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Tarif-Streit im Bauhauptgewerbe beigelegt

Die beiden Arbeitgeberverbände im Bauhauptgewerbe, der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und der Zentralverband Deutsches Baugewerbe, und die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) haben dem Schlichterspruch im Tarif-Streit zugestimmt. Neben einer „Corona-Prämie“ erhalten die Beschäftigten ab dem 1. Januar 2021 im Tarifgebiet West 2,1 Prozent, im Tarifgebiet Ost 2,2 Prozent mehr Lohn.

RKB Rainer Sturm pixelio.de
Erstmals enthält die Entlohnung der Beschäftigten im Baugewerbe eine Entschädigung für die sogenannte Wegezeit. (Abb.: Rainer Sturm/pixelio.de)

Zusätzlich wird ab dem 1. Oktober 2020 ein Zuschlag von 0,5 Prozent auf den Stundenlohn zur pauschalen Entschädigung von Wegezeiten und -strecken gezahlt. Auch die Ausbildungsvergütungen werden angehoben, und zwar um 40 Euro im ersten, um 30 Euro im zweiten und um 20 Euro im dritten Lehrjahr. Die „Corona-Prämie“ in Höhe von 500 Euro ist als Einmalzahlung ausgestaltet und steuer- und sozialabgabenfrei, sodass sie vollständig den Beschäftigten zu Gute kommt. Die Auszubildenden erhalten eine Einmalzahlung in Höhe von 250 Euro. Die Laufzeit des Tarifabschlusses beträgt 14 Monate ab dem 1. Mai 2020 bis zum 30. Juni 2021.

„Damit haben die Tarifvertragsparteien ihrer Verantwortung angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation der Branche in der Corona-Pandemie Rechnung getragen“, so Uwe Nostitz, Verhandlungsführer der Arbeitgeber und Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), und Jutta Beeke, Vizepräsidentin des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB), in einer gemeinsamen Erklärung. „Die Tarifverhandlungen waren schwierig und haben sich lange hingezogen. Wir haben einen guten Kompromiss für viele Fragen gefunden.“

Die IG BAU spricht von einm „Tarifabschluss, der Perspektive bringt“. So werde die Laufzeit des neuen Tarifvertrages bis zum kommenden Juni genutzt, in sogenannten „Gipfelgesprächen“ unter Moderation des Schlichters Prof. Dr. Rainer Schlegel, des Präsidenten des Bundessozialgerichts, essentielle Änderungen im Bundesrahmentarifvertrag zu verhandeln. Gegenstand werden dabei unter anderem auch die neu eingeführte pauschale Wegezeitenvergütung sowie eine zukunftsfähige Regelung der Mindestlöhne sein.

Die Entschädigung der Zeit, die Baubeschäftigte bislang zusätzlich zu ihrer Arbeitszeit investieren, um überhaupt zur Baustelle zu kommen, sei für die Arbeitgeber bisher ein „No-Go“ gewesen, so IG BAU-Chef Robert Feiger. „Die Entschädigung der Wegezeit kommt. Das ist tarifpolitisch ein Meilenstein“, betonte der IG BAU-Chef. Allerdings sei das Schichtungsergebnis in puncto Wegezeit erst ein Einstieg, dem „ganz klar weitere Schritte folgen müssen“. Carsten Burckhardt, der im Bundesvorstand der IG BAU für das Bauhauptgewerbe zuständig ist, verweist auf das Ergebnis einer Branchen-Umfrage: „Die Wegezeit-Entschädigung brennt den Baubeschäftigten auf den Nägeln. Ihre Einsatzorte wechseln ständig – die Pendeldauer zur Baustelle ist für sie nie absehbar. Das alles entscheidet allein der Chef. Die umsonst geleistete Wegezeit rangiert bei der Unzufriedenheit von Baubeschäftigten ganz oben.“ Es sei fatal, diesen Aspekt herunterzuspielen, warnt Burckhardt. „In den kommenden Gesprächen werden wir alles daransetzen, die Wegezeit-Entschädigung bis zum Sommer 2021 voranzutreiben und mit dem Schlichter an einer Lösung zu arbeiten“, machte Feiger klar. Weitere Informationen finden Sie auf der Website des ZDB und der IG BAU .