Das Herbstforum Altbau stieß in der Vergangenheit auf großes Interesse – wie hier im vergangenen Jahr. Auch 2026 werden rund 1.000 Teilnehmende aus Energieberatung, Architektur, Handwerk, Kommunen, Politik und Medien erwartet. (Quelle: Zukunft Altbau / Martin Stollberg)

Gebäude + Energie 2026-09-24T07:17:48.285Z Neue Konzepte für alte Gebäude

„Den Gebäudesektor auf die Zielgerade bringen“ und „Weiterbauen statt abreißen“ – so lauten die Titel der beiden Vorträge, die am Anfang des Herbstforums Altbau 2026 stehen. Sie geben die Richtung vor: Die Veranstaltung am 19. November in Stuttgart möchte Wege aufzeigen, wie der Gebäudebestand energetisch modernisiert werden kann – und zwar zügig.

Die renommierte Fachtagung für Expertinnen und Experten der Gebäudesanierung findet bereits zum 28. Mal statt. Erwartet werden rund 1.000 Teilnehmende aus Energieberatung, Architektur, Handwerk, Kommunen, Politik und Medien. Wie gewohnt liegt der Fokus auf den Trends der energetischen Gebäudesanierung. Veranstalter ist das vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Informationsprogramm Zukunft Altbau. In diesem Jahr ist das Herbstforum Altbau zum ersten Mal Teil eines Doppelevents der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW). Am Tag zuvor, dem 18. November, findet am selben Ort die Veranstaltung „Energiewende kompakt“ zu Wärmenetzen und erneuerbaren Energien statt.

Energetische Sanierung vorantreiben

„Die Dekarbonisierung unserer Energieversorgung ist nicht nur eine Frage des Klimaschutzes und der Wirtschaftlichkeit, sondern auch eine der geopolitischen Sicherheit und Unabhängigkeit“, sagt Thekla Walker, Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg in ihrem Grußwort zum Herbstforum Altbau. Wie es um den Klimaschutz in Baden-Württemberg steht und welche Ziele die neue Regierung diesbezüglich hat, berichtet die Umweltministerin in ihrem Vortrag. Dabei weist sie unter anderem darauf hin, dass Baden-Württemberg im Gebäudebereich eine deutliche Steigerung der Sanierungsrate benötigt. Wie dieses Ziel erreicht werden kann, ist auch Thema der weiteren Vorträge des Herbstforums Altbau.

Mehr Tempo beim Ausstieg

Die erste Referentin ist Barbara Metz, die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Die DUH kritisiert das aktuelle Gebäudemodernisierungsgesetz scharf und warnt davor, den Ausstieg aus den Fossilen zu verzögern. In ihrem Beitrag „Zur Sache! Den Gebäudesektor auf die Zielgerade bringen“ legt Metz dar, warum beim Umbau der Energieversorgung hin zu Erneuerbaren keine Zeit mehr verschwendet werden darf. Sie fordert, die Möglichkeiten, die es bereits gibt, rasch in die Praxis umzusetzen, um Gebäude effizienter, resilienter und zukunftsfähig zu machen.

Die Architektin Mariette Beyeler ist Gründerin der Non-Profit-Organisation Metamorph House. In ihrem Beitrag „Weiterbauen statt abreißen: So entwickelt die Schweiz Einfamilienhäuser“ erklärt Beyeler, wie der Einfamilienhausbestand qualitativ weiterentwickelt und individuell passend mit zukunftsfähigen Gebäudekonzepten umgewandelt werden kann.

Jan Münster, neues Mitglied der Geschäftsführung der KEA-BW, fasst in seinem Vortrag die Inhalte von „Energiewende kompakt“ vom Vortag und die dort gewonnenen Erkenntnisse zusammen. Im Zentrum der geplanten Bar-Camp-Sessions stehen der Ausbau und die Weiterentwicklung von Wärmenetzen im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien. Gerade für Kommunen, Energieversorger, Planerinnen und Planer und regionale Energieagenturen wird es immer wichtiger, Strom- und Wärmesysteme integrativ zu denken und umzusetzen.

Energiewende, Sanierungssprints und serielles Sanieren

Konkrete Wege aus der Energiekrise in die Klimaneutralität, vom Eigenheim bis zur Volkswirtschaft, zeigt Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner vom Institut für Energiespeicher, der Hochschule Regensburg. Er macht deutlich, wie erneuerbarer Strom durch Netze, Speicher und Wasserstoff dauerhaft und zuverlässig für die Sektoren verfügbar gemacht wird, wie diese Transformation kostenoptimal gelingt und warum es dazu eine Bewusstseinswende braucht.

Highlights und neueste Lösungsansätze rund um erfolgreiche Sanierungssprints in Baden-Württemberg stellen Felix Schweikhardt und Thabo von Roman vor. Schweikhardt ist Projektverantwortlicher für die Sanierungssprints bei Zukunft Altbau, von Roman leitet die dortige Energieberatung. Ziel von Sanierungssprints ist, energetische Sanierungen innerhalb von 22 Werktagen umzusetzen.

„Energiespröngle – serielle Sanierung mit dem lokalen Zimmerer“ – Energieberater Erol Ari hat sich mit seiner Agentur EA2 auf ein lokales Experiment im kleinen Maßstab eingelassen. Fallen die Begriffe „serielle Sanierung“ oder „Energiesprong“, denken die meisten an Sanierungen in großen Dimensionen. Ari jedoch zeigt am Beispiel einer Mehrfamilienhaus-Sanierung auf der Ostalb, dass sich das Konzept auch für kleinere Projekte wirtschaftlich lohnt und regional effizient gestaltet werden kann. Ein schwäbisches Energiespröngle eben.

Leitfaden für Nachhaltiges Bauen und EH-55-Denkmal

Referent Dietmar Lenz, Geschäftsführer von AnBau, Agentur für nachhaltiges Bauen, sowie Geschäftsführer der LNB Leitfaden Nachhaltig Bauen GmbH. Der LNB ist ein Gebäudebewertungs- und Planungssystem für nachhaltiges Bauen, das insbesondere für öffentliche Bauvorhaben entwickelt wurde. Lenz zeigt anhand kommunaler Bauvorhaben wie Kitas, Turnhallen und Schulen, wie Kommunen mit diesem Leitfaden arbeiten können, um Sanierungsprojekte nachhaltig erfolgreich umzusetzen.

Die Architektin Stefanie von Heeren schildert direkt aus der Praxis, wie ein denkmalgeschütztes Fachwerkensemble aus dem 17. Jahrhundert zu einem Effizienzhaus 55 saniert wurde. Zum Abschluss erklärt der Berliner Architekt und Stadtplaner Dr. Burkhardt Schulze Darup „Warum für den Gebäudebestand 2045 früher beginnt, als uns lieb ist“.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer können das Herbstforum Altbau sowohl vor Ort als auch digital per Livestream verfolgen. Wer mit mehreren zusammen digital teilnehmen will und sich so in der Region vernetzen möchte, kann auch eine Regionalgruppe organisieren. Die Tagung findet in der Sparkassenakademie in Stuttgart statt. Die gesamte Veranstaltung ist nachhaltig als Green Event konzipiert und als Fortbildung von der Deutschen Energie-Agentur sowie der Architekten- und Ingenieurkammer Baden-Württemberg anerkannt. Ergänzt wird die Tagung durch eine Fachausstellung mit aktuellen Produkten und Trends rund um das energetische Modernisieren. Weitere Informationen und Anmeldung >>>

zuletzt editiert am 24. September 2026
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