zurück

VDPM: Mitgestalten in Berlin

Auf seiner Mitgliederversammlung in Hamburg hat der VDPM (Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e. V.) seine aktuellen Projekte vorgestellt und über seine politischen Ziele informiert: Themen sind unter anderem die Europäische Normung, die EnEV und der Schlagregenschutz bei Putzen.

Christoph Dorn, Rainer König, Jan Bauer, Hans-Joachim Riechers
Christoph Dorn, VDPM Vorsitzender, Rainer König, Vorsitzender des Bundesverbandes Ausbau und Fassade, Jan Bauer, Präsident des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz und Dr. Hans-Joachim Riechers, VDPM Hauptgeschäftsführer (v.l.): „Wir freuen uns, dass die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handwerk auch im neuen Verband ihren hohen Stellenwert behält.“ (Abb.: T. Schmidt)

Das vergangene Jahr ist für die Mörtel- und Putzmärkte gut gelaufen. Insgesamt konnte ein Zuwachs von 2,4 Prozent über alle Produktbereiche erreicht werden. „Die Umsätze haben sich im Jahresverlauf in beinahe allen Produktbereichen kontinuierlich positiv entwickelt. Damit entspricht der Zuwachs des Gesamtjahres unseren Erwartungen“, so Christoph Dorn, Vorsitzender des VDPM, in seiner Begrüßung.

Auch das langjährige Sorgenkind Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) hat nach Ansicht vieler Branchenvertreter die Talsohle durchschritten. Ursächlich dafür dürfte das vorläufige Ende der Diskussionen rund um – in die mediale Kritik geratenen – Wärmedämm-Verbund­systeme sein. Nach vier Jahren mit zum Teil deutlichen Marktrückgängen konnten WDVS im vergangenen Jahr den negativen Trend insgesamt bremsen. Rechnerisch ergab sich erstmals wieder ein leichtes Plus bei den verlegten Quadratmetern (+ 0,6 Prozent).

Bauvolumen D Neubau Renovierung 2014-2018
Der Markt für Sanierungen und Neubauten hat sich in den letzten Jahren erfreulich entwickelt. (Abb.: VDPM)

Insgesamt zeigte sich Vorsitzender Christoph Dorn ein Jahr nach der Fusion zwischen dem Fachverband-Wärmedämm-Verbundsysteme und dem Industrieverband WerkMörtel zum neuen Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e.V. sehr zufrieden: „Schneller als geplant sind wir auf dem Weg nach Berlin und haben uns dort in allen maßgebenden Kreisen bereits fest etabliert.“

Was erwartet die Branche für 2018?

Der VDPM rechnet auch im laufenden Jahr wieder mit einem Absatzwachstum von mehr als 2 Prozent. Auch andere Verbände der Bauwirtschaft erwarten 2018 etwa 2-3 Prozent Zuwachs.

EnEV nicht weiter verschärfen

In einer von VDPM Hauptgeschäftsführer Dr. Hans-Joachim Riechers moderierten Podiumsdiskussion ging es um das Thema Wärmedämmung in Politik und Kommunikation. Die Expertenrunde mit Dr. Thomas Tenzler (Geschäftsführer FMI), Henning Ellermann (Leiter Energieeffizienz in Gebäuden, DENEFF), Kay Beyen (Leiter AK Fassadendämmstoffe, VDPM) und Dr. Klaus Ries (Forum sicheres Dämmen mit EPS) war sich einig, dass die Präsenz in Berlin unabdingbare Voraussetzung ist, um im Netzwerk mit wichtigen Partnern Fortschritte bei bedeutenden Verbandsthemen zu erzielen. Dies gelte unter anderem für die energetische Fassadenmodernisierung, die Aufwertung der Gebäudehülle gegenüber der Haus- und Heiztechnik sowie im Hinblick auf die EnEV, die aus Sicht des VDPM nicht weiter verschärft werden sollte.

„Eigenverantwortung und Anreize statt Verbote und Regulierung“ – diese Maßgabe legt der VDPM den Entscheidern in der neuen Bundesregierung nahe. „Wir erwarten (und werben dafür), dass die Energieeinsparverordnung – wie im Koalitionsvertrag vorgesehen – auf dem Status quo bleibt und weder verschärft noch ausgesetzt wird“, sagte Dr. Riechers. Diesem Gedanken habe sich auch die nordrhein-westfälische Bauministerin Ina Scharrenbach in einem persönlichen Gespräch angeschlossen. „Wir verlangen, dass der Koalitionsvertrag auch im Hinblick auf die steuerliche Förderung energetischer Modernisierungsmaßnahmen umgesetzt wird. Ein nochmaliges Scheitern wäre ein verheerendes Signal“, so der VDPM Hauptgeschäftsführer.

Europäische Normung mitgestalten

Die strategische Ausrichtung des VDPM wird erweitert, da viele technische Fragen am Ende auf der politischen Ebene entschieden werden. Es gibt zum Beispiel neue europäische Anforderungen an die Produkt-Kennzeichnung, die ohne Zusatznutzen einen enorm hohen Bürokratieaufwand und Kosten verursachen. Technisch sind sich alle Beteiligten einig, dass dies nicht erforderlich ist. Aber die Entscheidung fällt auf der politischen Ebene. Daher wird sich der VDPM künftig gezielt in diese Prozesse einschalten. Das war der Grund für die Verlegung der Geschäftsstelle nach Berlin.

