Das CCH Hamburg wurde 1973 als erstes Kongresszentrum Deutschlands eröffnet und 2007 erweitert und ausgebaut.
Das CCH Hamburg wurde 1973 als erstes Kongresszentrum Deutschlands eröffnet und 2007 erweitert und ausgebaut. (Quelle: Hamburg Messe und Congress/Michael Zapf)

Bauwerkserhaltung

19. May 2022 | Teilen auf:

Neue Decken für die Kultur

Thema des Monats Mai: Optik, Akustik, Schallschutz, Brandschutz – die neuen Deckenkonstruktionen im Kongresszentrum CCH in Hamburg sollten verschiedensten Ansprüchen genügen. Mit Hilfe von Trockenbaukonstruktionen wurden die Planer ihnen gerecht.

Das CCH Hamburg wurde 1973 als erstes Kongresszentrum Deutschlands eröffnet und 2007 erweitert und ausgebaut. Ein gutes Jahrzehnt danach stand abermals eine Sanierung an sowie der Abbruch und die Erneuerung des Bauteiles Ost mit einem viergeschossigen Foyer. Dieses neue Bauteil bildet seither das „Herz“ des dreiteiligen Gebäudes, das sich aus dem Bauteil Mitte (Ursprungsbau), dem Bauteil West (Erweiterungsbau von 2007) und dem Bauteil Ost (Neubau) zusammensetzt.

Das sanierte und in Teilen neu errichtete CCH Kongresszentrum in Hamburg beeindruckt durch eine Vielzahl individueller und außergewöhnlicher Deckenkonstruktionen – Akustik, Schall- und Brandschutz sowie Ästhetik inklusive. (Quelle: Knauf/Dirk Masbaum)

Im Zuge der Neubau- und Sanierungsarbeiten wurde das Kongresszentrum nicht nur optisch zum Vorplatz hin geöffnet. Darüber hinaus verfolgte die CCH Immobilien GmbH & Co.KG als Bauherrin mit dem Projekt das Ziel, schadstoffbelastete Decken zu sanieren, bestehende Säle akustisch, brandschutztechnisch und optisch zu optimieren und neue Räumlichkeiten zeitgemäß zu gestalten. Daher mussten die Deckenkonstruktionen zahlreiche technische und optische Anforderungen erfüllen. Bei der Ausführung setzte die Auftraggeberin auf Trockenbautechnik, um innerhalb des knappen Zeitbudgets hohe Qualität zu erhalten und alle Erfordernisse abzudecken.

Vielfältige Deckenkonstruktionen für individuelle Nutzungen

Das CCH nutzt für seine verschiedenen Säle und Bauaufgaben eine Vielfalt von Deckenkonstruktionen: Falt- und Biegetechnik erfüllen optische Ziele, Lochplatten dienen der akustischen Optimierung. Auf dieser Basis wurden sowohl das Foyer als auch die einzelnen Säle jeweils individuell gestaltet: Der unter Denkmalschutz stehende Saal 1 im Bauteil Mitte erhielt eine geschuppte Decke, Saal 4 wurde mit einer Tetraederdecke ausgestattet. Im Saal Z – im Neubautrakt – kamen geschwungene Wand- und Deckenfelder zum Einsatz. Besprechungsräume wurden mit einer Kühldecke ausgestattet. Und ein als selbsttragendes Raumsystem erstelltes Luftplenum im Mittelbau stellt die Luftzufuhr des benachbarten Saals 1 sicher. Weitspannträger und Mittelabhängungen halten die Konstruktionen überall, wo eng nebeneinander verlaufende Haustechnikinstallationen ein dichteres Abhängeraster nicht erlauben. Vorgefertigte Profile, Module und Kanten dienen dort als Lösung, wo vor Ort wenig Bewegungsfläche vorhanden beziehungsweise außergewöhnliche Güte gefragt war.

