird der Ausbau durch die RAG-Stiftung (das Kürzel RAG steht ursprünglich für die Ruhrkohle AG), als Hauptförderin, den Landschaftsverband Rheinland (LVR), die NRW-Stiftung, die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Zollverein e. V. sowie die opta data Zukunfts-Stiftung. 

Einzige vollständig erhaltene Kokerei 

Zollverein ist die einzige vollständig im Original erhaltene Kokerei, die museal erschlossen und dauerhaft für Besucherinnen und Besucher zugänglich gemacht wurde. Bereiche, die über Jahrzehnte nicht öffentlich waren, sind dabei zu neuen Erlebnisorten geworden. Wo einst in 304 Öfen bei Temperaturen von rund 1.250 Grad täglich etwa 10.000 Tonnen Kohle zu rund 8.600 Tonnen Koks veredelt wurden, können Besucherinnen und Besucher heute die Produktionsabläufe und Arbeitsorte mehrerer Generationen von Kokerei-Beschäftigten nachvollziehen. Über sechs Jahre hinweg wurden zehn Vermittlungsstationen geschaffen: Bereiche, die bislang verborgen oder früher ausschließlich den Mitarbeitern der einst größten Zentralkokerei Europas vorbehalten waren. 

„Mit der Fertigstellung der zehn Vermittlungsstationen erreichen wir einen besonderen Meilenstein für Zollverein“, sagt Christoph Tesche, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zollverein. „Die Kokerei ist ein außergewöhnliches Zeugnis der Industriegeschichte – und nun können Besucherinnen und Besucher diese Geschichte an immer mehr authentischen Orten unmittelbar erleben. Mein besonderer Dank gilt allen Förderern und Partnern, die diesen Weg gemeinsam mit uns möglich gemacht haben.” 

Für Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Mitglied des Vorstands der RAG-Stiftung, zeigt die Kokerei Zollverein auf eindrucksvolle Weise, wie industrielle Entwicklung, technisches Know-how und gesellschaftlicher Wandel miteinander verbunden sind. „Mit der Fertigstellung der zehn Vermittlungsstationen wird dieses bedeutende Erbe nicht nur bewahrt, sondern auf innovative Weise für kommende Generationen lebendig gehalten.“ Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) begleitet die Stiftung Zollverein seit ihrer Gründung 1998 als Zustifter und Partner – auf institutioneller wie auf projektbezogener Ebene. Die Kokerei Zollverein sei, so Dr. Walter Hauser, Direktor des LVR-Industriemuseums und Präsident der Europäischen Route der Industriekultur, ein Juwel im reichen industriekulturellen Erbe der Region. „Dieses Erbe zu bewahren, mit innovativen Zugängen zu erschließen und seine komplexe Geschichte zu vermitteln, ist im Denkmalpfad beispielhaft gelungen.“ 

In 7 Metern Höhe quer durch die aufgeschnittenen Öfen 

Wie die Öfen auf der Kokerei durch Flammen und die Abhitze der Rauchgase beheizt wurden, das veranschaulicht eine Lichtinszenierung in der neuen Station „Beheizen“. Grafische Elemente unterstützen die Darstellung des Beheizungswegs. Besonders spektakulär: Interessierte bewegen sich in etwa sieben Metern Höhe im Inneren der Koksöfen von Batterie 9. Nach dem Rückbau des Sonnenrads führt jetzt ein 30 Meter langer Laufsteg quer durch die aufgeschnittenen Öfen. 

Die Kokerei mit allen Sinnen erleben: Die Geruchsinszenierung in der Station „Umweltschutz“ vermittelt auf schadstoffreier Basis einen charakteristischen Geruch aus den Betriebszeiten.
Die Kokerei mit allen Sinnen erleben: Die Geruchsinszenierung in der Station „Umweltschutz“ vermittelt auf schadstoffreier Basis einen charakteristischen Geruch aus den Betriebszeiten. (Quelle: Stiftung Zollverein/Jochen Tack)

Die zweite neue Station „Umweltschutz“ richtet den Blick auf ein anderes Kapitel der Kokerei-Geschichte. Die Anlage nahm 1961 ihren Betrieb auf – in einer Zeit, in der zugleich das öffentliche Bewusstsein für die enorme Luftverschmutzung im Ruhrgebiet wuchs. Historische Filmaufnahmen, Zitate und Informationen zu typischen Emissionen veranschaulichen den Konflikt zwischen industrieller Produktion, Nachbarschaft und zunehmenden Anforderungen an den Umweltschutz. Eine Riechstation vermittelt auf schadstofffreier Basis sogar einen charakteristischen Geruch der Kokerei. Die Station zeigt zugleich, wie technische Entwicklungen den Emissionsausstoß im Laufe der Jahrzehnte deutlich verringerten und welche Lösungen auf der Kokerei Zollverein zum Einsatz kamen.  

Zehn Stationen, ein Produktionsprozess 

Mit „Umweltschutz“ und „Beheizen“ schließt sich der Kreis eines Projekts, das 2020 mit der Eröffnung der Station „Löschen“ begann. Es folgten unter anderem „Arbeit und Leben“, „Drücken“, „Verkokung“ und „Nebenprodukte“. Im Jahr 2025 wurden die Stationen „Abkühlen“, „Übergabe“ sowie „Fuchs und Schornstein“ eröffnet. Nun erschließen insgesamt zehn Vermittlungsstationen die komplexen Abläufe der Kokerei – vom Weg der Kohle über Verkokung, Beheizung und Kühlung bis zu Nebenprodukten, Arbeitswelt und Umweltschutz. Gemeinsam mit dem Gestaltungsbüro „jangled nerves“ entstand dafür ein Vermittlungskonzept, das technische Zusammenhänge nicht nur erklärt, sondern mit Licht, Projektionen, Film, Ton und räumlichen Inszenierungen sinnlich erfahrbar macht. Die architektonische Umsetzung stammt vom Büro „New Architekten“ aus Köln. Weitere Informationen >>>

zuletzt editiert am 15. Oktober 2026
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