Auch bei der Diskussion um die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudemodernisierung sucht der VDPM die Nähe zur Politik und dort die Ausweitung seiner Einflussmöglichkeiten. Dazu dient das Netzwerk mit den anderen in Berlin ansässigen (Fach)Verbänden und Institutionen: „Hier werden wir künftig auf vielen Ebenen aktiv, persönliche Kontakte zu den Entscheidern werden aufgebaut und intensiviert, über Mitarbeit in externen Gremien werden wir unseren Einflussbereich sukzessive ausdehnen“, so Dr. Riechers. Da Bauen nach wie vor Ländersache ist, sucht der VDPM auch den Kontakt zu den Landesvertretungen in Berlin.

Schlagregen: Wie viel Schutz ist nötig?

Der Arbeitskreis Mineralische Mörtel (Leiter: Dr. Martin Kanig) stellte im Rahmen seines Aktivitätsberichts die Betreuung einer Masterthesis vor. Diese hat den Schlagregenschutz von Putzen intensiv beleuchtet und aufgezeigt, dass das derzeitige Schutzniveau nicht verändert werden sollte. Damit bleibt ein dauerhafter Feuchte- und Wärmeschutz garantiert. Die Ergebnisse dieser Masterthesis wurden in der ersten Ausgabe der Fachzeitschrift Bauphysik veröffentlicht.

Wärmedämmputze sind auf dem Vormarsch. Der Arbeitskreis arbeitet derzeit an einer produktübergreifenden Spezifikation (Anwendungsdokument), welche es den Herstellern ermöglicht, die Wärmeleitfähigkeit und das Brandverhalten von Wärmedämmputzen einheitlich zu deklarieren. Die Spezifikation basiert auf umfangreichen Prüfungen und Brandversuchen.

Im Bereich Mauermörtel hat der Arbeitskreis gemeinsam mit Partnern der Ziegel- und Leichtbetonindustrie das Merkblatt „Mauerwerk mit Dünnbettmörtel“ herausgegeben, in dem klar empfohlen wird, Dünnbettmörtel vollflächig und deckelnd aufzutragen. Aber auch die Normung spielt in diesem Gremium eine wichtige Rolle. So ist die neue nationale Anwendungsnorm für Mauermörtel noch immer nicht veröffentlicht, da das DIBt über die europäische Norm hinausgehende Anforderungen aufnehmen möchte.

Umwelt- und Gesundheitsschutz stellen neue Herausforderungen

Ein weiterer Arbeitskreis des VDPM, der AK Umwelt und Gefahrstoffmanagement (Leiter: Dr. Dieter Schübl) hat ein Forschungsprojekt auf die Schiene gesetzt: Nachdem der VDPM über 10 Jahre gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut und anderen nationalen und internationalen Forschungsstellen die Umwelteigenschaften von Putzen und Mörtel untersucht hat, stehen jetzt Aufbereitung und Veröffentlichung der Ergebnisse an. Dies soll im Rahmen einer Dissertation unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Sedlbauer an der TU München erfolgen. Die Finanzierung wird vom VDPM und seinen Mitgliedsunternehmen sichergestellt.

Eine Herausforderung bleibt der ständige Kampf gegen immer neue Auflagen und Verbote bei der Verwendung von Rohstoffen. So könnte die in Europa geführte Diskussion um eine vermutete krebserzeugende Wirkung von Titandioxid – die bisher allerdings nicht belegt ist – ungeahnte Konsequenzen für die deutschen Hersteller von Putzen und Mörteln haben, die Titandioxid als „das“ Weißpigment einsetzen. Eine neue Kennzeichnungspflicht („UFI-Code“) soll Hersteller dazu zwingen, ihre gesamten Rezepturen detailliert offenzulegen, damit sie im Ernstfall für die Giftnotrufzentralen erreichbar sind. Das vorgesehene System bedingt zudem eine höchst aufwendige Kennzeichnung und Bürokratie. Gemeinsam mit anderen Verbänden hat der VDPM einen Vorschlag vorgelegt, mit dem das Verfahren bei gleicher Sicherheit deutlich einfacher wird.

Arbeitskreise machen die Verbandsarbeit aus

Die Mitgliederversammlung stand neben den notwendigen formalen Beschlüssen im Zeichen der Berichte aus den VDPM Arbeitskreisen. Christoph Dorn bedankte sich bei allen, die in den Gremien des VDPM mitarbeiten. „Hier wird die eigentliche Verbandsarbeit geleistet. Der Schulterschluss mit den Experten aus den Mitgliedsunternehmen macht den VDPM stark.“

Den Abschluss des Tagungsprogramms bildete die beeindruckende Schilderung von Helga Hengge, Deutschlands erster Frau auf dem Mount Everest, die das Auditorium in einem faszinierenden Vortrag mitnahm auf die Reise zum höchsten Gipfel der Welt.

Die nächste VDPM-Mitgliederversammlung findet am 11. und 12. April 2019 in Berlin statt.