Die Sichtdecke von Saal 4 ist als Tetraeder ausgeführt

Die Dreiecksfelder der Decke in Saal 4 sind als gelochte Akustikdecke mit Rundlochung ausgeführt. Die Tetraeder sind zweilagig mit Platten beplankt und bilden einen attraktiven Blickfang im kleinsten Saal des CCH. (Quelle: Knauf/Dirk Masbaum)

Im sogenannten Saal 4 kombiniert eine Sichtdecke aus Dreiecksspezialdeckensegeln mit einem vor der Bühne angeordneten Deckenfeld aus Tetraedern Schallschutzlösungen mit optischen Highlights. Die Idee dahinter: Durch diese Konstruktion wird das mittlere Feld des kleinsten Saals im CCH hervorgehoben und der Kern des Raums betont.

Für die Tetraeder verschraubten die Fachunternehmer vor Ort die vorgefertigt angelieferten Stahlprofile zu Tetraedern und befestigten diese im Anschluss an der Rohdecke. Eine zweilagige Beplankung aus 12,5 Millimeter Diamant Hartgipsplatten vervollständig die Konstruktion. Da auch die angrenzenden Deckenfelder als Dreiecke konzipiert sind, bestand die Herausforderung für die Trockenbauer darin, die Kreuzungspunkte dieser Elemente analog zu den Tetraedern sauber zusammenzuführen. Die dafür vorgesehenen Lochplatten wurden auf der Baustelle zugeschnitten. Im Anschluss wurden die seitlichen Lochreihen zugespachtelt beziehungsweise mit Tape abgedeckt, um gleichmäßige Ränder zu generieren. Für gleichmäßige Fugen sorgen Alublechstreifen zwischen den Dreiecksegeln, die nach der Montage zusammen mit den Platten gestrichen wurden.

Für die außergewöhnliche Konstruktion in Saal 4 wurden vorgefertigt angelieferte Stahlprofile zu Tetraedern verbunden und an der Rohdecke befestigt. (Quelle: Knauf/Dirk Masbaum)

Befestigt wurden die Sichtdecken mittels einer statisch bemessenen Weitspannträgerkonstruktion und mit Sondermittelabhängern in der Rohdecke – durch die Schallschutzdecke hindurch. Die mit UA-Profilen vorgefertigten beziehungsweise mit Spezialprofilen erstellten Weitspannträger überbrücken eine Spannweite von bis zu fünf Metern. Sie waren notwendig, da die Haustechnik fast den gesamten Hohlraum zwischen der Roh- und der Sichtdecke ausfüllt und nur wenige Abhängepunkte freilässt. Die Abhängung erfolgte kreuzweise, wobei Abhängehöhen von bis zu 4,5 Metern zustande kamen.

Schallschutzdecke entkoppelt den Raum

Eine oberhalb der Sichtdecke verlaufende, gesonderte Schallschutzdecke ergänzt deren akustische Leistung und entkoppelt den Saal 4 vom darüber liegenden Saal 1 beziehungsweise dessen Orchestergraben. Die zwölf Zentimeter von der Rohdecke abgehängte Konstruktion basiert auf Profilen in Kombination mit einer Beplankung aus zwei Lagen 12,5 Millimeter starker Schallschutzplatten und hochverdichteter Steinwolldämmung. Da jede Durchdringung dieser Schallschutzdecke auch eine Schwächung des Schallschutzes darstellt, wurden in diesen Fällen Sandwichschotts aufgeschraubt: Rechteckig oder rund ausgeschnittene Platten wurden zunächst zweigeteilt, die durchführenden Bauteile zusammen mit 10 Millimeter hochverdichteter Steinwolldämmung und einer Lage 12,5 Millimeter starker Schallschutzplatten darunter geschraubt.

Die Abseiten der Ausgänge des Saals 4 beziehungsweise den hier verlaufenden Deckensprung verkleidet eine Vorsatzschale aus akustisch wirksamen Lochplatten. Die Schallschutzkonstruktion besteht aus zwei Lagen 12,5 Millimeter starker Schallschutzplatten, die wie eine Aufkantung nach oben geführt und direkt auf Profilen befestigt wurden.

