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Unsere Projekte laufen noch weiter

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Betoninstandsetzungsunternehmen aus? Hierüber sprach B+B mit Dipl.-Ing. Marco Götze, Vorsitzender der Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken e.V. und Geschäftsführer der Firma Tarkus IngenieurSanierung GmbH in Berlin.

Marco Götze Beton-Insta 2019
Als es noch Präsenzveranstaltungen gab: Marco Götze, Vorsitzender der Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken e.V., eröffnet im vergangenen Juni die Beton-Insta in Hamburg. (Abb.: B+B Bauen im Bestand/M. Henke)

B+B: Mit welchen Corona-bedingten Fragen und Problemen werden Sie zurzeit in Ihrem Unternehmen konfrontiert?
Marco Götze: Eines der größten Themen ist natürlich der Arbeitsschutz und hier insbesondere die aufgestellten Abstands- und Hygieneregeln. Die Baubranche ist ja glücklicherweise von den meisten Einschränkungen ausgenommen und kann in vielen Bereichen „normal“ weiterarbeiten. Deshalb gilt es aber umso mehr, sich über die aktuellen Regelungen zum Arbeitsschutz auf dem Laufenden zu halten, damit diese Ausnahmen weiter bestehen bleiben. Das ist aber zum Teil gar nicht so einfach, da eine bundeseinheitliche Linie fehlt. Es gibt Leitfäden und Hinweise fast sämtlicher Ministerien auf Bundesebene. Hinzu kommen die Veröffentlichungen der Bau BG und länderspezifische Regelungen. Selbst die Gemeinden, Kommunen und Städte handeln zum Teil unterschiedlich. Das verunsichert einen nicht nur als Arbeitgeber, sondern auch unsere Mitarbeiter. Gegen diese Verunsicherung hilft nur, sich permanent zu informieren und mit Mitarbeitern die neuen Gegebenheiten transparent zu kommunizieren. Zum Glück gibt es Verbände und Innungen, die die Informationsflut vorsortieren und bei Rückfragen Hilfestellung leisten.


B+B: Wie wirken sich die Einschränkungen des öffentlichen Lebens konkret auf die Arbeit der Betoninstandsetzer aus? Beobachten Sie spezielle Auswirkungen bei den Unternehmen oder laufen alle Baustellen noch „normal“?
Marco Götze: Die Branche der Betoninstandsetzung ist – bis auf Ausnahmen – eher kleinteilig organisiert und von ausländischen Lieferketten nicht so stark abhängig. Die heimische Baustoffindustrie ist in der jetzigen Situation in der Lage, uns zuverlässig mit den notwendigen Materialien zu versorgen. Da haben es andere Gewerke deutlich schwerer, ihre Materialen fristgerecht zu erhalten. Auch der Einsatz von Nachunternehmern ist bei uns nicht so stark ausgeprägt. Wir arbeiten viel mit eigenem Personal, das meist seit vielen Jahren im Unternehmen tätig ist und gerade in solchen Zeiten einen erstaunlichen Chorgeist entwickelt. Da muss ich an dieser Stelle dem gewerblichen Personal mal meinen ganz großen Respekt und ein dickes Dankeschön aussprechen. Aber man merkt dennoch, dass gerade jüngere Mitarbeiter mit kleinen Kindern an ihre Grenzen stoßen. Hier muss sich bei der Betreuungssituation schnell was verbessern. Es kann nicht sein, dass die, die für unsere Zukunft sorgen, die größten Probleme haben.


B+B: Merken die Unternehmen einen Rückgang bei neuen Aufträgen oder Kündigungen bereits geschlossener Verträge oder wird der Wunsch, Zahlungsfristen zu verlängern, an diese herangetragen?
Marco Götze: Bis jetzt ist mir in dieser Richtung noch nichts Konkretes bekannt geworden. Aber ich denke, die Auswirkungen der Corona-Krise werden wir erst mit einiger Verzögerung spüren. Im Moment laufen die bereits begonnenen Projekte weiter, und es kommen auch noch Ausschreibungen auf den Markt. Aber es zeichnet sich ab, dass gerade Genehmigungen und Vergaben in absehbarer Zeit ein großes Problem werden. Die Corona-Krise zeigt eklatant die Defizite der Verwaltung auf. Nur ein Bruchteil aller Mitarbeiter ist Home-Office-fähig. Dabei liegt es nicht mal an der Kompetenz der Angestellten, sondern schlicht an der technischen Ausstattung. Jetzt rächt es sich, dass versäumt wurde, in den letzten Jahrzehnten in eine moderne und vor allem digitale Verwaltung zu investieren. Aber, by the way, das trifft auch auf viele Bauunternehmen zu. Wer sich dem Thema Digitalisierung frühzeitig geöffnet hat, kommt jetzt deutlich besser durch diese schwierige Zeit.


B+B: Lässt sich die Arbeit auf den Instandsetzungsbaustellen Corona-gerecht organisieren?
Marco Götze: In jedem Fall. Der Gesetzgeber hat ja durchaus Augenmaß und Praxisnähe bewiesen, indem er die Abstandsregeln für das Bauwesen unter bestimmten Voraussetzungen ausgesetzt hat. Wir geben uns große Mühe, die Anforderungen einzuhalten. Nichts wäre schlimmer, als wenn der Betrieb aus Unachtsamkeit in Quarantäne gehen müsste. Damit würden wir unsere doch recht gute Position stark gefährden.
Was zwischenzeitlich zu einem Problem geworden ist, ist die Versorgung mit Atemschutzmasken. Die Baubranche und insbesondere die Instandsetzungsbranche benötigt eine große Menge davon. Ich hoffe sehr, dass die neu geltende Maskenpflicht die Situation nicht noch verschlechtert.
Zusammenfassend ist meines Erachten zu sagen, dass die Baubranche, und hier insbesondere die Betoninstandsetzung, in der aktuellen Situation noch zu den privilegierten Branchen gehört. Wir können weiterarbeiten und sorgen auch in diesen schwierigen Zeiten für sichere Arbeitsplätze und halten die Wirtschaft am Laufen. Wie sich die Situation mittel- und langfristig auch auf uns auswirkt, kann man nur spekulieren. Aber ich bin durchaus positiv, denn eine funktionierende Infrastruktur und sichere Gebäude sind systemrelevant.
Ich wünsche allen Nutzern von bauenimbestand24.de beste Gesundheit und Zuversicht, die aktuelle Situation so gut es geht zu meistern!

Michael Henke

www.betoninstandsetzer.de