zurück

Zu viele Barrieren

Erstmals liegen bundesweit erhobene, statistische Daten zu Barrieren im Wohnungsbaubestand vor. Und diese Daten sind eindeutig: Es gibt viel zu wenig barrierefreien Wohnraum in Deutschland. Die Themenmarke „bfb barrierefrei bauen“ hat das umfangreiche Datenmaterial nun verarbeitet, die Ergebnisse grafisch aufbereitet und als Ergänzung zur bestehenden „bfb barrierefrei Trendstudie 2019“ veröffentlicht.

Cover bfb barrierefrei Trendstudio Mikrozensus 2018
Barrierefreies Wohnen in Deutschland: Bedarf und Angebot gehen weit auseinander. (Abb.: Rudolf Müller Mediengruppe)

Nur zwei Prozent aller Wohnungen und Einfamilienhäuser in Deutschland sind annähernd barrierefrei. Lediglich jedes zehnte Gebäude lässt sich stufenlos betreten und selbst bei den Neubauten der letzten drei Jahre wurde nur bei jedem Fünften weitgehend auf Barrieren verzichtet. Dies geht aus den vom Statistischen Bundesamt im Dezember 2019 veröffentlichten Daten des Mikrozensus-Zusatzprogramms „Wohnen“ hervor.

Die Ergebnisse der bereits 2018 erhobenen, aber erst Ende 2019 veröffentlichten Daten bestätigen und untermauern bisherige Schätzungen, wonach der Bestand an barrierefreien Wohnungen bei Weitem nicht dem aktuellen und zukünftig rasant weiter steigenden Bedarf entspricht. Es fehlt an allen Ecken und Enden sowohl innerhalb als auch außerhalb der Wohnungen.

Alter oder Anzahl der Bewohner eines Haushalts haben danach keinen Einfluss auf den Grad der Barrierefreiheit. Im Umkehrschluss bedeutet das leider auch: Selbst bei Haushalten mit Senioren liegt der Anteil der Wohnungen, die die Kriterien zur Barrierefreiheit erfüllen bei nur drei Prozent. Anstatt der Anzahl oder des Alters der Bewohner, nehmen Faktoren wie Baujahr oder monatliches Einkommen Einfluss auf die barrierefreie Ausführung. Je nach Baujahr des Gebäudes gibt es hier große Unterschiede. Nur ein Prozent der Wohnungen in Altbauten mit Baujahr vor 1948 ist nach den vorgenannten Kriterien annähernd barrierefrei, ab 2011 liegt der Anteil dieser Wohnungen immerhin bei 18 Prozent.

Dennoch sind über die Hälfte der Gebäude, die ab 2011 gebaut worden sind, nicht stufenlos zugänglich. Neben dem Baujahr spielt auch das monatliche Einkommen eine Rolle. Je höher das Einkommen, desto besser ist tendenziell auch die barrierefreie Ausstattung der Wohnung. Insgesamt heißt das für die Baubranche, dass großes Potenzial und viel Aufholbedarf besteht, denn auch in den kommenden Jahren wird die Nachfrage nach barrierefreiem Wohnraum weiter ansteigen.

„bfb barrierefrei bauen“ hat die Daten aus dem Mikrozensus-Zusatzprogramm „Wohnen“ aufbereitet und ergänzt damit die bestehende bfb-Trendstudie von 2019 . Diese Marktstudie liefert hilfreiches Hintergrundwissen und zeigt Herausforderungen und Chancen des barrierefreien, demografiefesten Bauens in Deutschland auf. Die vollständige Auswertung im PDF-Format mit allen Grafiken zum barrierefreien Wohnungsbaubestand bietet bfb als kostenlosen Download an.