Herausforderung: Die Befestigung einer tonnenschweren Leuchte

Das neu gebaute Foyer bildet das eindrucksvolle Herz des Gebäudes. Im Zentrum der viergeschossigen Halle befindet sich ein an speziellen Deckentraversen befestigte 3,4 Tonnen schwere Pendelleuchte. (Quelle: Knauf/Dirk Masbaum)

Das im Neubau des Kongresszentrums situierte Foyer des CCH kombiniert eine viergeschossige Halle mit verschiedenen Galerien. Aufwendig gestaltete Brüstungen bilden in jedem Geschoss eine andere Form ab. Das Zentrum des Foyers markiert eine 3,4 Tonnen schwere Pendelleuchte, die über 164 Abhängepunkte an explizit dafür eingezogenen Deckentraversen befestigt wurde. Für die akustische Optimierung der Halle sorgen schlichte Abhangdecken, die in jedem Geschoss gleich aufgebaut sind: Lochplatten mit Rundlochung auf einer Metallunterkonstruktion in Kombination mit eingeschweißter Dämmung. An den Übergängen zwischen den Wand- und Deckenbekleidungen beziehungsweise Brüstungen und Decken wurden vorgefertigte Platten mit gefalteter Kante eingesetzt. An den Brüstungen kam eine statisch berechnete Unterkonstruktion aus Stahl-Leichtbauprofilen zum Einsatz. Glatte Balustraden erhielten eine Beplankung mit Hartgipsplatten.

Das schlicht gestaltete Zwischengeschoss des Bestandsbauteils Mitte setzt zur akustischen Optimierung auf eine Sichtdecke aus gelochten Gipsplatten mit umlaufender Friesausbildung. Sie verdeckt das sogenannte Luftplenum, das den Saal 1 mit Hilfe von Luftauslässen unter den Sitzen im Zuschauerbereich mit Frischluft versorgt. Die von der Rohdecke mit Zugankern abgehängte Sonder-Stahlkonstruktion funktioniert wie ein riesiger Lüftungskanal. Dieser ist selbsttragend sowie teils begehbar und musste als Lüftungsbaukörper die Brandschutzanforderung F 90 von oben und unten erfüllen sowie dampfdicht ausgeführt werden. Zudem unterliegt das Luftplenum der Reinheitsanforderung und wurde daher mit einem Hygieneanstrich versehen. In der Regel wird die Konstruktion mit Staubsaugerrobotern gereinigt. Zu Wartungszwecken wurde sie jedoch so gestaltet, dass sich ein Mensch darin aufhalten kann. Die statisch berechnete Stahlkonstruktion basiert auf einem Konstruktionsgitter aus 70/70 Millimeter Quadratrohren und Doppelprofilen als Feinkonstruktion sowie Hartgipsplatten als Anschluss. Die obere Beplankung bilden 25 Millimeter OSB-Platten und 20 Millimeter nicht brennbare Spezialgipsplatten, die untere Beplankung setzt sich aus zwei Lagen 20 Millimeter nicht brennbaren Spezialgipsplatten zusammen.

Die Decke im Großen Saal 1 wirkt wie eine Schuppenkonstruktion

Ineinander verschachtelte Deckenkoffer sorgen für die besondere Schuppenoptik der Decke im Großen Saal 1. Jedes Element wurde auf der Baustelle zugeschnitten und individuell zusammengebaut. (Quelle: Knauf/Dirk Masbaum)

Den unter Denkmalschutz stehenden „Großen Saal“ im Mitteltrakt des CCH hatte ursprünglich eine an einer Stahlkonstruktion aus Rundstählen angearbeitete Rabitzdecke geschmückt, die im Zuge der Sanierung nach historischem Vorbild rekonstruiert werden sollte. Als sich bei der Entkernung herausstellte, dass das gesamte Stahltragwerk schadstoffbelastet war, wurde diese mit einem Schutzanstrich versehen, um die Schadstoffe einzuschließen. Die neue Befestigungslösung durfte entsprechend nicht mit Schrauben an der Bestandskonstruktion fixiert werden. Stattdessen kamen Klemmmechanismen zum Einsatz. Die auf der Unterkonstruktion verlegte Dämmung musste zudem vollflächig verschweißt werden, weil die Be- und Entlüftung oberhalb der Decke stattfindet.

