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Was passiert bei einer Kontaminierung mit Asbest?

Im Rahmen von Abbruch-‚ Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten in Bereichen, die Asbest enthalten, können im schlimmsten Fall durch mangelnde Sorgfalt oder fehlende Sachkunde Fasern in angrenzende Bereiche freigesetzt werden. Was in dem Fall folgt, erläutern die folgenden 10 Punkte.

• Zunächst kann es nach Messung einer entsprechenden Kontaminierung zur Sicherung mit anschließender Stilllegung der betroffenen Räumlichkeiten kommen. Diese wird von der zuständigen Behörde, der Berufsgenossenschaft oder der Polizei durchgeführt.
• Die teilsanierten und vermeintlich mit asbesthaltigem Baustaub und asbesthaltigen Bruchstücken kontaminierten Wohnungen sind unverzüglich für Unbefugte geschlossen zu halten. Das muss mit einem Verbotsschild an der Tür kenntlich gemacht werden. Die betroffenen Mieter sind gegebenenfalls über erforderliche Evakuierungs- oder Ausquartierungsmaßnahmen zu informieren. Einen Zugang zu den betroffenen Wohnungen haben ausschließlich der Sachverständige für Gebäudeschadstoffe beziehungsweise die sachkundige aufsichtsführende Person des ausführenden Unternehmens nach TRGS 519.
• Der offene, mit asbesthaltigem Material versehene Bauschuttcontainer ist abzuplanen, zu kennzeichnen und abzukleben, damit Unbefugte keinen Zutritt dazu haben.
• Aufgrund einer möglichen Faserverschleppung und gesundheitlicher Gefährdungen für Dritte im Zuge unsachgemäßer ASI-Asbestarbeiten, sind alle vermeintlich kontaminierten Bereiche unverzüglich gründlich von oben nach unten grob- und feinreinigen zu lassen.
Wirksam ist hier eine fachkundige Absaugung mit einem geprüften Industriesauger in der Klasse H mit Asbestzulassung. Geländer, Fensterrahmen, Fensterbänke und Zwischentüren zu Laubengängen müssen nass gewischt werden. Alle Arbeiten sind in Absprache mit einem Sachverständigen für Gebäudeschadstoffe von einer sachkundigen Firma unter Einsatz entsprechender Schutzmaßnahmen auszuführen. Messergebnisse aus den etwaigen Messungen des Sachverständigen sind unverzüglich dem zuständigen Gewerbeaufsichtsamt zu übermitteln.
• Die ausführende Firma zeigt dem zuständigen Gewerbeaufsichtsamt sowie der zuständigen Berufsgenossenschaft die Arbeiten entsprechend TRGS 519 im Vorwege an.
• Dabei ist organisatorisch sicherzustellen, dass die Arbeitsbereiche für Dritte abgesperrt werden. Andere Personen und Gewerke sollten auch das Treppenhaus während der Reinigungsarbeiten nicht betreten.
• Den mit Asbestarbeiten beauftragten Beschäftigten vor Ort müssen angemessene separate Sanitär- und Sozialräume zur Verfügung gestellt werden. Ein Sachverständiger für Gebäudeschadstoffe ist schnellstmöglich mit einem Mess-Gutachten zu beauftragen. Er nimmt unabhängig Probenmaterial, führt erforderliche Messungen durch und nimmt eine Einschätzung vor, ob weitere Räume kontaminiert wurden. Das Mess-Gutachten ist dem zuständigen Gewerbeaufsichtsamt sowie der zuständigen Berufsgenossenschaft zuzuleiten.
• Der Sachverständige legt in Absprache mit dem ausführenden Unternehmen im Rahmen eines Arbeitsplanes fest, wie in den jeweiligen Wohnungen vorzugehen ist:
Abschottungen, Schleuse, Unterdruck, Beschichtungsmittel, Restfaserbindemittel, Folien, Überschuhe, Waschgelegenheit, Pausenraum, Gefährdungen Dritter, Entsorgung.
• Das ausführende Unternehmen zeigt die Arbeiten beim zuständigen Gewerbeaufsichtsamt oder der zuständigen Berufsgenossenschaft an.
• Nach Ausführung der ASI-Arbeiten sind in den jeweiligen Wohnungen Freimessungen vorzunehmen. In Abhängigkeit von diesem Ergebnis können die Mieter wieder einziehen oder andere Gewerke wieder tätig werden.

Es kommt auch vor, dass Mobiliar und persönliche Gegenstände durch unsachgemäße Arbeiten mit asbesthaltigem Staub kontaminiert wurden. Mieterseitig kann eine komplette neue Wohnungsausstattung, Arbeitsausfälle durch fehlende Bereitstellung von Ersatzwohnraum oder aufwendige Reinigungsmaßnahmen erfolgreich eingeklagt werden. Zusätzlich können Strafen wegen Ordnungswidrigkeiten und Strafverfahren eine Folge sein. Das kann sowohl für Bauherren als auch ausführende Firmen existenzbedrohende Ausmaße erreichen und zudem in der lokalen Presse Erwähnung finden.

Deshalb sollten Asbestarbeiten in Wohnungen auf jeden Fall unter Aufsicht durch einen erfahrenen Sachverständigen für Gebäudeschadstoffe begleitet und von einer sachkundigen Firma ausgeführt werden. Die Arbeiten sollten mit emissionsarmen Arbeitsverfahren ausgeführt werden, alle Gefahrstoffe unverzüglich sorgfältig verpackt, vollständig beseitigt und ordnungsgemäß entsorgt werden.

Wie eine sachkundige Asbestsanierung durchgeführt wird, beschreibt auch dieser Artikel.

Autor: Stefan Johannsen, Dipl.-Biologe