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Wie wirkt sich Corona-Epidemie auf die Baukonjunktur aus?

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) geht davon aus, dass die Gefahr für die deutsche Baukonjunktur im laufenden Jahr vermutlich nicht in einem deutlichen Nachfragerückgang besteht. Das Risiko besteht eher darin, dass die Produktion durch Probleme bei den Baustoff- und Baumaterialzulieferern, durch Erkrankungen in den Baubelegschaften oder durch behördliche Maßnahmen gebremst wird.

Diese Anzeichen werden aktuell durch die Unternehmen bestätigt. Die Eintrittswahrscheinlichkeit ist weiterhin ungewiss, die Auswirkungen könnten aber immens sein.

Eine konkrete Prognose ist derzeit nicht möglich. Eine erste vorsichtige „Trendaussage“ ist, dass der Hauptverband der deutschen Bauindustrie mit einer Stagnation des baugewerblichen Umsatzes im Bauhauptgewerbe gegenüber dem Vorjahr rechnet, ein reales Wachstum aber außer Reichweite liegt. Aus Sicht der Bauindustrie ist zum jetzigen Zeitpunkt eine realistische Umsatzprognose für 2020 nur eingeschränkt möglich. Die Januarwerte zu Auftragseingang und Umsatz im Bauhauptgewerbe waren mit zweistelligen nominalen Zuwachsraten noch ausgesprochen positiv. Für den Februar wird eine ähnliche Entwicklung erwartet. Die März-Werte, bei denen sich die Epidemie eventuell schon bemerkbar macht, werden erst Ende Mai vorliegen. Bis dahin ist der HDB auf die Einschätzungen der Lage und Erwartungen aus Reihen der Baufirmen angewiesen. Wenn sich das dort aufgezeigte Stimmungsbild bestätigt, wird sich auch die Bauwirtschaft vom aktuellen Abwärtstrend in der Wirtschaft nicht gänzlich abkoppeln können. Zumindest temporär ist mit einem Produktionsrückgang zu rechnen.

Schnellumfrage des HDB spiegelt erste Stimmungsbilder aus der Praxis

Der HDB hat vom 24. bis zum 31. März eine eigene Umfrage unter den Mitgliedsfirmen durchgeführt. Daran haben 409 Personen teilgenommen. Die Ergebnisse vermitteln eine Momentaufnahme über die Situation in der Bauindustrie. Danach haben 56 Prozent geantwortet, dass sie durch die Auswirkungen des Corona-Virus in ihrer Leistungserbringung bereits heute behindert sind. Dabei sagt allerdings ein Großteil von 62 Prozent, dass die Auswirkungen entweder neutral (20 %) oder geringfügig (42 %) seien. 33 Prozent melden eine starke und lediglich vier Prozent eine sehr starke Einschränkung.

Die größten Einschränkungen kommen durch fehlende Materiallieferungen (39 %), einen hohen Krankenstand (40 %), behördliche Quarantäneauflagen (31 %), weniger Nachfrage (26 %) und Stornierungen (25 %) zustande. 33 Prozent berichten von Personalmangel aufgrund von Grenzschließungen. Dies betraf besonders Mitarbeiter aus Polen.

Positiv stimmt, dass nur zehn Prozent der gesamten Umfrageteilnehmer angeben, Anzeichen wahrzunehmen, dass öffentliche Auftraggeber Rechnungen nicht mehr zahlen würden. Als Gründe wurden überwiegend genannt, dass sich die Rechnungsprüfung verzögert und dass es kein Personal in den Behörden gibt.

Auch DIHK hat Blitzumfrage durchgeführt

Die Umfrageergebnisse des HDB unterscheiden sich von denen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), der ebenfalls eine Umfrage durchgeführt hat. Beim DIHK nehmen überwiegend Kleinbetriebe an den Umfragen teil, während der HDB vor allem Mittelständler und große Baufirmen repräsentiert.

Der DIHK hat zwischen dem 24. und 26. März seine zweite Blitzumfrage zu den Auswirkungen der Epidemie durchgeführt und die Ergebnisse am 27. März veröffentlicht. An der Umfrage haben 950 Baufirmen teilgenommen.

87 Prozent der befragten Baufirmen geben an, dass sie negative Auswirkungen auf ihre Geschäfte spüren. Allerdings steht das Baugewerbe immer noch an letzter Stelle unter allen Wirtschaftsbereichen. 33 Prozent der befragten Bauunternehmen erwarten, dass ihr Umsatz im Gesamtjahr 2020 aufgrund der Pandemie zwischen zehn und 25 Prozent zurückgehen wird. Elf Prozent erwarten einen Rückgang von bis zu zehn Prozent, 20 Prozent einen Rückgang zwischen 25 und 50 Prozent und acht Prozent einen Rückgang von über 50 Prozent. Fünf Prozent erwarten keine Veränderung,

50 Prozent der befragten Bauunternehmen gaben auf die Frage „Welche Auswirkungen hat das Virus auf Ihre Geschäfte? (Mehrfachnennungen möglich)“ schon jetzt an, weniger Nachfrage nach den eigenen Produkten und Dienstleistungen zu spüren. Im Durchschnitt aller Branchen gaben dies 63 Prozent an. Weitere Auswirkungen waren: Ausfälle durch fehlende Mitarbeiter (46 %), Investitionen werden zurückgefahren (43 %), Aufträge wurden storniert (41 %), Waren und Dienstleistungen fehlen (34 %), Liquiditätsengpässe (33 %), logistische Engpässe (31 %) sowie Stillstand der geschäftlichen Tätigkeit (komplett oder zu großen Teilen, 18 %).

Besonders hohe Relevanz bei den Hilfsmaßnahmen haben aus Sicht der befragten Bauunternehmen das Kurzarbeitergeld (75 %) sowie Liquiditätshilfen durch Zuschüsse und Stundungen (59 %). Ein wirksames Element aus Sicht der Bauunternehmen, um Liquidität im Unternehmen zu halten, sind Steuerstundungen und das Anpassen der Vorauszahlungen (62 %). www.bauindustrie.de