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WDVS und Mörtelprodukte: Gute Bilanz, durchwachsene Aussichten

Der Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM) hat in Zusammenarbeit mit der B+L Marktdaten GmbH eine positive Bilanz für WDVS und Mörtelprodukte 2019 vorgelegt. Doch dieser Trend wird sich in diesem Jahr nicht fortsetzen.

WDVS-Entwicklung
Dass bei WDVS 2019 ein leichter Absatzrückgang zu verzeichnen war, lag nach Auffassung des VDPM an der lange währenden Unsicherheit bei der steuerlichen Förderung der energetischen Modernisierung. Als die Förderprogramme im Rahmen des „Klimapakets 2020“ im Januar abgerufen werden konnten, kehrte sich der Trend um. (Abb.: B+L)

Zwar sind trotz Corona-Krise die Baustellen in Deutschland weiterhin geöffnet. Aber erste Vorboten einer Verschlechterung zeichnen sich bereits ab: der Krankenstand ist erhöht, Subunternehmer haben Schwierigkeiten bei der Einreise aus Nachbarländern, logistische Ausfälle und Verzögerungen im Genehmigungs- und Planungsprozess. Dennoch hoffen die im VDPM organisierten Unternehmen, sich mittel- wie langfristig von der gesamtwirtschaftlichen Abwärtsentwicklung abkoppeln zu können.

Es ist nur ein paar Wochen her, da sah die Trockenmörtel- und WDVS-Welt noch ganz anders aus, das belegen auch die Zahlen für 2019. Nach Berechnungen der Marktforscher konnte die Branche ihren Absatz im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um 0,8 Prozent erhöhen. Damit wurden die Absätze bereits das vierte Jahr in Folge gesteigert. Diese positive Entwicklung lässt sich insbesondere auf die Neubaukonjunktur zurückführen. Wie bereits im Vorjahr sorgten vor allem begrenzte Verarbeiterkapazitäten für ein zum Teil schleppendes Modernisierungsgeschäft.

Im Hinblick auf die einzelnen Produktsegmente beim Mörtel gab es bei Estrichprodukten und Innenputzen eine überdurchschnittlich positive Marktentwicklung. Weniger zufriedenstellend zeigt sich die Bilanz bei den Außenputzen: Nach einer vielversprechenden Fortsetzung der positiven Entwicklung der Jahre 2017 und 2018 lagen die Absätze zum Jahresende 2019 hinter den Erwartungen zurück.

Zögerliche Investitionen bei WDVS

In Aussicht auf die anstehenden Förderprogramme im Rahmen des „Klimapakets 2020“, das erst seit Januar 2020 abrufbar ist, hielten sich viele Bauherren zum Jahresende noch mit der Auftragsvergabe zurück. „Die lange währende Unsicherheit bei der steuerlichen Förderung der energetischen Modernisierung hat sich 2019 negativ auf die Entwicklung bei Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) ausgewirkt“, erläutert VDPM-Hauptgeschäftsführer Dr. Hans-Joachim Riechers, „daraus resultiert auf das ganze Jahr gesehen ein Rückgang um 2,4 Prozent auf 32,2 Millionen Quadratmeter verlegte WDVS.“ Dieser Trend konnte im ersten Quartal 2020 zunächst gestoppt werden.

In den ersten Wochen dieses Jahres schauten die VDPM-Mitglieder und die Branche insgesamt noch optimistisch in die Zukunft: Der anhaltende Genehmigungsanstieg sowohl im Wohn- als auch im Nichtwohnbau ließ das laufende Jahr mit einem deutlichen Auftragspolster starten. Auch durch das „Klimapaket“ verlief das Modernisierungssegment vielversprechend – bis die Corona-Pandemie alles verändert hat. Auch wenn die Auswirkungen bisher auf den Baustellen in Deutschland überschaubar sind, rechnen Experten ab dem zweiten Quartal vielfach mit einer schwierigeren Situation – und das liegt nicht nur an den oben genannten Gründen. Auch die Nachfrage könnte zurückgehen.

Eine aktuelle Befragung von Endverbrauchern ergab, dass auch potenzielle Modernisierer verunsichert sind. Vor allem größere Projekte werden zunächst verschoben. Das dürfte vor allen Dingen an der Sorge von Eigenheimbesitzern liegen, aufgrund von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit Einkommenseinbußen hinnehmen zu müssen.

Branche sorgt vor

BIP versus Bauvolumen
Nach Hochrechnungen von B+L ist vorerst von einem Rückgang von 1,2 Prozent im Bauvolumen des Hochbaus auszugehen – damit wäre die Bauwirtschaft nicht so stark von der Krise betroffen wie der Rest der Wirtschaft. (Abb.: B+L)

Nach B+L-Prognosen wird sich die Bauwirtschaft dennoch positiv von der Gesamtwirtschaft abkoppeln können. So habe fast die gesamte Bauzulieferindustrie ein sehr gutes erstes Quartal 2020 verbucht und Vorsorge treffen können: Um zu erwartende Materialengpässe zu vermeiden, hätten Handel und Handwerk zusätzliche Lagerbestände aufgebaut. Des Weiteren führten verzögerte Lieferungen aus Asien zu verstärkter Nachfrage bei europäischen Lieferanten. Vor diesem Hintergrund sei laut B+L davon auszugehen, dass das Bauvolumen (BV) in Deutschland weniger zurückgehen werde als die gesamtwirtschaftliche Leistung. Nach Hochrechnungen von B+L ist vorerst von einem Rückgang von 1,2 Prozent im Bauvolumen des Hochbaus auszugehen.

„Die Auftragsbücher der Maler, Stuckateure und Bauunternehmen sind aktuell noch gut gefüllt“, so Dr. Riechers. „Bauprojekte sollen – wenn auch mit Verzögerung – zu Ende gebracht werden. Die weitere Entwicklung bis zum Jahresende kann niemand genau vorhersehen. Als VDPM tun wir jedenfalls alles, um unsere Mitgliedsunternehmen und das Fachhandwerk so weit wie möglich bei der Marktbearbeitung zu unterstützen.“

www.vdpm.info
www.bl2020.com