Große rechteckige Revisionsfelder innerhalb der Deckenkonstruktion im Großen Saal verbergen zusätzliche Bühnentechnik und lassen sich bei Bedarf als überdimensionale Revisionsöffnungen abklappen. (Quelle: Knauf/Dirk Masbaum)

Von unten besehen wirkt die Decke wie eine Schuppenkonstruktion aus ineinander verschachtelten „Deckenkoffern“. Die horizontale Beplankung dieser Koffer besteht aus Absorptions- und Reflexionsflächen. Dazu kombiniert sie entweder eine Lage Bauplatten mit einer Lage gelochter Gipsplatten oder nur gelochte Platten mit vorgefertigten Kanten. Die vertikale Beplankung besteht aus regulären Gipsbauplatten. Die glatten Platten stellen die Reflexion des Schalls sicher, die gelochten die Absorption. Jeder „Deckenkoffer“ wurde auf der Baustelle zugeschnitten und zusammengebaut. Auskragende Kanten wurden mit Metalltechnik ausgeführt. Zudem wurden die einzelnen Elemente jeweils individuell gestaltet. So üben sie jeweils individuelle Funktionen hinsichtlich der Reflexion beziehungsweise der Absorption der Raumakustik aus und sorgen in Verbindung mit den anderen „Deckenkoffern“ für eine optimale Gesamtakustik. Große rechteckige Revisionsfelder verbergen zusätzliche Bühnentechnik und lassen sich bei Bedarf als überdimensionale Revisionsöffnungen abklappen.

Die Akustikbekleidung im Neubau erstrahlt in edlem Dunkelblau

Im Neubautrakt des Kongresszentrums wartet der Saal Z mit einer dunkelblauen Akustikbekleidung aus gewölbten Decken- und Wandfeldern auf. (Quelle: Knauf/Dirk Masbaum)

Im Neubautrakt des Kongresszentrums wartet der sogenannte Saal Z mit einer dunkelblauen Akustikbekleidung aus gewölbten Decken- und Wandfeldern auf. Die Basis der hier montierten Decke bildet eine Unterkonstruktion aus vorgebogen angelieferten CD-Profilen in Kombination mit UA-Profilen. Im Sinne einer optimalen Biegung wurden diese mit Gipsplattenstreifen unterlegt und mit Lochplatten beplankt sowie mit Mineralwolle gedämmt und zuletzt endbeschichtet.

Ein Teil der Besprechungsräume wurde zur thermischen Optimierung mit Kühldecken in Kombination mit speziellen Gipsplatten ausgestattet. Die schallabsorbierenden Platten verfügen über einen Spezialgipskern mit hoher Wärmeleitfähigkeit. Eingearbeitete Lichtvouten (verkofferte Leuchten, die das Licht von der Wand aus an die Decke strahlen) setzen optische Akzente.

Die Basis der Decke im Saal Z bildet eine Unterkonstruktion aus vorgebogen angelieferten CD-Profilen in Kombination mit UA-Profilen. Für eine optimale Biegung wurden diese mit Gipsplattenstreifen unterlegt und mit Lochplatten beplankt. (Quelle: Knauf/Dirk Masbaum)

Bautafel

Bauherr: CCH Immobilien GmbH & Co.KG, Hamburg

Ausführung Trockenbau: Baierl & Demmelhuber Innenausbau GmbH, Ahrensburg

Planung: ARGE agn Leusmann und Tim Hupe Architekten, Hamburg

Baustoffe: Knauf Gips KG, Iphofen

Produkte: Knauf Cubo, Knauf Diamant, Knauf Stahl-Leichtbauprofile, Silentboard, Fireboard, Knauf Lochplatten Cleaneo, Knauf Form-Falt u. Biegetechnik, Knauf Profiltechnik

Fachberatung: Jörg Schröder, Marktmanager Trockenbau; Cord Bellmann, Objektmanager Akustiksysteme; Michael Thorwart, Sonderkalkulation und Objekte, alle Knauf Gips KG

zuletzt editiert am 19.05.2022