zurück

Wie die Wormser Mikwe saniert wird

Die 1185 erbaute Mikwe in Worms zählt zu den ältesten erhaltenen jüdischen Ritualbädern in Europa und wird seit 2016 saniert. Um die teilweise schwer angegriffene Bausubstanz zu erhalten, hat das Institut für Steinkonservierung (IfS, Mainz) unterschiedliche Verfahren getestet, um die historischen Putz- und Fugensysteme sowie Sandsteinoberflächen zu bewahren.

Mikwe Treppe Vorraum
Die Treppe im Vorraum führt hinunter zum stark beschädigten Badeschacht. (Abb.: Dr. Michael Auras)

Im kommenden Jahr fällt voraussichtlich die Entscheidung, ob die Wormser Mikwe Unesco-Welterbe wird. Bis dahin bleibt noch einiges zu tun. Doch es gibt auch schon einige Erfolge zu vermelden. „Es ist uns gelungen, die noch vorhandenen Putzreste zu konservieren und wichtige Erkenntnisse zum Raumklima und der Belastung von Raumluft und Wandflächen zu sammeln“, so Projektleiter Dr. Michael Auras. Constanze Fuhrmann, Referentin Umwelt und Kulturgüter bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die das Projekt fachlich und finanziell mit 241.000 Euro fördert, betont zusätzlich die Bedeutung für andere Baudenkmäler: „Die Ergebnisse aus den Untersuchungen sind modellhaft und können helfen, ähnlich beschaffene Bauten zu erhalten.“

1185 erbaut, ist die Mikwe in Worms das zweitälteste Ritualbad in Deutschland und zählt zu den ältesten in ganz Europa. Im 19. Jahrhundert war sie zeitweise als Senkgrube für Abwasser zweckentfremdet worden. Während der Judenverfolgungen im Dritten Reich wurde das Fenster zum Badeschacht zerstört. Ein Instandsetzen des Ritualbads erfolgte 1958 im Rahmen des Wideraufbaus der Synagoge. Seit Ende 2016 ist es wegen Sanierungsmaßnahmen für die Öffentlichkeit gesperrt.

Maßnahmen zur Reinigung und Schutz entwickelt

Neben der hohen Luftfeuchtigkeit, die aufgrund des Wasserbeckens am Boden des Badeschachts vorherrsche, sei das Ritualbad durch unterschiedliche menschengemachte Umwelteinflüsse schwer beschädigt worden, so Fuhrmann. „In nahezu allen Baustoffen wurden hohe und zum Teil sogar extreme Gehalte an bauschädlichen Salzen nachgewiesen. Insbesondere das viele Schwefeldioxid, das vermutlich durch die Luftverschmutzung eines nahegelegenen Industriegebiets verursacht wurde, hat großen Schaden angerichtet.“ Neben den Salzen stelle vor allem der Befall mit Bakterien und Schimmelpilzen ein Problem dar, da diese sich als Belag auf den Oberflächen ablagern.

Mikwe schwarze Gipskruste Laserstrahlen
Um die schwarze Gipskruste von Putz- und Sandsteinoberflächen zu entfernen, wurden Laserstrahlen getestet. (Abb.: Dr. Michael Auras)

„Es ist uns mit kleinsten Kalkpartikeln, sogenanntem Nanokalk, gelungen, die Putzreste zu konservieren und die Oberflächen mit einem Laserverfahren zu reinigen“, erklärt Dr. Auras. Weiter haben die Analysen ergeben, dass spezielle Bakterien und Grünalgen für das Verfärben der dem Licht ausgesetzten Flächen verantwortlich seien. Die Gittertür sei versuchsweise durch eine geschlossene Tür ersetzt worden, um das Raumklima zu stabilisieren. Dies habe jedoch zu einem sehr starken Anstieg der Luftkeime geführt, weshalb die Tür umgehend wieder geöffnet worden sei.

Ein Problem sei leider nicht zu lösen: Die Analyse des Raumklimas habe nicht zu vereinbarende Anforderungen erbracht. Um die Belastung mit Bakterien und Schimmelpilzen zu reduzieren, seien trockene Bedingungen sinnvoll. Um aber das Kristallisieren der Salze zu unterbinden, sei dauerhaft hohe Luftfeuchte nötig. Abhilfe könne möglicherweise das Regeln der Luftfeuchte durch den Einbau einer Belüftungsanlage schaffen. „Zusammenfassend kann gesagt werden, dass viel zum Erhalt des Ritualbades geschafft wurde. Außerdem konnten einige wichtige Erkenntnisse gesammelt werden, die als Grundlage für weitere Forschungen dienen“, so Constanze Fuhrmann abschließend. Weitere Informationen finden Sie auf der Website der DBU und es IfS .